Fauci-Mails zeigen, wie die Welt in den Lockdown schlitterte

Tiefste Einblicke in das Corona-Krisenmanagement der USA und der ganzen Welt gewähren tausende Emails vom obersten Virologen der Vereinigten Staaten, Anthony Fauci, die vor wenigen Tagen öffentlich wurden.

Wien/Washington, 04. Juni 2021 | Über 3.000 Seiten E-Mail-Korrespondenz des Chef-Virologen der USA, Anthony Fauci, sind öffentlich geworden. Durch einen Antrag nach dem US-amerikanischen Informationsfreiheitsgesetz durch die Plattform „BuzzFeed“ mussten die Mails veröffentlicht werden. Per Gesetz ist jede schriftliche Korrespondenz von Beamten zur Verfügung zu stellen, sofern diese nicht als geheim eingestuft sind und dies beantragt wird.

Virologen-Runde mit Drosten

Die E-Mails stammen aus den ersten Monaten nach Ausbruch, sind teilweise faszinierend zu lesen und für jeden im Internet frei zugänglich. Warum die USA und Europa im März fast im Gleichschritt mit Ausgangssperren, Schulschließungen und Gewerbeverbote den drakonischen „Lockdown“ verhängte, lässt sich ein klein wenig erahnen.

So lud der „Wellcome Trust”, die zweitgrößte Privatstiftung zur medizinischen Förderung, schon Anfang Februar zu vertraulichen Gesprächen. Mit dabei unter anderem: Anthony Fauci und Christian Drosten. Was dort gesprochen wurde, weiß man (noch) nicht.

Vertrauliche Krisengespräche…

Auch mit dem obersten Seuchenbeauftragten Chinas, George Gao, stand Fauci in Kontakt. Gao ist seit Sommer 2020 auch Mitglied der deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Gao war Mitautor der ersten Covid-Studie vom Jänner 2020.

Informationen zur Impfung aus China schon im März 2020. An die Öffentlichkeit kam das Mail nur stark geschwärzt.

„Too long to read“

Zugleich finden sich einige Gespräche, ob das Virus aus dem Labor ausgetreten sein könnte. Fauci dürfte diese These nie ausgeschlossen haben, obwohl sie quasi ein Jahr lang medial als „Verschwörungstheorie“ abgekanzelt wurde. So meldete sich Jeremy Farrar, Chef von Wellcome Trust, mit einem Artikel, der Covid als Biowaffe verhandelt. Ein Telefonat zwischen Farrar und Fauci dürfte gefolgt haben.

Für kritische Beiträge hatte Fauci teilweise nur wenig Zeit, auch weil er tausende Mails täglich erhalten hatte. So meldete sich der Mediziner Erik Nilsen Mitte März bei Fauci. Nilsen habe klare Beweise dafür, dass China die Welt in die Irre geführt habe und Covid-19 schon mindestens seit November 2019 in den USA sei. Weshalb der Ausbruch im März 2020 schon „bei weitem über den Punkt der Eindämmung hinaus“ gewesen sei. Intensives Testen würde zur „Illusion eines exponentiellen Wachstums“ führen. Faucis Antwort: „Too long for me to read“– zu lange, um zu lesen.

Waren die Lockdowns im März 2020 in Wahrheit schon viel zu spät? Für diese Frage hatte Fauci offenbar keine Zeit.

Da kommt noch mehr

Die Aufregung rund um die Fauci-Mails dürfte jedenfalls erst am Anfang stehen: Vor wenigen Stunden verkündete eine NGO weitere 10.000 Mails zu veröffentlichen, an die man ebenfalls per Informationsfreiheit gelangt war. Twitter reagierte umgehend und sperrte den Account von „ICAN“.

Fauci ist bereits seit Aufkommen von Corona als großer Gegner der Trump-Anhänger bekannt. Aber auch für viele andere, die die Pandemie-Reaktion kritisch sehen, gilt Fauci als zentraler Akteur. In den Mails ist jedenfalls keine Kritik an Trump zu lesen. Zuletzt stand Fauci aufgrund der Kooperation zwischen Faucis „National Institute of Health“ und dem Viruslabor von Wuhan in der Kritik.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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