Mittwoch, Juli 24, 2024

Störfaktor im Puff

Die „Huren der Reichen“ haben die Nationalratswahl 2017 geschoben. Jetzt droht dasselbe ein zweites Mal – aber mit Kickl statt Kurz.

Wien, 2. Juli 2023   Heute wird es persönlich, weil es eine Frage gibt, auf die ich in den letzten Monaten nach einer Antwort gesucht habe. Die Frage lautet: „Warum tust du dir das an?“

Darauf finde ich keine einfache Antwort. „ZackZack“ ist ganz schön viel Arbeit, wie das eben so ist, wenn man wenig Geld und viel vor hat. Da geht es uns wie einer Bürgerinitiative. Dort, wo es um eine Au oder um ein Kraftwerk geht, wird auch nicht gejammert. Man muss es ja nicht tun.

Kurz heißt „Kickl“

Aber es gibt gute Gründe, es doch zu tun. Der wichtigste hieß ein paar Jahre lang „Sebastian Kurz“. Gegen seine Politik der Orbániserung Österreichs haben wir „ZackZack“ gegründet. Jetzt heißt Kurz „Herbert Kickl“, und alles geht zwei Etagen tiefer vor vorne los. Doch diesmal geht es um mehr.

Nach vielen Chats wissen wir: 2017 waren es die „Huren der Reichen“, die als „Journalisten“ eine Nationalratswahl geschoben haben. Die Arbeitsteilung war einfach: Die Straßenjournalisten machten Kern fertig und Kurz groß. Ihre Kollegen in den besseren Etagen  bestaunten den unaufhaltsamen Aufstieg des Wunderkinds.

Nirgends in Westeuropa funktioniert das wie in Österreich. Der Boulevard führt eine Kampagne für seinen Kandidaten. Die „Qualitätszeitungen“ springen auf und schreiben die erfolgreichen Manipulationen des „Wählermarkts“ der beeindruckenden Persönlichkeit des Protegés zu. Wenn es um alles geht, sind alle „Tools“, wie man seit Beinschab die Friseure der Nachrichten bezeichnet. Das war wichtig. Aber entscheidend war etwas anderes: Kaum jemand legte sich quer.

Alles auf „Kickl“

Im österreichischen Journalismus gibt der Boulevard den Ton an. Die „besseren Journalisten“ in den Stockwerken darüber singen, was aus dem Keller tönt. Die Verteilung der Regierungsinserate bildet das genau ab: Der Löwenanteil landet am Boulevard, dort, wo das Hauptgeschäft läuft.

Das ist der Hauptgrund, warum wir „ZackZack“ gegründet und trotz Millionenklagen weitergeführt haben. Wir sind der Störfaktor im Puff. Aber jetzt kommen andere Zeiten. Diesmal geht es bei einigen Herausgebern nicht mehr nur um die Brieftasche, sondern erstmals auch um den Kopf. Dazu kommt eine neue Ausgangslage: Andreas Babler will als SPÖ-Chef um die Macht kämpfen. Sein Gegner um die Nummer 1 heißt Herbert Kickl.

„Heute“ hat jetzt als erstes Schwergewicht seine Jetons auf „Kickl“ gesetzt. Eva Dichand will als „Heute“-Chefin keine Vermögenssteuern. Nur der FPÖ-Chef garantiert ihr, dass die kleinen Einkommen weiter für die Großen zahlen.

Die „Kronen Zeitung“ könnte sich „Heute“ anschließen. Sie schreibt bereits gegen Babler, aber noch nicht für Kickl. Wolfgang Fellner wird die Hand aufhalten und erst dann seine Tools auspacken.

Der Rechtsblock formiert sich ein zweites Mal. Übernimmt er die Macht, wird es ernst: zuerst für die WKStA, dann für die Pressefreiheit. Kickl ist um nichts besser, aber um vieles härter als Kurz. Als Innenminister war er bereit, den Verfassungsschutz stürmen zu lassen. Als Kanzler hätte er die Verfassung selbst im Visier.

Gegenstimmen

Von der Größe her kann sich „ZackZack“ nicht mit „Krone“ und „Heute“ messen. Aber es ist nicht egal, ob es uns gibt. In schwachen Zeiten erreichen wir pro Monat rund 200.000 Menschen, wenn wir gut sind und über Wichtiges als einzige berichten, steigt unsere Reichweite wie im Frühjahr 2022 auf 800.000 im Monat.

Wir wissen, dass ein Drittel unserer Leserinnen und Leser „Protestwähler“ sind. Mit ihnen erreichen wir Menschen, zu denen andere nicht mehr durchdringen. Sie lesen uns, weil sie uns für nicht käuflich halten und uns vertrauen. Wenn es knapp wird, kann es sein, dass sie Wahlen mit entscheiden.

Gibt es 3.000 Menschen?

Der Rechtsblock macht mobil. Gegen ihn brauchen wir Gegenpole und Gegenstimmen. Dafür machen wir „ZackZack“.

So, jetzt habe ich mich selbst überzeugt. Aber eines weiß ich noch immer nicht: Schaffen wir es finanziell? Dazu brauchen wir 3.000 Mitglieder im ZackZack-Club. 1.500 haben wir heute. Die 1.500 Neuen brauchen wir bald.

Und jetzt wünsche ich einen schönen Sonntag. Nach dem Frühstück gehe ich in den Wald, schwammpuffen, wie man das Pilze suchen hier im Lamingtal nennt. Da bin ich mit weit weniger als 3.000 zufrieden.

Autor

  • Peter Pilz

    Peter Pilz ist Herausgeber von ZackZack.

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