Montag, Juli 15, 2024

Nach Verhandlungsschlappe: Streik in Privatkliniken

Baustelle Gesundheitssystem: In den Privatkrankenanstalten kam es am Dienstag zu Warnstreiks. Die Forderungen der Gewerkschaft und der Arbeitgeberseite liegen noch weit auseinander.

Wien | Drei Stunden lang wurde am Dienstag in 25 privaten Gesundheitseinrichtungen in sechs Bundesländern gestreikt. Die Gewerkschaft „vida“ hatte nach der gescheiterten sechsten Verhandlungsrunde zu den Kampfmaßnahmen aufgerufen, die von über 90 Prozent der Belegschaft unterstützt werden. Die Arbeitgeberseite kann den Schritt nicht nachvollziehen und hat das Bundeseinigungsamt eingeschaltet.

500 Euro mehr

Die Gewerkschaft fordert unter anderem 500 Euro zusätzliches Einkommen wegen der hohen Teuerung für alle beteiligten Berufsgruppen. Das vom Verband der Privatkrankenanstalten angebotene Plus in Höhe von 175 Euro ist für die Gewerkschaft nicht akzeptabel. Es gleiche nicht einmal die Jänner-Inflation aus, so “vida”.

Horst Schachner, Vorsitzender des ÖGB-Steiermark und der vida-Steiermark, konnte seine Empörung nicht verbergen: „Es ist beschämend. Dieses Gesundheitspersonal ist eine der wenigen Gruppen, die noch keinen Teuerungsausgleich erhalten haben“, untermauerte er die Forderung nach deutlich mehr Lohn für das Gesundheitspersonal.

Sein Tiroler-Kollege, Herbert Frank, blies ins selbe Horn: „Die Kolleginnen und Kollegen haben drei Jahre an vorderster Front gegen Corona gekämpft. Es kann nicht sein, dass sie jetzt ordentlichen Gehaltserhöhungen hinterherlaufen müssen.“

Unverständnis bei Arbeitgebern

„Die Gewerkschaft beruft sich als Begründung für die Ankündigung ihres Warnstreiks auf ein angeblich zu wenig wertschätzendes Angebot von 175 Euro Lohnerhöhung. Dieser Betrag ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar, denn wesentliche weitere Bestandteile unseres Angebots bleiben völlig unerwähnt”, betonte Stefan Günther, Generalsekretär und KV-Verhandlungsführer des Verbands, in einer Aussendung und meint damit das Angebot einer Reduktion der Arbeitszeit von einer Stunde pro Woche ab Mitte 2023 und ein Mindestgehalt von 2000 Euro.

Ärztekammer unterstützt Streik

Stefan Ferenci, Obmann der Kurie angestellter Ärzte, bekundete „volle Solidarität“ für den Warnstreik, nachdem „die Arbeitgeber die Forderungen der Gewerkschaft vida und der Ärztekammer ignoriert und kein neues Angebot vorgelegt hatten“. Er beklagte außerdem den medialen Gegenwind, der der Ärztekammer seit einigen Wochen entgegenweht: „Auch wenn die Ärztekammer immer als Sündenbock dargestellt wird, wir werden jede Aktion unterstützen, die die Versorgung der Patienten sichert“. Im privaten Sektor hatte das jedoch niemand bezweifelt.

Titelbild: EVA MANHART / APA / picturedesk.com

Autor

  • DanielPilz

    Taucht gern tiefer in komplexe Themengebiete ein. Lebt trotz Philosophiestudiums nicht im Elfenbeinturm und verpasst fast kein Fußballspiel.

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