Montag, Juli 15, 2024

Kurz gründet Cyber-Firma mit Erfinder von Skandal-Software

Der Mann, der wichtigste politische Entscheidungen per Whatsapp kommunizierte, gründet eine Cybersecurity-Firma: Sebastian Kurz. Sein Geschäftspartner ist der Erfinder einer Späh-Software, die Journalisten und Oppositionelle überwachte.

 

Wien, 13. Oktober 2022 | Die Spionage-Software „Pegasus“ sorgte im Jahr 2021 für gehörig Kontroverse. Eine Recherche von 17 internationalen Medien hatte ergeben, dass mithilfe der Software vom israelischen Hersteller „NSO“ Telefone von hunderten Journalisten, Politikern und Menschenrechtsaktivisten in verschiedenen Ländern überwacht wurden. Eingesetzt wurde „Pegasus“ unter anderem von Ungarns Regierung, die Investigativ-Journalisten abhörte.

Als Reaktion auf den Pegasus-Skandal setzte die US-Regierung die „NSO Group“ im vergangenen Jahr auf eine schwarze Liste. Bis August 2022 war der Chef der höchst umstrittenen „NSO Group“ der Israeli Shalev Hulio. Eben jener Hulio hat sich nun einen neuen Geschäftspartner geholt: Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Kurz plaudert aus: “Viele Attacken…”

Zusammen gründeten Hulio und der „Global Strategist“ – wie er als Geschäftspartner von Investitions-Zampano Peter Thiel heißt – Kurz ein neues Start-Up, wie die israelische „Globes“ am Mittwoch berichtete. Unter dem Namen „Dream Security“ wollen sie sich dem Thema Cyber-Security widmen. Zentrales Ziel soll der Schutz von kritischer Infrastruktur sein. Das Unternehmen erhielt in einer Finanzierungsrunde 20 Millionen Dollar. Laut Eigenbeschreibung will man mittels künstlicher Intelligenz Cyber-Bedrohungen beobachten und auf diese reagieren.

Kurz plauderte gegenüber der „Globes“ auch vertrauliche Informationen aus seiner Kanzler-Zeit aus. So habe er in seiner Zeit als Kanzler „viele Attacken auf die Regierung und auch auf Produktionsstätten und Energieversorger“ miterlebt: „Die meisten wurden nicht in den Medien publiziert.” Auf die Frage, ob er seine Cyber-Dienste auch undemokratischen Ländern zur Verfügung stellen werde, hielt sich der Ex-Kanzler bedeckt. Man fokussiere sich auf den europäischen Markt.

Kurz-Freunde mit Cyber-Sicherheits-Vergangenheit

Dass Kurz sich in den Bereich der Cyber-Security wagt, wirft Fragen auf. In seiner Regierungszeit war das Thema IT-Sicherheit bereits pikant. Die Firma „Cyan Networks“, bei deren Mutter-AG Kurz-Geschäftspartner Alexander Schütz wesentlicher Aktionär ist, sorgte jahrelang für die Website-Sicherheit im österreichischen Außenministerium.

Ebenso zeigten von ZackZack, “Spiegel” und “Standard” aufgedeckte Chats, wie Jan Marsalek Einfluss auf einen möglichen Deal der Kurz-Regierung nahm. So koordinierten er und ein Ex-BVT-Abteilungsleiter ein Cyberkrisentreffen der Republik mit Akteuren aus dem Wirecard-Umfeld.

(bf)

Titelbild: ZackZack/ Christopher Glanzl

Autor

  • Benedikt Faast

    Redakteur für Innenpolitik. Verfolgt so gut wie jedes Interview in der österreichischen Politlandschaft.

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