Ohne Einigung:

Bahn-Streik auf Schiene

Kollisionskurs bei den Lohnverhandlungen der österreichischen Bahnen. Die Gewerkschaft vida droht mit Streik am Montag.

Wien, 23. November 2022 | Sollte es bis Sonntag zu keiner Wiederaufnahme konstruktiver Gespräche und zu keinem für die Gewerkschaft vertretbaren Ergebnis kommen, werden die Bahnen ab Montag, 28. November 2022 von 0 bis 24 Uhr, in einen landesweiten Warnstreik eintreten. Die Züge stünden dann still. Die Arbeitgeberseite hatte die Lohnverhandlungen mit der Gewerkschaft vida in der vierten Runde abgebrochen und einen vorgesehenen Gesprächstermin verstreichen lassen. ZackZack hat mit vida gesprochen.

24 Stunden Streik

Der Streik könne zwar noch abgewendet werden, ist aus derzeitiger Sicht aber sehr wahrscheinlich. Den gesamten Montag über würde das Bahnnetz im Falle eines Warnstreiks stillgelegt werden. „Es fährt dann nichts“, so Olivia Janisch, stellvertretende Vorsitzende bei vida. Man habe beim österreichischen Gewerkschaftsbund bereits um eine Streikfreigabe angesucht und diese auch erhalten. Die Geschlossenheit in den Bahnbetrieben sei groß. „Es gab noch nie so viel positives Feedback von der Belegschaft“, sagt Robert Hofmann vom Fachbereich Eisenbahn bei vida. Die Freude hält sich bei vida trotzdem in Grenzen: Eine Arbeitsniederlegung sei „nichts was gefeiert wird“, so Janisch.

Olivia Janisch, stellvertretende Vorsitzende bei vida. Bild zVg

Gespräche auf Eis

Die Arbeitgeberseite – der Fachverband Schienenbahnen bei der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) – beendete die die Gespräche vorläufig in der vierten Verhandlungsrunde und wandte sich an die Medien: „Die Gewerkschaft hat den Boden der Realität komplett verlassen. Ein Plus von bis zu 24 Prozent auf die Gehälter und damit insgesamt mehr als 400 Mio. Euro ist für die Unternehmen unfinanzierbar und damit werden Arbeitsplätze gefährdet“, teilte die WKÖ der APA mit. Man sei bereit ein Angebot zu legen, das einen durchschnittlichen Lohnanstieg von neun Prozent bedeute, rechnete die Arbeitgeberseite vor.

Bis zehn Prozent der Belegschaft mit Gehaltspfändung konfrontiert

Die Arbeitnehmervertretung will aufgrund der anhaltenden Inflation keine Prozent-Erhöhung des Kollektivvertrags hinnehmen, wie es die Arbeitgeber angeboten hatten, sondern eine Erhöhung um einen Fixbetrag. „Wir wollen nur, dass sich die Menschen ihr Leben noch leisten können“, sagte Janisch und verwies darauf, dass in manchen Betrieben bereits zwischen acht und zehn Prozent der Belegschaft mit Gehaltspfändungen konfrontiert sei. Man müsse deshalb besonders die niedrigen und mittleren Einkommen aufbessern. Ein Fixbetrag sei angemessen und gerecht, weil er die kleineren und mittleren Einkommen prozentuell gesehen stärker erhöhe.

Bahnoffensive gefährdet

Sowohl Janisch als auch Hofmann unterstrichen die Notwendigkeit einer Lohnerhöhung, welche die Kaufkraft erhält. Denn das Vorhaben der Regierung, die Bahn auszubauen, würde sich angesichts zunehmender Personalnot sonst schwierig gestalten. Man brauche „mehr Personal am Zug“ um die Qualität auch nach Maßnahmen wie dem Klimaticket aufrechterhalten zu können. Denn das Passagieraufkommen steige nach zwei Krisenjahren wieder, was den Arbeitsaufwand und die Belastungen entsprechend erhöhe. „Wenn wir die Verkehrswende schaffen wollen, müssen wir auch ins Personal investieren“, regt Janisch an. Denn „wenn ich als Branche so unattraktiv bin, dass ich weniger verdiene als in der Nachbarbranche, wieso sollte dann jemand dort bleiben oder zu arbeiten beginnen?“

Vonseiten der Wirtschaftskammer war auf Nachfrage bis zur Veröffentlichung keine Stellungnahme eingelangt.

(dp)

Titelbild: ÖBB/Philipp Horak

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4 Kommentare
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ralph
24. 11. 2022 8:51

Hab diesen komischen von der Arbeitgeberseite in der ZIB gesehen. Entweder glaubt der alle anderen wären so dämlich oder er ist es selbst. Ich tendiere bei diesen Leuten inzwischen dazu zu glauben, dass die es wirklich selbst glauben und einfach nur bodenlos dumm sind.

Rasputin Rasputin
23. 11. 2022 18:29

Ein merkwürdiger Bericht? ZackZack hat da nicht selbst recherchiert:
Das gros der Arbeitsverträge bei der ÖBB haben ein Klausel, dass kollektiv-vertragliche Lohnerhöhungen sich nicht auf den Ist-Lohn auswirken (es sei denn, der KV ist höher als der Ist).
D.h. die freiwillige 7.5% KV-Erhöhung des Fachverbands wirkt sich mit 0% auf den Ist-Lohn aus.

Kalle
23. 11. 2022 17:28

Diesen Herbst muss wirklich was rausschauen für die Arbeiter und Angestellten. Die haben ja schon während der Coronakrise durch die Finger geschaut. 400 € mehr is dann aber doch eher unrealistisch. Das müsst auch die Gewerkschaft wissen. Part of the Game. Hoffe dass der Streik nicht zu lang geht

Myolnir
23. 11. 2022 17:51
Antworte auf  Kalle

9% sind nicht soo wenig, für kleine könnte man noch 1-2 drauflegen…