Samstag, Februar 24, 2024

Regierungsfunk “Zeit im Bild” – Opposition kommt im ORF nicht mehr vor

Opposition kommt im ORF nicht mehr vor

In der Coronakrise konzentriert sich das Staatsfernsehen fast ausschließlich auf die Regierung. Die Opposition kommt praktisch nicht mehr zu Wort. ZackZack hat die ZIBs der letzten Woche analysiert.

Wien, 14. April 2020 | 105 Minuten. So lange berichtete Österreichs wichtigste Fernsehnachrichtensendung, die ZIB 1, in den letzten sieben Tagen über österreichische Innenpolitik. Einziges Thema: Die Coronakrise und die Maßnahmen der Regierung. Die Opposition kam dabei nur zweimal vor; insgesamt eine Minute und 45 Sekunden lang. Das sind gerade einmal 2,5 Prozent der Sendezeit.

Opposition kommt in der ZIB nicht vor

Während die Regierung und ihre Minister oftmals minutenlang in die Kamera sprechen – Sebastian Kurz’ Appell zu Ostern, Heinz Fassmanns Erläuterungen zur Matura, Alexander Schallenbergs Erklärung, für welche Länder welche Reisewarnungen gelten, oder Karoline Edtstadlers Einlassungen darüber, ob und warum Tschechen nach Österreich einreisen dürfen – kommen Oppositionspolitiker im ORF de facto nicht mehr vor. Das gilt sogar, wenn über die Einführung von Maßnahmen berichtet wird, die Oppositionspolitiker zuvor gefordert hatten. Symptomatisch ist: Statt von der “der Regierung” ist fast ausschließlich von “der Politik” die Rede, selbst wenn eigentlich Maßnahmen der Regierung gemeint sind, auch solche, die von Oppositionsvertretern kritisiert werden.

Kritik an einzelnen Maßnahmen der Regierung kommt an den meisten Tagen überhaupt nicht vor, und wenn, dann nur um sofort von Moderatoren oder Interviewpartnern entkräftet zu werden. Der “Erfolg” der Regierung wird in einer vermeintlichen Analyse als “beispiellos in Europa” bezeichnet. Das ist faktisch falsch – Fake News -, wie etwa der Blick nach Deutschland zeigt, das pro 100.000 Einwohner weniger Todesfälle als Österreich zu verzeichnen hat.

Regierung dominiert Sonntagsfrage

Angesichts der medialen Übermacht kommt das aktuelle Umfragehoch der Türkis-Grünen Regierung nicht überraschend: In einer Umfrage im Auftrag des Market-Instituts für den “Standard” kommt die ÖVP in der Sonntagsfrage auf 44, die Grünen auf 19 Prozent. Die Oppoistion verliert durch die Bank. So muss sich die SPÖ in der Umfrage mit Platz 3 begügnen. Sie liegt mit rund 19 Prozent sehr knapp hinter den Grünen. Die FPÖ ist weit abgeschlagen bei 11, die NEOS bei nur noch sechs Prozent.

(tw)

Titelbild: Screenshot orf.at

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