Dienstag, Juli 23, 2024

Fake Jews

Die Propagandablüte ist in vollem Gange: Die Menschen wurden nicht ermordet. Die Menschen, die nicht ermordet wurden, wurden ermordet, aber nicht von der Hamas. Die Menschen, die eigentlich doch nicht ermordet wurden, seien wenn dann von den Israelis ermordet worden!

Die Dichte an Lügen, Verdrehungen und Propagandabeutelei im Bezug auf alles, was am 7.10. geschehen ist, ist schier erdrückend. Sie erreicht beinahe das Gewicht der Welt. Eine hübschgeschminkte junge Frau gibt auf TikTok kund, dass man die Folter, sexuelle Gewalt und Ermordung nach Belieben wiederholen sollte. Es ist nicht ganz kompatibel mit der Behauptung anderer Hamassympathisanten, dass die Hamas dabei niemandem auch nur ein Haar gekrümmt haben soll, aber um Konsistenz braucht man sich eigentlich in dem Milieu nicht zu bemühen, sie würde vermutlich nur stören, diese Konsistenz.

Verlust des Wahrheitsanspruchs

Auf Social Media machen Fotos von Explosionen anderer Kriege die Runde. Behauptet wird, es seien die Israelis schuld. Es häufen sich Tweets, also eigentlich X-e, die alle möglichen antisemitischen Verschwörungstheorien wieder aufleben lassen, Elon Musk findet das dufte. Er besitzt eh nur eine der weitreichendsten Social Networks der Welt, es macht also fast gar nichts!

Feministische Organisationen schweigen immer noch zu sexueller Gewalt und Verstümmelungen an israelischen Frauen, so dass im Endeffekt Frauenzeitschriften, die eher der Mode als der Politik zugewandt sind, wie die Marie Claire, an ihrer statt die Stimme erheben müssen.

Im Krankenhaus, in dem angeblich nie Geiseln gesichtet worden waren, sieht man auf einem Band, wie Geiseln samt bewaffneten Männern hineingezerrt beziehungsweise mit mutilierten Gliedmaßen auf der Trage hineingebracht werden. “Fake Band”, schreit es auf Social Media.

Vertrauensvorschuss für Terroristen

Man könnte es kurz zusammenfassen: Viele schätzen eine Terrororganisation als adamantene sichere Quelle ein. Das passt gut zu der neu aufflammenden Liebe für Osama Bin Laden, dessen absurder Brief an Amerika junge Amerikaner offenbar mitten ins Herz getroffen hat wie ein Liebesbrief Romeos an Julia. Jedenfalls aber steht für sie fest: den Juden könne man jedenfalls nichts glauben. Terroristen schon. Der kontinuierliche Beschuss israelischer ziviler Ziele wird kaum noch erwähnt.

Unorthodox-Autorin setzt nach

Und als ob das alles nicht sowieso schon reichen würde, setzt auch friendly fire ein: Deborah Feldman, eingewanderte US-Bürgerin mit jüdischen Wurzeln und hochprechtiger Telepräsenz hat die Abnabelung von der orthodoxen Sekte ihrer Herkunft leider doch nicht hinbekommen und erklärt jetzt großzügig Jüdinnen und Juden aus der ehemaligen Sowjetunion (von deren Unterdrückung sämtlicher Religionen – freilich ohne auf Antisemitismus zu verzichten- sie offensichtlich keinen blassen Schimmer hat), dass sie eigentlich Deutsche sind und sowieso nur Judentum vorschieben um an Macht zu kommen. Vielleicht hat sie das ja bei den Weisen von Zion nachgelesen, wer weiß.

Titelbild: Miriam Moné

Autor

  • Julya Rabinowich

    Julya Rabinowich ist eine der bedeutendsten österreichischen Autorinnen. Bei uns blickt sie in die Abgründe der Republik.

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