Ischgl-Skandal

Platter gibt „engsten Kontakt“ mit Bund zu

In einem Interview mit dem „Kurier“ gab der unter Beschuss stehende Tiroler Landeshauptmann Günther Platter nun zu, mit dem Bund rund um Ischgl täglich Kontakt gehabt zu haben. Der ÖVP-Mann versuchte indes, die Verantwortung auf das Gesundheitsministerium zu schieben und behauptete, Ischgl hätte „Pech“ gehabt.

Wien, 30. April 2020 | Die Causa Ischgl wird Österreich noch lange beschäftigen. Während der Skandal im Ausland immer größere Wellen schlägt, versucht sich die Tiroler Landesregierung nach wie vor aus der Verantwortung zu stehlen.

Die Frage, welche Rolle neben der Tiroler Landesregierung die Kurz-Regierung beim tausendfachen Ausbruch der Virusinfektionen in Tirol spielte, ist bisher auch deshalb weitgehend unbeantwortet geblieben, weil rund um die Kommunikation zwischen Bund und Land kaum Klarheit herrschte. Kurz versuchte letzte Woche im deutschen Fernsehen sogar mit Spekulationen um einen möglichen Hotspot München von Ischgl abzulenken. Auf ZackZack-Anfrage an das Robert Koch Institut (RKI) wurde bestätigt: 90 Prozent aller in Deutschland auf Österreich zurückzuführenden Infizierten kämen aus Tirol.

Platter: „Täglich Telefonkonferenzen“

Platter gab gestern im regierungsfreundlichen „Kurier“ ein Interview, in dem er einmal mehr betonte, dass es kein Behördenversagen gegeben habe. Mit der berüchtigten “Alles richtig gemacht”-These hatte sein Gesundheitslandrat Tilg im ORF aufhorchen lassen, wofür er in den sozialen Netzwerken massiv verspottet wurde. Im Interview schob Platter die Behördenverantwortung dann Richtung Bund – genauer gesagt Richtung grünes Gesundheitsministerium:

„Der Tiroler Einsatzstab war bei jeder Entscheidung in engstem Kontakt mit dem Gesundheitsministerium. Es gab täglich Telefonkonferenzen. Es handelte sich nicht um einsame Entscheidungen der Tiroler Behörden.“

Weiters jammerte der ÖVP-Landeshauptmann im Interview, es werde mit Ischgl ein Schuldiger ausfindig gemacht – um im selben Atemzug den Druck auf Deutschland bezüglich Grenzöffnungen aufzubauen. Der Spin „das Virus kommt nicht aus Ischgl“ wird seit Wochen vonseiten der Tiroler Verantwortlichen verbreitet, um die Schuld Richtung ursprünglichen Ausbruchsort China zu schieben – jetzt also auch in Richtung grünes Gesundheitsministerium. Seit dem Bekanntwerden des Ischgl-Versagens gibt es praktisch keinen Tourismus mehr in Tirol, das Land ist massiv von Arbeitslosigkeit betroffen – und vor allem von Corona-Infektionen.

Türkises Opfer Rudi Anschober

Ob der Landeshauptmann nur mit dem Anschober-Ministerium in „täglichen“ Kontakt stand, nicht aber mit dem Kanzleramt, ist schwer vorstellbar. Dazu sagte Platter im Interview nichts, er wurde allerdings auch nicht gefragt. Der „Standard“ hatte aufgedeckt, dass Bundeskanzler Kurz unmittelbar vor Bekanntwerden des ersten offiziellen Corona-Alarms in Tirol im später abgeriegelten „Grand Hotel“ in Innsbruck auf Mitglieder der elitären und ÖVP-nahen „Adler-Runde“, deren Vizepräsident Alois Schranz medizinscher Berater des Tiroler Krisenstabs ist, traf.

Auf Anfrage von ZackZack, inwiefern die Aussage von Platter zutreffend ist und ob bzw. inwiefern das Bundeskanzleramt in eine etwaige tägliche Korrespondenz verwickelt gewesen war, antwortete das Gesundheitsministerium bisher nicht.

Die Taktik von Platter ist nicht neu: seit den überragenden Umfrage- bzw. Beliebtheitswerten von Rudi Anschober, der sich als einziger mit Sebastian Kurz messen kann, greift die ÖVP den Gesundheitsminister immer wieder öffentlich an. In einer Aussendung hatte Kurz-Vertraute Karoline Edtstadler Anschober frontal angegriffen und ihn aufgefordert, die gesetzliche Lage rund um die Verordnungen aus seinem Ministerium aufzuklären. Auch ÖVP-Urgestein Khol teilte im ORF-Duell mit Anwalt Alfred Noll gegen Anschober aus.

(wb)

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Titelbild: APA Picturedesk

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