Dienstag, Juni 25, 2024

»Pannen-Armin« im freien Fall – CDU-Kollegen fordern Rückzug

CDU-Kollegen fordern Rückzug

Der Kampf ums deutsche Kanzleramt wird immer dramatischer. Laut einer Umfrage liegen CDU und SPD erstmals seit Jahren wieder gleichauf, die Schwarzen würden bei den Zweitstimmen nur noch ein Bundesland holen. Erste CDU-Kollegen fordern Laschets Rückzug.

Berlin, 20. August 2021 | Noch knapp fünf Wochen bis zur Bundestagswahl, die so spannend ist wie lange nicht mehr. In jüngsten Umfragen liegen CDU und SPD Kopf an Kopf, in der Sonntagsfrage von „Wahlkreisprognose“ wird für beide Parteien ein Wert von 22 Prozent gemessen.

Jetzt preschen laut „Bild“ zwei CDU-Abgeordnete vor, die offenbar den Rückzug von Armin Laschet herbeisehnen. So soll Sylvia Pantel, pikanterweise aus Laschets Regierungssitz Düsseldorf stammend, in einer Sitzung Konsequenzen gefordert haben: „Es ist besser kurz und schmerzhaft zu reagieren, als gemeinsam unterzugehen.“ Kollege Axel Müller soll ihr beigepflichtet haben: „Mit einem Wort: Es ist beschissen.“

SPD holt CDU ein

Für die Union wären die 22 Prozent das schlechteste Ergebnis aller Zeiten und ein Verlust von -11 Prozentpunkten im Vergleich zur Wahl 2017. Die SPD würde im Vergleich zur letzten Bundestagswahl 1,5 Prozentpunkte zulegen. Laut „ARD Deutschlandtrend“ ist die Lage für Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet auch bei den eigenen Wählern dramatisch: 34 Prozent der CDU-Wähler würden sich für SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz aussprechen – nur neun Punkte weniger als für den eigenen Kandidaten. Bei FDP-Wählern, die traditionell skeptisch gegenüber den Roten sind, ist Scholz gar beliebter als Laschet.

Bei den Zweitstimmen sieht es laut „Wahlkreisprognose“ für die CDU noch düsterer aus. Hier käme sie lediglich in einem von 16 Bundesländern auf Platz 1 (Sachsen-Anhalt), während die CSU Bayern halten würde. Die AfD läge in zwei Bundesländern vorne (Thüringen und Sachsen), die Grünen in drei (Berlin, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein). Die SPD würde neun Bundesländer holen, darunter Nordrhein-Westfalen. Es ist das bevölkerungsreichste Bundesland, regiert wird es derzeit von Ministerpräsident Laschet.

Laschet scheitert an einfacher Frage

In der fiktiven Kanzler-Direktwahlfrage ist SPD-Kandidat Olaf Scholz seinem Kontrahenten von den Konservativen enteilt. So liegt Scholz laut „Infratest Dimap“ bei 41 Prozent, Laschet bei 16, während die Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock auf 12 kommt. Laschets schlechte persönliche Werte dürften auch auf mehrere glücklose Auftritte im Wahlkampf zurückzuführen sein. Auf Twitter verbreitet sich bereits der Hashtag #PannenArmin.

Seit gestern geht im Netz ein Video viral, in dem Laschet von einer „Focus“-Reporterin nach Wahlkampfthemen gefragt wird. Der Konservative antwortet mit zwei Themenblöcken, die jetzt anzugehen seien: Digitalisierung und Klimawandel. Doch auf die Frage, ob er eine „dritte Sache“ angehen wolle, hat er keine Antwort.

Sichtlich überrascht überlegt der CDU-Chef sekundenlang, bis er sagt: „Joa, was mach ma noch? Wir werden noch rechtzeitig ein 100-Tage-Programm vorstellen.“

Es ist nicht der erste Patzer, den Laschet im Wahlkampf liefert. Unvergessen, wie der CDU-Mann während einer Rede des Bundespräsidenten anlässlich der Flutkatastrophe im Hintergrund herumgealbert hatte. Das Video des lachenden Kandidaten bewirkte einen regelrechten Shitstorm.

Bei einem ARD-Triell mit Scholz und Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock war Laschet der einzige, der eine einfache Frage nicht beantworten konnte: Wo soll der erste Staatsbesuch nach einem möglichen Amtsantritt hingehen? Scholz würde nach Paris reisen, Baerbock nach Brüssel, Laschet hatte dazu keine Meinung.

Söder spielt Brutus, CDU attackiert FDP

In den Reihen der Union brodelt es jedenfalls heftig. Der unterlegene Laschet-Gegner Markus Söder ist überzeugt, dass der freie Fall der Union in den Umfragen sicher nicht an ihm liegt. Von der bayerischen Schwesterpartei CSU kommen seit Tagen heftige Töne. Söder: „Sechs Wochen vor der Wahl über einen möglichen Austausch von Kandidaten zu reden, zeigt, wie schwer die Lage ist.“ In dieselbe Kerbe schlägt CSU-General Markus Blume. Er, Blume, halte es „für dringend notwendig, dass wir jetzt auch als Union deutlich machen, dass der Kanzlerkandidat sagt, welchen Weg er für Deutschland will“.

Unterdessen hat sich CDU-General Paul Ziemiak einen anderen Gegner ausgesucht: die FDP. Aus Angst vor einer Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP schießt Ziemiak scharf gegen die Liberalen, die weitestgehend im selben Wählerteich fischen. Wer eine bürgerliche Politik wolle, müsse CDU wählen: „Die FDP wird sicher in den Bundestag kommen, wir haben also überhaupt nichts zu verschenken, weil uns das am Ende des Tages schwächt.“

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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