Präsidenten-Wahnsinn

Trump steigt heute aus WHO aus, Bolsonaro Corona-positiv – ausgerechnet!

Die USA richteten am Dienstag das offizielle Austrittsschreiben an die Weltgesundheitsorganisation WHO. Präsident Donald Trump wirft der WHO vor, chinesische Propaganda zu verbreiten. Die USA verzeichnen indes Rekordzahlen bei Neuinfektionen. Und: Ausgerechnet Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist Corona-positiv. Der rechte Hardliner hatte bisher die Gefährlichkeit von Covid-19 bestritten.

 Wien, 08. Juli 2020 | US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag seine Drohungen wahr gemacht und die Weltgesundheitsorganisation WHO offiziell über den Austritt der USA informiert. Trump wirft der WHO vor, im Propagandastreit um das Virus aufseiten Chinas zu stehen.

Gesundheitsexperten: „Eine der schlechtesten Entscheidungen der Geschichte“

Führende US-Gesundheitsexperten kritisierten Trumps Entscheidung scharf. Lawrence O. Gostin, Spezialist für Gesundheitsrecht an der renommierten Georgetown-University, bezeichnete den Schritt in der New York Times vom Mittwoch als „desaströs“. Gostin hält Trumps Schritt für „eine der schlechtesten Entscheidungen eines US-Präsidenten in der jüngeren Geschichte.“ Ashish Jha von der Harvard-University schlug in dieselbe Kerbe: Trumps Entscheidung sei „außergewöhnlich schlecht.“ Thomas R. Frieden, Ex-Direktor der US-Gesundheitsbehörde CDC betonte, wie wichtig die Rolle der WHO bei der weltweiten Ausrottung und Zurückdrängung von Krankheiten wie Pocken, Tuberkulose und Influenza war.

Größter Geldgeber springt ab

Unterstützer für seine Politik fand Trump vor allem in den Reihen republikanischer Abgeordneter. Der WHO fehlen aus ihrem jährlichen Budget von rund 3 Milliarden Dollar nach dem Austritt der USA – ihrem größten Geldgeber – künftig etwa 226 Millionen Dollar. Ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums sprach diesbezüglich von mangelndem „Verantwortungsbewusstsein“ der USA. Deutschland Gesundheitsminister Jens Spahn bezeichnete den Austritt der USA als „herben Rückschlag“. Der Austritt der USA wird erst 2021 wirksam.

Alleine am Dienstag verzeichneten die USA über 54.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Über 130.000 US-Amerikaner starben bisher an Covid-19, mehr als in jedem anderen Land.

WHO-Chef Tedros Adhanom verliert einen großen Teil seines Budgets. Bild: APA Picturedesk

Brasiliens Corona-Leugner Jair Bolsonaro positiv getestet.

Der zweite Platz in dieser traurigen Statistik geht an Brasilien. Auch dort fällt der rechtsgerichtete Präsident durch seine Coronapolitik auf: Social Distancing? Brauchen wir nicht, sagte Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro bisher. Der stramm rechte Bolsonaro hatte die Gefahr, die vom Coronavirus ausgeht, stets bestritten. „Nur eine Erkältung“ nannte der Präsident die Krankheit. Als im April die Todeszahlen in seinem Land stiegen, reagierte Bolsonaro eingeschnappt: „Ja und? Sorry, aber was soll ich da tun?“ Der Präsident feuerte eine ganze Reihe von Gesundheitsministern, die nicht seiner Ansicht waren.

Bolsonaro zu Gast beim US-Botschafter. Bild: Screenshot Twitter

Virus ist „wie Regen“

Am 4. Juli hatte Bolsonaro ein Essen beim US-amerikanischen Botschafter Todd Chapman besucht. Fotos zeigen die Gäste dicht gedrängt und ohne Maske. Zwei Tage später begann Bolsonaro unter Fieber und Müdigkeit zu leiden. Er wurde auf das Coronavirus getestet – positiv! Bolsonaro sagt, es gehe ihm „sehr gut“. Eine Politik zur Eindämmung des Virus will Bolsonaro immer noch nicht betreiben. Das Virus sei wie Regen. „Der erwischt dich eben.“

Bisher „erwischte“ das Virus 1,6 Millionen seiner Landsleute. Mehr als 65.000 starben bisher daran.

(tw)

Titelbild: APA Picturedesk

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