Kinder auch in Österreich »um Rechte gebracht«

Am Sonntag ist Welttag der Kinderrechte. Verschiedene Organisationen orten in Österreich Baustellen bei Armutsbekämpfung, Bildung und psychischer Gesundheit.

Wien, 19. November 2022 | Kinder und Jugendliche sind eigenständige Persönlichkeiten mit eigenen Rechten. Das hält die UNO-Kinderrechtskonvention fest, die es seit 1989 gibt. Sie beinhaltet etwa das Recht auf Gleichbehandlung, Förderung und Entwicklung, Schutz und Mitbestimmung. Daran erinnert der Welttag der Kinderrechte am Sonntag.

In Österreich gelten die Kinderrechte seit 1992. Anlässlich des Welttags rufen hierzulande mehrere Organisationen zu Einhaltung dieser Rechte auf. Im Vergleich zu anderen Ländern geht es Kindern in  Österreich laut dem Netzwerk Kinderrechte gut.

Jedes fünfte Kind von Armut betroffen

Doch auch in Österreich gibt es „viel zu viele Kinder, die trotzdem Gewalt erfahren, viel zu viele Kinder, die es im Winter kalt zuhause haben, viel zu viele Kinder, die kein gesundes Essen und nicht rechtzeitig die richtige Medizin und Therapie bekommen, wenn sie krank sind, viel zu viele Kinder, die weder in der Schule auf Projekt- oder Sportwoche noch mit ihren Familien auf Urlaub fahren oder einmal ins Kino gehen können.“ Vor allem Kinder aus geflüchteten Familien seien stark betroffen. Fast 400.000 Kinder in Österreich sind armutsgefährdet, das ist jedes fünfte Kind.

“Auch bei uns werden Kinder um ihre Rechte gebracht”, formuliert es Günter Mayer, Geschäftsführer der Don Bosco Mission Austria, in einer Aussendung. In den letzten Jahren seien wesentliche Rechte eingeschränkt worden, wie in den Bereichen Bildung, Gesundheit oder Freizeit, heißt es von der Bundesjugendvertretung (BJV). BJV-Vorsitzender Sabir Ansari betonte: “Jetzt, da viele Einschränkungen durch die Corona-Pandemie wieder aufgehoben wurden, gibt es angesichts der Teuerung erneut Einbußen und viele Kinder haben kaum Möglichkeiten für notwendige Freizeitgestaltung.”

Lösungen für psychische Gesundheit

Ansari forderte die Förderung von außerschulischer Kinder- und Jugendarbeit und auch bei der psychischen Gesundheit “endlich Lösungen”.  „Bei der Versorgung im Bereich der psychischen Gesundheit gab es schon vor der Pandemie enorme Lücken, jetzt hat sich die Lage dramatisch verschärft“, so Ansari. Die Politik dürfe nicht zusehen, dass so viele Kinder und Jugendliche in dieser belastenden Situation alleine gelassen werden. Die „Alarmrufe aus den Kliniken“ seien ernst zu nehmen. Ansari betonte: “Kinderrechte gelten jederzeit für alle Kinder. Es ist höchste Zeit, dass dieses Prinzip auch umgesetzt wird.”

“Politischer Stillstand”

Auch von SOS-Kinderdorf Geschäftsführer Christian Moser kommt scharfe Kritik: Kinderrechte würden in Österreich noch immer ein Schattendasein fristen, es herrsche „politischer Stillstand“ bei diesem Thema. In den Bereichen Bildung, Gesundheit und Asyl gebe es hier “etliche Baustellen.”

Moser fordert, dass endlich die gesamte Kinderrechtskonvention in den Verfassungsrang gehoben und auch in den Landesverfassungen implementiert werde – schließlich sei Kinder- und Jugendhilfe in Österreich Ländersache. Auch benötige es einen österreichweiten Mindeststandard. Er fordert auch, dass jedes Gesetz einem “Kinderrechte-Check” unterzogen und ein “unabhängiges Kindermonitoring” eingeführt wird.

Er beklagt auch, dass es zu wenig Budget gäbe, um Kinderrechten auch in der Realität zur Geltung zu verhelfen. Es gebe zwar funktionierende Beratungseinrichtungen wie etwa “Rat auf Draht”, um präventiv tätig zu sein. Aber es bestünden zu wenige davon und es gäbe eine Unterbudgetierung.

Klimakrise bedroht Kinderrechte

Die SPÖ macht auch auf die Klimakrise als Einschränkung der Kinderrechte aufmerksam. “Kinder gehören zu den am meisten durch die Klimaerhitzung gefährdeten Gruppen”, mahnte Petra Bayr, SPÖ-Bereichssprecherin für globale Entwicklung. Sie verwies auf die Resolution der UNO-Generalversammlung von Ende Juli, die den Zugang zu einer sauberen, gesunden und zukunftsfitten Umwelt zu einem universellen Menschenrecht erklärt. “Wir brauchen auf globaler, europäischer und nationaler Ebene Gesetze, um prioritär die Umweltzerstörung durch Vermögende und Konzerne zu beenden”.

Die SPÖ-Sprecherinnen für Kinder und Jugend in National- und Bundesrat, Eva-Maria Holzleitner und Daniela Gruber-Pruner, forderten ein Lieferkettengesetz, “damit Produzent*innen endlich in die Pflicht genommen werden, umweltschädliche Praktiken abzustellen und auch ausbeuterischer Kinderarbeit einen Riegel vorzuschieben”, wie sie in einer Aussendung erklären.

(sm)

Titelbild: ZackZack/ Christopher Glanzl

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6 Kommentare
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diinzs
20. 11. 2022 23:18

Die öffentlichen Schulen werden seit Jahrzehnten “heruntergefahren”. Spart Geld.

Eine mir bekannte türkische muslimische Familie hat es geschafft, ihre Tochter auf eine katholische Privatschule zu schicken. Sie wollten ihrer Tochter die öffentliche Schule ersparen. Nach einem Eingangstest durfte die Tochter in die Privatschule. Also selbst die Türken wissen, wie es um die öffentliche Bildung in Ö steht. Und wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder in Privatschulen.

Toni
20. 11. 2022 21:56

Die Kinderrechte wuren durch die Corona-Plandemie mit Füssen getreten. Noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es eine Krankheit, bei der die, die am wenigsten gefährdet waren, am meisten darunter zu leiden hatten.

Mampfi
20. 11. 2022 21:09

Die Kinderarmut geht von der Politik und nur von der Politik aus.
Dadurch wird auch den Kinder kein Anstand und und kein Respekt beigebracht.
Nein, stimmt nicht? Stimmt doch, wir sehen es alle Tage bei den Klimaaktivisten, Hausbesetzern usw.
Schulabbrecher aber alles haben wollen, nur Geld usw. Usw.

DaSchauHer
20. 11. 2022 13:10

1.) Kurz, an den Marionettenfäden ziehender Hintermänner zappelnd, machte es schon eindrücklich vor, wie schnell, ja, ratz-fatz sich mehr als eine(!) schon fix verplante “Kindergarten-Milliarde” in Luft auflösen kann. (Ok. Er “erkaufte” sich auch eine laventelfarbene Vaterschaft mit kolportierten monatl. mind. 500,- netto Gehaltserhöhung, im bürgerlichen Setting elegant gelöster Allimentationen.)

2.) Wenn man die, ja, schon “gefühlt” täglichen “Kindesweglegungen” als durchaus übliche Gepflogenheit “schwarzer Pädagogik” im mindest. ebensolchen Milieu in diese Betrachtungen einbindet, verwundert es wahrlich nicht, dass Kinder-Themen im weitesten und engsten(!) Sinn – selbstverständl. auch nicht im gesetzlich verankerten Sinne – auch nur irgend eine Relevanz im reaktionären politischen Gestaltungswillen findet.

3.) Zukunftsfit??? Faschisten kennen keine “rosige” Zukunft. Das liegt nicht in der Natur dieser ideologischen Dystopie. Leben ist Kampf, ist Über-Leben.

Zuletzt bearbeitet 15 Tage zuvor von DaSchauHer
Sinclai
20. 11. 2022 7:03

Wärend der Corona-Pandemie hat man die Kinder psychosozial in die Tonne getreten. Wo waren hier Kirche und soziale Einrichtungen um diesen Wahnsinn zu verhindern?Shame on you…..

Dealer
19. 11. 2022 17:30

Die künstlich prodzierten und bisher nicht nur ohne Wirkungen gebliebenen, sondern auch noch alles zusätzlich verschärft habende und wohl auch für zahlreiche unnütze weitere Tote verantwortlichen Sanktionen, werden wohl auch dieses hier wieder aufgezeigte Problem noch zusätzlich weiter verschärfen?
Aber was tut man nicht alles für diesen Krieg mit seinen volkswirtschaftlich hoffentlich wenigstens in der Zukuft nützlichen Auswirkungen?
Man ist sogar bereit das Wohl unserer Kinder noch zusätzlich dafür zu schädigen und weiter auf das Spiel zu setzen, sonst wären das vermutlich wohl schon lange die ersten Gegenmassnahmen gewesen die hier sichtbar geworden wären und schon lange wirken würden und hätten auch die gesamten Parteien sich dieser Thematik angenommen und noch mehr die berühmt berüchtigten Qualitätsmedien und vor allem unser BP, der nach sehr lautstarken Ankündigungen schon wieder in seinem Tiefschlaf der Selbstgerechten erneut wieder gefallen ist?