Schütz-Firma macht Cyber-Security für Außenministerium

Trump-Mann an Bord

Eine Firma aus dem Konzern von ÖVP-Großspender Schütz macht für das 2020 gehackte Außenministerium seit Jahren die Cyber-Sicherheit. Mittlerweile sitzt auch Trump-Mann Traina im Aufsichtsrat der AG, für die sich die deutsche Finanzaufsicht interessiert.

 

Benjamin Weiser

Wien, 10. August 2021 | Im Jänner 2020 wurde ein schwerwiegender Hackerangriff auf das Außenministerium (BMEIA) bekannt. Zuständig für die Cyber-Sicherheit im BMEIA ist unter anderem die Firma Cyan Networks. Sie gehört zum Imperium eines prominenten Mannes: Kurz-Finanzier Alexander Schütz.

Gegen die Münchner Muttergesellschaft der Firma, die Cyan AG, laufen derweil Untersuchungen wegen möglicher Marktmanipulation. Das bestätigte die deutsche Finanzaufsicht BaFin auf ZackZack-Nachfrage. Dabei konnte Kurz-Finanzier Schütz gestern noch aufatmen: die Staatsanwaltschaft Stuttgart stellte die Prüfung des Anfangsverdachts gegen den Investor wegen Insiderhandels ein.

Sensibler Kunde Außenministerium

Bei der Cyan AG ist Schütz Aufsichtsratsvorsitzender und Hauptaktionär. In Wien hat die Firma mehrere Töchter, so auch die Cyan Networks. Seit 2009 führt sie das BMEIA als Kunden. Während das Ministerium zur Geschäftsbeziehung keine Auskunft geben wollte, bestätigte Cyan die ZackZack-Recherchen. Eine Ausschreibung habe es für den Auftrag keine gegeben, „da das Auftragsvolumen unterhalb der Ausschreibungsgrenzen“ gelegen habe. Vonseiten der Cyber-Firma heißt es weiter: „Vom BMEIA wurde unser secure web gateway für die Botschaftsstandorte bezogen, welche bis heute noch im Einsatz sind (sic!)“. Ab Ende 2021 wird man jedoch getrennte Wege gehen.

Nach dem monatelangen Hackerangriff auf das BMEIA in 2020 ist weiterhin unklar, wer für die Attacke verantwortlich ist. Russland hatte etwaige Spekulationen zurückgewiesen. In sparsamen Antworten auf parlamentarische Anfragen hatten die Minister Alexander Schallenberg und Karl Nehammer (beide ÖVP) mit Amtsverschwiegenheit argumentiert.

Sensible Infrastruktur: das BMEIA war 2020 Ziel eines immer noch ungeklärten Hackerangriffs. Bild: APA Picturdesk.

Politisch exponiert ist nicht nur das BMEIA als Noch-Kunde von Cyan, sondern auch ein neues Aufsichtsratsmitglied der AG: Trumps loyaler Ex-US-Botschafter in Wien, Trevor Traina. Der kennt Schütz bestens von elitären Runden mit dem ÖVP-nahen Kommunikator Wolfgang Rosam und dem mittlerweile inhaftierten Ex-Wirecard-CEO Markus Braun. Traina wurde bei seiner Abschlusszeremonie in Wien eine seltene Ehre zuteil: Bundeskanzler Sebastian Kurz übergab ihm das Große Goldene Ehrenzeichen. Zuvor hatte Traina über mögliche Unstimmigkeiten bei der US-Wahl spekuliert.

Was war die Leistung?

Grund für die BaFin-Untersuchung der Cyan ist allerdings dessen Wirecard-Geschäft. Für den Schütz-Konzern hatte sich der flüchtige ehemalige Wirecard-Vorstand Jan Marsalek persönlich ins Zeug gelegt. Warum? Das fragt sich selbst Marsaleks Ex-Vorstandskollegin Susanne Steidl. Auf die Frage, ob das Geschäft mit Cyan entscheidend war, hat sie laut „Handelsblatt“ eine klare Meinung: „Das ist komplett unnütz“. Das Blatt durchleuchtete Wirecards „dubioses Berater-Netzwerk“.

Auffällig war aus Sicht der Insolvenzverwalter auch die hohe Cyan-Rechnung an Wirecard. Für fünf Mio. Euro sollte Cyan für die Sicherheit der Wirecard-Bezahlapp Boon sorgen. Der Cyber-Konzern bestreitet laut „Handelsblatt“, dass Geld geflossen sei – ganz im Gegensatz zu einem Anwaltsschreiben, wonach Marsaleks Assistentin „bisherige Zahlungen“ freigegeben haben soll.

Interessant ist auch der Termin, an dem Cyan die Fälligkeit per Aussendung meldet: Am 25. Juni 2020 ist der Zusammenbruch von Wirecard genau eine Woche her. Jetzt will Cyan auf einmal 5 Mio. Euro, die laut eigenen Angaben zu etwa 96 % schon in 2019 als Forderungen verbucht worden sein sollen. Zum 31.12.2019 betrugen die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen laut Geschäftsbericht aber nur knapp 3,9 Mio. Euro.

Kauf einer Novomatic-Tochter

In einem internen Schreiben der BaFin, das ZackZack vorliegt, wird auch der Kauf einer ehemaligen Novomatic-Tochter im Jahr 2018 thematisiert. Die I-New Unified Mobile Solutions AG, jetzt 100 %-Tochter der Cyan AG, ist spezialisiert auf IT-Lösungen für Banken, Telekommunikation, aber auch Glücksspiel und Kryptowährungen.

Cyan hatte die damals stark verlustträchtige Novomatic-Tochter zu einem bemerkenswert hohen Preis von 17,1 Mio. Euro gekauft. Nach dem erfolgreichen Kauf der I-New durch Cyan gab es dann eine kräftige Finanzspritze von etwa 11 Mio. Euro, verbucht unter „Sonstige betriebliche Erträge“ – das machte dann auf einmal mehr als die Hälfte des gesamten Cyan-Konzernumsatzes 2018 aus.

Illustre Aktionärsrunde

Der I-New-Kauf ist nicht die einzige Verbindung des Schütz-Konzerns zum niederösterreichischen Glücksspielriesen. Novomatic-Südamerika-Partner Rudolf Binder hält laut jüngstem Geschäftsbericht über die Tansanit Stiftung 10,3 Prozent an der Cyan AG. Binder und die Novomatic sind schon lange verbunden: 2008 hatte man mit dem Monticello in Chile das größte Casino Lateinamerikas eröffnet. Zusammen mit Novomatic-Boss Johann Graf war Binder an der Alizee Bank beteiligt, die wegen Wickeln mit der Finanzmarktaufsicht schließen musste. Derzeit ist Binder auch Konsul von Paraguay in Salzburg. Was ihn wiederum mit Schütz verbindet, der für den Malteser Ritterorden in Wien diplomatischer Berater ist.

Schütz ist gemäß der im Jänner 2021 veränderten Aktionärsstruktur gleich dreimal bei Cyan investiert: Persönlich (9,7 %), über die alex schütz familienstiftung (9,6 %) und über eine Firmenkonstruktion namens Infinitum Ltd. (1,0 %), die mit Schütz laut „4investors.de“ zumindest eng verbunden ist.

Auch Christian Angermayer ist an Cyan beteiligt. Sein Family Office Apeiron Investment Group kommt wie die Infinitum Ltd. (beide in Malta registriert) in den „Offshore Leaks“ vor, eine Datenbank von Firmenkonstruktionen in Steuerparadiesen. Der schillernde Investor ist Wirecard-Kennern bestens bekannt: die Geschäftsanbahnung zwischen Wirecard und der japanischen Softbank ließ sich Angermayer mit 11,5 Mio. fürstlich vergüten.

Die Freude ist groß: Angermayer (Mitte) beim Kickstart seiner Psychedelika-Holding Atai. Screenshot Twitter.

Außerdem wirbt er für Investments in den „Magic Mushroom“-Wirkstoff Psilocybin. Der Stoff ist auf legalem Wege kaum verwendbar, Angermayer huldigt ihn aber aus medizinischen Gründen: „Ein Magic-Mushroom-Trip zwingt einen zur Selbsterkenntnis“, so der Investor laut Medienberichten. Angermayer will sich dem „Handelsblatt“ zufolge erst vor kurzem mit seinem Family Office aus dem Konzern zurückgezogen haben. In den neuesten Unterlagen ist er aber als einer der Großaktionäre aufgelistet, wie auch Cyan gegenüber ZackZack bestätigt.

Neos stellen Anfrage an Schallenberg

Für NEOS-Außenpolitiksprecher Helmut Brandstätter ist klar: „Wir sind um die digitale Sicherheit unserer Diplomatie besorgt. Und zwar spätestens, seit wir wissen, dass es Cyberangriffe auf das Außenministerium gab. Welche Rolle spielt da die Cyan AG? Und wie kam sie zum Außenamt? Sonderbar ist auch, dass das Ministerium dazu nicht einmal eine Stellungnahme abgeben will. Da gibt es viele Punkte für eine parlamentarische Anfrage.“

Titelbild: APA Picturedesk

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