Benko darf höher bauen: Grüne Immunschwäche

Am Montag um 10.00 Uhr werden die Wiener Grünen dem Immobilienspekulanten René Benko eine große Freude machen: Sie wollen ihm erlauben, in der Mariahilferstraße höher zu bauen, als es die Bauordnung üblicherweise vorsieht.

Wien, 03. Oktober 2021 | Die Fakten sind aus dem gestrigen ZackZack-Bericht bekannt: René Benko will am Platz des ehemaligen Leiner-Hauses höher bauen als ihm die Bauordnung zugesteht. Das geht nur, wenn der Bauausschuss des 7. Bezirks Wien-Neubau eine Ausnahme für Benko beschließt. Der Bauausschuss ist wie der Bezirk fest in grüner Hand.

Hinter Benko steht auch in Neubau eine türkis-grüne Allianz. An ihrer Spitze regiert aber mit Markus Reiter ein grüner Bezirksvorsteher. Auf ihn kann sich Benko im Bezirk so verlassen wie im Bund auf Sebastian Kurz. Der Kanzler hat Benko in den Weihnachtsferien 2017 ein Bezirksgericht aufsperren lassen, um den Kauf des Leiner-Hauses in der Mariahilferstraße zu ermöglichen.

In der Jury, die das Projekt beurteilen sollte, saß dann schon Markus Reiter. Beim alljährlichen Törggelen, zu dem Benko „Prominenz“ lädt, zeigte Reiter als einziger Grüner, dass ihn mit Benko neben der Ausreizung der Bauordnung auch die Liebe zur Edelkastanie verbindet.

Chorherr und Reiter

Christoph Chorherr war der erste Grüne, der die tiefe grüne Abneigung gegen Immobilienspekulanten überwand. Als mächtigster Mann der regierenden Grünen zog er im Rathaus die Fäden so, dass plötzlich einiges für den Immobilienunternehmer Michael Tojner lief. Auch Tojner investierte in die Mariahilferstraße. Als die Grünen dort die Volksbefragung über die Zukunft der Straße gewinnen wollten, hatten sie Tojner auf ihrer Seite.

Bis heute haben die Wiener Grünen nicht offengelegt, wie weit die Tojner-Unterstützung gegangen ist. Bekannt ist nur Chorherrs „Schulprojekt“ in Südafrika und die Chorherr-Unterstützung für Tojners Versuch, am Heumarkt groß zu bauen. Profil hat die einschlägigen Chats zwischen dem grünen Gemeinderat und dem Immobilientycoon veröffentlicht. Tojner an Chorherr: „Danke Sie sind grossartig!“ Chorherr, zwei Minuten später: „Das veröffentliche ich jetzt nicht“.

Die Veröffentlichung der Chorherr-Chats fand erst über den Ermittlungsakt der WKStA statt. Dort werden Tojner und Chorherr gemeinsam als Beschuldigte geführt.

Bei Reiter gibt es keine vergleichbaren Hinweise. Aber es gibt auch keine befriedigende Antwort auf die Frage: „Warum tut er das?“. Qualität und Schönheit des Projekts waren auch am Heumarkt die offiziellen Gründe für die Grünen. Heute wissen wir, dass es auch andere Gründe gegeben hat.

Die Mariahilferstraße ist die Schicksalsstraße der Wiener Grünen. Sie haben dort durchgesetzt, dass aus einer Verkehrshölle eine kinderfreundliche Flaniermeile geworden ist. Das wird das Verdienst von Maria Vassilakou bleiben.

Aber die Wiener Grünen sind auf der Mariahilferstraße auch auf Tojner gekommen. Und jetzt auf Benko. Gerade in Wien waren die Grünen früher gegen Spekulanten immun. Aber „früher“ ist lange her.

Titelbild: APA Picturedesk

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