Religiöser Fundamentalist wird ÖVP-Gemeinderat in Wien

Verbindung ins Kanzleramt

Kaum jemand kennt den ÖVP-Politiker Jan Ledóchowski. Aber keiner außer Spitzenkandidat Gernot Blümel erhielt so viele Vorzugsstimmen wie Ledóchowski. Der ÖVP-Mann tritt für einen fundamental-christlichen Staat ein. Er hat einen direkten Draht ins Kanzleramt.

 

Wien, 14. Oktober 2020 | „Österreich ruht auf christlichen Werten. Der Staat kann sich diese Werte nicht selbst geben.“ Mit dieser Überzeugung geht ÖVP-Mann Jan Ledóchowski auf Stimmenfang. Erfolgreich – kein türkiser Kandidat außer Gernot Blümel konnte auch nur annähernd so viele Vorzugsstimmen gewinnen wie Ledóchowski. Ohne Berücksichtigung von Wahlkarten erhielt er 980 Vorzugsstimmen. Das ist äußerst beachtlich für einen Kandidaten auf Listenplatz 33. Zum Vergleich: Bernadette Arnoldner, ÖVP-Listenzweite und wahrscheinliche neue Klubchefin schaffte nur 402.

Ledóchowski jubelt: “Nach derzeitigem Stand werde ich in den Wiener Gemeinderat einziehen.”

Ein christlicher Staat

Dass der österreichische Staat sich seine Werte in der Verfassung sehr wohl selbst gibt, ficht den radikalen Katholiken Ledóchowski nicht an. „Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus.“ Das ist der erste Artikel der österreichischen Bundesverfassung. Doch für Ledóchowski stehen nicht der Gesetzgeber oder demokratische Mehrheiten an oberster Stelle. Ledóchowski will den Glaubensstaat: „Österreich ist auf christlichen Werten aufgebaut. Diese Werte können vom Staat nicht per Gesetz erzwungen und per Mehrheitsbeschluss eingeführt oder abgeschafft werden“, sagt Jan Ledóchowski.

Was sind die Werte, von denen der ÖVP-Mann so gerne spricht? Kinder sollen bei ihren leiblichen Eltern leben, das gebiete das Kindeswohl. Dass Österreichs Frauen im Schnitt nur 1,4 Kinder haben, soll sich ändern, denn das Land steuere auf eine „demografische Katastrophe“ zu, die durch Migration verschleiert werde. Kein Wunder, dass Ledóchowski Abtreibung grundsätzlich ablehnt.

Verbindung ins Kanzleramt

Den politischen Islam identifiziert Ledóchowski als „Gefahr“, mit dem politischen Christentum hat er hingegen kein Problem. Er will „eine Gesellschaft auf Grundlage des christlichen Menschen- und Weltbildes.“ Bei einem von Ledóchowski geleiteten jährlichen Treffen in Rom vernetzen sich hochrangige katholische Politiker.

Zu den wichtigsten parteiinternen Verbündeten Ledóchowskis zählt die fundamentalchristliche ÖVP-Abgeordnete Gudrun Kugler. Hält er auch Kontakt zu den strammen Katholiken im Kabinett von Kanzler Sebastian Kurz? Ledóchowskis Ehefrau und politische Unterstützerin arbeitet jedenfalls im PR-Team des Kanzleramts. Ledóchowski selbst sagt: „Es braucht kein Gendermainstreaming.“ Interessant daran: Seine Frau ist die Vertreterin des Bundeskanzleramts in der ministeriumsübergreifenden Arbeitsgruppe für Gendermainstreaming unter der Leitung von Frauenministerin Susanne Raab. Im Bundeskanzleramt selbst ist Ledóchowski stellvertretende Leiterin der Arbeitsgruppe Gender Mainstreaming.

Wie passt das zusammen? ÖVP-Vorzugsstimmenkönig Jan Ledóchowski wollte ZackZack leider keine Fragen beantworten.

Viele haben damit gerechnet, dass islamistische Fundamentalisten in den Wiener Gemeinderat einziehen könnten. Dank Gernot Blümel wird es nun wohl ein christlicher.

(tw)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

Folge einem manuell hinzugefügten Link
Link zu: InlandLink zu: Kommentare
Link zu: AuslandLink zu: Leben

ZackZack braucht dazu eine starke Basis:

DICH

Auf dem Boulevard fahren alle rechts in dieselbe Richtung. Wir sind der erste Gegenverkehr.

Schließen