Montag, Juni 17, 2024

Straßenzeitungen: »Wir gehen schon wieder leer aus«

Es hagelt weiter Kritik an der geplanten Medienförderung: Nun gehen die Straßenzeitungen hart ins Gericht mit dem Entwurf. Sie wollen eine „Förderung first“.

 

Wien, 05. Dezember 2022 | Die Kritik am neuen Regierungsentwurf zur Medienförderung reißt nicht ab. Nun fordern auch die Straßenzeitungen, allen voran der „Augustin“, der mit dem Slogan „Erste österreichische Boulevardzeitung“ am Cover erscheint, Verbesserungen. Sieben Straßenzeitungen aus den Bundesländern haben sich zusammengeschlossen: „20er“, „Apropos“, „Augustin“, „kaz“, „Kupfermuckn“, „marie“ und „Megaphon“. Der Kern ihrer Kritik, wie sie am Montagmorgen via Presseaussendung verlautbarten: „Die Großen werden gefördert, die Kleinen haben nichts davon.“

„Dieser Gesetzesentwurf entspricht nicht dem, was man sich unter einer qualitätsstärkenden Medienförderung vorstellt“, sagt demnach Ruth Weismann, Redakteurin beim Wiener „Augustin“. Und der Chefredakteur der Vorarlberger „marie“, Frank Andres, lässt wissen: „Kleinen Redaktionen wird der Zugang zur Qualitätsjournalismus-Förderung quasi verunmöglicht“. Denn um überhaupt an eine Förderung zu kommen, müssen mindestens drei Journalisten und Journalistinnen hauptberuflich in der Redaktion beschäftigt sein. „Das muss sich ein Medium erst einmal leisten können“, so Andres.

„Kleine gehen leer aus“

„Große Medienhäuser werden so noch mehr Geld und Ressourcen bekommen, während Kleine leer ausgehen“, meint auch Rebecca Sandbichler, Chefredakteurin der Tiroler Straßenzeitung „20er“. Sabine Gollmann vom „Megaphon“ in Graz lässt sich so zitieren: „Wir Straßenzeitungen arbeiten deshalb so prekär, weil wir als einzige Medien in Österreich die Hälfte unserer Umsätze direkt an unsere Verkäufer*innen abgeben.“

Gemeinsamer Topf

Straßenzeitungen sind nicht gewinnorientiert, ihre gesellschaftliche Relevanz als Medien- und Sozialprojekte, die armutsbetroffenen Menschen einen kleinen Verdienst ermöglicht, ist hoch. Also fordern die genannten Straßenzeitungen ein neues Konzept, sie nennen es „Förderung first“. Der Gedanke: Nur geförderte Medien würden auch genug hauptberufliche Redakteure anstellen können. Straßenzeitungen bräuchten eine „Sockelförderung“, heißt es, „etwa ein gemeinsamer Fördertopf“.

Die Forderung der unabhängigen Magazine „an.schläge“, „ballesterer“, „Südwind-Magazin“, „skug“, „malmoe“ und „Tagebuch“, nach der Medien, die zwar unter die Publizistikförderung fallen, aber weniger als 500.000 Euro Jahresumsatz haben, vom Förderkriterium der Redaktionsgröße ausgenommen werden sollen, unterstützen die österreichischen Straßenzeitungen ebenfalls.

Für Digitalmedien lautet die Hürde für die Förderung im angedachten Qualitäts-Journalismus-Förderungs-Gesetz: 30 Millionen redaktionell getippte Zeichen im Jahr – davon ist prinzipiell auch ZackZack betroffen und somit von der Förderung ausgenommen.

Chronisch zu wenig

„Straßenzeitungen, wie auch andere kleine Magazine, sind ein wichtiges Element der medialen Vielfalt in Österreich und dabei chronisch unterfinanziert“, sagt Ruth Weismann. Vor allem in Zeiten von Korruption bei Inseratenvergabe und zu großer Nähe zwischen einigen großen Medien und der Politik sei die Förderung von Vielfalt und Unabhängigkeit wichtig. „Öffentliche Gelder sind ein Mittel, um Unabhängigkeit und Qualität zu unterstützen. Die Straßenzeitungen fordern, hier berücksichtigt zu werden“ so Frank Andres.

(am)

Titelbild: ZackZack/Christopher Glanzl

Autor

  • Anja Melzer

    Hält sich für die österreichischste Piefke der Welt, redet gerne, sehr viel und vor allem sehr schnell, hegt eine Vorliebe für Mord(s)themen. Stellvertretende Chefredakteurin. Sie twittert unter @mauerfallkind.

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