Dienstag, Februar 27, 2024

Kurz gründet Cyber-Firma mit Erfinder von Skandal-Software

Der Mann, der wichtigste politische Entscheidungen per Whatsapp kommunizierte, gründet eine Cybersecurity-Firma: Sebastian Kurz. Sein Geschäftspartner ist der Erfinder einer Späh-Software, die Journalisten und Oppositionelle überwachte.

 

Wien, 13. Oktober 2022 | Die Spionage-Software „Pegasus“ sorgte im Jahr 2021 für gehörig Kontroverse. Eine Recherche von 17 internationalen Medien hatte ergeben, dass mithilfe der Software vom israelischen Hersteller „NSO“ Telefone von hunderten Journalisten, Politikern und Menschenrechtsaktivisten in verschiedenen Ländern überwacht wurden. Eingesetzt wurde „Pegasus“ unter anderem von Ungarns Regierung, die Investigativ-Journalisten abhörte.

Als Reaktion auf den Pegasus-Skandal setzte die US-Regierung die „NSO Group“ im vergangenen Jahr auf eine schwarze Liste. Bis August 2022 war der Chef der höchst umstrittenen „NSO Group“ der Israeli Shalev Hulio. Eben jener Hulio hat sich nun einen neuen Geschäftspartner geholt: Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Kurz plaudert aus: “Viele Attacken…”

Zusammen gründeten Hulio und der „Global Strategist“ – wie er als Geschäftspartner von Investitions-Zampano Peter Thiel heißt – Kurz ein neues Start-Up, wie die israelische „Globes“ am Mittwoch berichtete. Unter dem Namen „Dream Security“ wollen sie sich dem Thema Cyber-Security widmen. Zentrales Ziel soll der Schutz von kritischer Infrastruktur sein. Das Unternehmen erhielt in einer Finanzierungsrunde 20 Millionen Dollar. Laut Eigenbeschreibung will man mittels künstlicher Intelligenz Cyber-Bedrohungen beobachten und auf diese reagieren.

Kurz plauderte gegenüber der „Globes“ auch vertrauliche Informationen aus seiner Kanzler-Zeit aus. So habe er in seiner Zeit als Kanzler „viele Attacken auf die Regierung und auch auf Produktionsstätten und Energieversorger“ miterlebt: „Die meisten wurden nicht in den Medien publiziert.” Auf die Frage, ob er seine Cyber-Dienste auch undemokratischen Ländern zur Verfügung stellen werde, hielt sich der Ex-Kanzler bedeckt. Man fokussiere sich auf den europäischen Markt.

Kurz-Freunde mit Cyber-Sicherheits-Vergangenheit

Dass Kurz sich in den Bereich der Cyber-Security wagt, wirft Fragen auf. In seiner Regierungszeit war das Thema IT-Sicherheit bereits pikant. Die Firma „Cyan Networks“, bei deren Mutter-AG Kurz-Geschäftspartner Alexander Schütz wesentlicher Aktionär ist, sorgte jahrelang für die Website-Sicherheit im österreichischen Außenministerium.

Ebenso zeigten von ZackZack, “Spiegel” und “Standard” aufgedeckte Chats, wie Jan Marsalek Einfluss auf einen möglichen Deal der Kurz-Regierung nahm. So koordinierten er und ein Ex-BVT-Abteilungsleiter ein Cyberkrisentreffen der Republik mit Akteuren aus dem Wirecard-Umfeld.

(bf)

Titelbild: ZackZack/ Christopher Glanzl

Benedikt Faast
Benedikt Faast
Redakteur für Innenpolitik. Verfolgt so gut wie jedes Interview in der österreichischen Politlandschaft.
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32 Kommentare

  1. Kurz brachte die ÖVP auf den letzten Stand der Cyber Abhörtechnik und der Abwehrtechnik und verdient damit auch noch gutes Geld?

  2. Ich kaufe mir jetzt das neue Buch von Sebastian Kurz und gehe damit zum Ballhausplatz. Dort verbrenne ich eine Seite nach der anderen!

  3. Bei aller berechtigten Fokussierung auf unsere politischen Kleinkriminellen vergessen wir Fähnchen schwingend und in euphorisch taumelnder Unterwürfigkeit komplett darauf, so manche Demokratiegefährdung, nachteilige Allianzen und Handelsverträge und dubiose Beschaffungsverträge in Milliardenhöhe der EU-Kommission, also die Grosskriminalität, zu hinterfragen. Das mag wahrscheinlich daran liegen, dass Zahlenbereiche jenseits der Million die durchschnittliche Vorstellungskraft übersteigen.

  4. Die Strategie der Investoren ist zu Kurz gedacht, ihn als Türöffner zu europäischen Regierungen einzusetzen, denn wird Kurz angeklagt und verurteilt, fehlt ihm die Glaubwürdigkeit und die mangelnde Vertraulichkeit, da er wie im Artikel beschrieben vertrauliche Informationen aus seiner Zeit als Kanzler ausgeplaudert hat, wird potentielle Kunden abschrecken.

  5. Und noch immer Word von Seiten der Justiz gegen Kurz nur ermittelt und keine anklage erhoben….und das obwohl er der lüge überführt ist und überall seine dreckiges Finger drinnen hatte und vermutlich noch hat….
    Ob die Justiz überhaupt tätig wird oder sogar die anklage oder Ermittlungen ver oder behindert kann man Stark davon ausgehen….

  6. Ich weiß nicht, warum er das macht. Aus Angst, aus Gier, aus Rache oder aus anderen Gründen. Aber das, was er grad macht, ist der Aufbau eines Firmengeflechts, das in dem Tempo bald unüberschaubar wird. Solche Firmengeflechte dienen häufig der Steuerhinterziehung und der Geldwäsche. Auch Konkurse sind da durchaus lukrativ, wenn Geldwäsche im Spiel ist. Bei Banken gibt es mittlerweile Meldungsgebote, nicht aber bei Immobilien und IT etc. Kurz z.B. muss in diesen Fällen nicht angeben, woher die Investoren kommen oder wer sie sind. Er muss sich nicht darum kümmern, den Shareholder zu verifizieren und bekannt zu geben. 20 Millionen € sind nicht nichts. Als Startgeld also nicht schlecht.

    Das mit dem “Schutz” kann man auch als Treppenwitz der Geschichte verstehen. Hätte er es schon vorher gehabt, die Chats wären nicht entschlüsselbar geworden.

    Jedenfalls: Kurz macht mir weiterhin Angst.

    • Danke für diese Gedanken. Diese “Klasse” inzwischen pervertiert offenbar alles Mögliche… 👍
      (wir, unsere Kinder / -eskinder werden uns “anschnallen” müssen…)
      George Orwell und Aldous Huxley werde ich mir heuer noch (wieder) einmal reinziehen müssen…

      • Grusig. In dem Umfeld mit Schütz ist jedenfalls größte Vorsicht geboten. Da muss man schon skrupellos sein, um da überhaupt Zugang zu finden. Also auch durchaus denkbar, dass da Mafiagelder oder Nachrcihtendienstgelder verschoben werden sollen. Da fällt einem dann wieder Marsalek ein und so.

        Wenn ich 10.000 € in die Bank einzahlen will, muss ich belegen können, woher das Geld kommt. Wieso das bei Besitztümern nicht ebenso Bestandteil ist, ist eine Gesetzesfrage. Und es ist fraglich, wieso man z.B. eine Eigentumswohnung um 2 Mille in bar erwerben kann, ohne Rechenschaft über die Herkunft des Geldes Auskunft geben zu müssen. Der Verkäufer muss nicht nachfragen.

  7. “So habe er in seiner Zeit als Kanzler „viele Attacken auf die Regierung und auch auf Produktionsstätten und Energieversorger“ miterlebt”

    Einmal Blender, immer Blender

  8. Ich war heute am Nachmittag Fahradfahren, alle meine Daten habe ich auf meiner PolarApp. Frage hat jemand Interesse wäre wegen einem Buch. Wie fahre ich richtig Fahrrad.

  9. Nur weiter so! Die NSO Group ist auf der schwarzen Liste der US-Regierung. Hulio als ehemaliger Chef ist sicher auch im Fokus der Behörden. Das könnte negative Konsequenzen für seine Anstellung bei Thiel ergeben, da Tech Companies nicht gerne bei schwarzen Listen anstreifen.

  10. Was Kurz als Politiker in den letzten Jahren verdient hat, war, of course, für seine “Leistung” viel zu viel, aber ist im wesentlichen nachvollziehbar.

    Deswegen stellt sich die Frage, WOHER hat er die Millionen, die er jetzt in unterschiedliche Unternehmen investiert???

    Ich erwarte, dass das Finanzamt und die WKStA sich das genau anschauen.
    .

    • Es sind nicht seine Millionen. Aber ich wüsste auch gern, wer da (schon wieder) 20 Millionen € investierte. Und ob Kurz weiß, wer sich da einkaufte.

  11. Es ist offensichtlich, dass dieser ungeeignete, ehem. BK zu viel von unserem Geld erhalten hat. Ansonsten könnte er nicht so viele Investitionen tätigen. Aber keine Sorge, die Gerechtigkeit wird schon noch ihren Weg finden. Sein Karma folgt ihm überall hin. “Die Lüge ist wie ein Schneeball. Je länger man ihn wälzt, desto größer wird er.”

  12. Dachte,er macht eine Pflege-Startup.

    Wünschte, ee würde weniger Aufmerksamkeit bekommen. Aber in dem Fall ist die Berichterstattung gut. Schaut bitte drauf, dass ihr keine Bilder mehr von ihm veröffentlicht. Derer gibts schon zu viel….

  13. Jemand der als Bundeskanzler dieses kleinen Landes versagt hat schließt sich mit jemandem zusammen der, aus der Sache ersichtlich, in schlechter Absicht versagt hat. Gemeinsam wollen sie die Welt von einem der größten Probleme dieser Zeit erlösen.

    Ich bin mir noch nicht ganz sicher ob es der Lachkrampf oder der kalte Schauer meinen Rücken hinunter wird.
    Aber ich tendiere zu “Wird ne kurze Angelegenheit”

  14. Ganz ehrlich, sowas wirkt auf den ersten Blick besorgniserregend.

    Aber im Endeffekt sind diese ganzen Deppen, genauso wie Elon Musk, auf irgend einen sci-fi Film Tripp der ihnen früher oder später noch das Genick brechen wird.

  15. Ist doch toll, wenn der Messias ein Betätigungsfeld findet nach seinem durch eine Hasskampagne beendeten Himmelswerk. Es kommen gut Zeiten für die Heiligen!

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