Kurz bricht Touristenstreit mit Bayern vom Zaun

Vertreter von Union und SPD erbost

Der international viel kritisierte Umgang mit Ischgl könnte Österreich das Touristenproblem erschweren. Das weiß auch Kurz, der nach seinen bizarren München-Gerüchten fast schon verzweifelt um Urlauber wirbt – mit zweifelhaften Mitteln. Deutsche Regierungspolitiker reagieren abweisend und irritiert.

Wien, 04. Mai 2020 | Die wirtschaftlichen Folgen des Ischgl-Skandals und des wochenlangen Lockdowns werden Österreich noch länger beschäftigen. Gerade die so wichtige Tourismusbranche sieht schwierigen Zeiten entgegen, die Marken Ischgl bzw. Tirol haben aufgrund politischen Versagens enormen Schaden genommen.

Das könnte dem Kanzler mittelfristig um die Ohren fliegen. Dieser wirbt nun seit Tagen im Nachbarland massiv um deutsche Touristen. Kein Wunder: Deutschland ist der wichtigste Markt. Im Kalenderjahr 2019 lag Deutschland mit 56,7 Millionen Nächtigungen in Österreich weit vor den Niederlanden mit knapp 10,4 Millionen.

Anpatzen und Werben

Das Problem: Kurz verbindet seine Abwerbeversuche mit merkwürdigen Anpatz-Offensiven. So streute der Kanzler ein Gerücht über einen scheinbaren Hotspot München im deutschen Fernsehen, um von Ischgl abzulenken. Jedoch stellte sich heraus, dass seine „Studien“-Behauptungen einzig auf einem Gerücht auf Twitter fußten.

Kurz ist dieser Eklat aber offenbar einerlei, denn in mehreren Zeitungen fordert der Kanzler nun gebetsmühlenartig, Deutschland solle die Grenzen für den Tourismus zügig öffnen. Der Vorstoß stößt aber auf wenig Gegenliebe: SPD-Außenminister Heiko Maas warnte vor Eile bei der Grenzöffnung und sagte:

“Was ein Infektionscluster in einem beliebten Urlaubsgebiet in den Heimatländern der Touristen anrichten kann, haben wir bereits erlebt. Das darf sich nicht wiederholen.”

Zudem reagierte er mit Unverständnis auf einen „europäischen Wettlauf“ um touristische Reisen.

Schwesterpartei CSU erbost

Doch auch die ÖVP-Schwesterpartei CSU, zu der Kurz normalerweise ein hervorragendes Verhältnis hat, scheint nun erbost zu sein. Bereits am Wochenende ging ein Video in den sozialen Netzwerken viral, in welchem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder deutsche Touristen nach Bayern zu locken versuchte. Dies tat er, indem er Bayern in Konkurrenz zu Österreich stellte und damit dem Kurz-Vorstoß eine Retourkutsche erteilte:

Auch CSU-Innenminister Horst Seehofer bremst den Kurz-Plan der panischen Grenzöffnung.

„Solange das Virus keinen Urlaub macht, müssen auch wir uns mit unseren Reiseplänen beschränken.“

Er empfinde den Vorstoß von Kurz als „eigenartig“. Auch CDU-Größe Ruprecht Polenz gab auf Twitter kund, was er davon hält:

Der nordrheinwestfälische Ministerpräsident Armin Laschet (ebenfalls CDU) ging derweil nicht auf die Sticheleien gegen NRW ein. Sebastian Kurz hatte in der „BILD“ vollmundig behauptet, für Ostdeutsche könne es derzeit gefährlicher sein, nach NRW zu fahren als nach Österreich.

In Bayern sind weiterhin alle Hotels für Urlauber geschlossen, wobei Österreich etwaige Öffnungen für den 29. Mai vorbereitet. Einzig die Touristen könnten dann ausbleiben.

(wb)

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Titelbild: APA Picturedesk

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