Unkraut gegen SARS-CoV-2?

Studie belegt Wirksamkeit

Mit einem Kraut Corona den Kampf ansagen: Die Forschung rund um die Beifuß-Art Artemisia Annua macht Hoffnung, so auch die zuletzt veröffentlichte Studie vom Max-Planck-Institut. In anderen Gegenden der Erde wird die Pflanze bereits vorbeugend und behandelnd bei Corona-Patienten eingesetzt.

Wien, 28. Juli 2021 | Es ist ein unscheinbares grünes Kraut, auf das bereits zahlreiche Menschen im Kampf gegen Corona schwören: Die Beifuß-Art Artemisia Annua geriet im Zuge der Corona-Krise zunehmend in den Fokus der Wissenschaft. Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam erschien nun im wissenschaftlichen Journal „Scientific Reports“ – die Ergebnisse machen Hoffnung.

Extrakte der Pflanze verringern Infektiosität des Virus

Untersucht wurde die Wirksamkeit einer auf dem Wirkstoff Artemisinin basierten Behandlung gegen SARS-CoV-2 in menschlichen Zellen, einschließlich bestimmter Lungenzellen.

Wenn man die Extrakte der Pflanze in Zellkulturen mit dem Virus vermischt und versucht, die Zellen zu infizieren, zeigt sich, dass die Artemisia-Extrakte die Infektiosität des Virus verringern. Dies gehe aus der Studie eindeutig hervor, sagt einer der daran mitwirkenden Wissenschaftler gegenüber ZackZack.

Studienergebnisse machen Hoffnung

Der leitende Wissenschaftler der Studie und Direktor des Instituts Peter Seeberger erläuterte bereits vergangenen Herbst die Forschung gegenüber dem Fernsehsender „ARTE“: Die Idee bei einer Behandlung von Covid-19 mit auf Artemisin basierten Wirkstoffen sei nicht, Ansteckungen zu verhindern, aber mittels des Pflanzenextrakts den Krankheitsverlauf gelinder zu gestalten, so Seeberger. Die vorliegenden Studienergebnisse machen darauf jedenfalls Hoffnung.

Das Max-Planck-Institut erläutert die aktuelle Studie auf ZackZack-Anfrage: So tat sich insbesondere der von Artemisin abgeleitete Wirkstoff Artesunat hervor, der in der Malaria-Behandlung zum Einsatz kommt und die Sterblichkeitsrate von Malaria-Patienten deutlich reduzierte:

„In unseren Zellstudien war die Reinsubstanz Artesunat wirksamer gegen das Coronavirus als die getesteten Pflanzenextrakte oder Artemisinin und Artemether. Zur weiteren Evaluierung dieser Zellstudienergebnisse laufen aktuell klinische Studien, deren Ergebnisse noch ausstehen.“

Aber – alles im Labor. Klinische Studien, aus denen dann tatsächlich eine Wirksamkeit in der Verabreichung bzw. Behandlung von Covid-19 Patienten mit Artemisia-Extrakten wissenschaftlich abgeleitet werden kann, befinden sich derzeit noch in der Durchführung.

Kräutertrunk bereits weit verbreitet im Umlauf

Während die Forschung mit Jubel also noch zurückhaltend ist, kursieren bereits zahlreiche Artemisia-Produkte auf dem Markt. So produziert ein in Madagaskar ansässiges Unternehmen den Kräutertee „Covid-Organics“, Inhaltsstoff ist unter anderem Artemisia Annua.

Madagaskar – die Firma BIONEXX baut Artemisia annua in Gewächshäusern an. Foto: APA Picturedesk

Der madagassische Präsident Andry Rajoelina schwört auf den Trunk und setzt im Kampf gegen Corona auf das Pflanzenmittel. Gegenüber der Corona-Impfung ist er kritisch eingestellt: In einer Fernseh-Ansprache im März sagte er, er sei nicht komplett gegen Impfungen, doch befinde sich das Land derzeit „in einer Beobachtungsphase des Impfstoffs“, der noch zu viele Nebenwirkungen habe.

Erst kürzlich war Rajoelina in den Schlagzeilen: Die Sicherheitsbehörden von Madagaskar gaben vergangenen Donnerstag an, dass sie ein versuchtes Attentat auf den Staatspräsidenten vereitelt haben. Dabei wurden sechs Menschen festgenommen.

(lb)

 

Titelbild: APA Picturedesk

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