Freitag, Juni 14, 2024

Winterspiele ohne Schnee: Olympia-Abfahrt in Peking nur weißer Kunststreifen

Winterspiele ohne Schnee

In nur wenigen Jahren hat man nordwestlich von Peking ein Skigebiet aus dem Boden gestampft. Ab nächster Woche werden dort die alpinen Skibewerbe der Olympischen Winterspiele ausgetragen. Es hagelt Kritik, nicht nur für den vielen Kunstschnee.

Peking, 28. Jänner 2022 | Elf Kilometer Skipisten und drei Liftanlagen stehen der schneesportbegeisterten chinesischen Bevölkerung im 2019 eröffneten Skigebiet der Xiaohaituo Mountains nördwestlich von Peking zur Verfügung. Normalerweise, denn längst sind die Anlagen für die Olympischen Spiele gesperrt.

Das “Yanqing Olympic Village” nordwestlich von Peking, Mitte Jänner (Bild: AFP)

Das Olympia-Personal wie Freiwillige, Reinigungskräfte, Köche und Fahrer wurde abgeschottet. Tägliche Tests und ständiges Maskentragen sind Pflicht. Sollte es im Straßenverkehr einen Unfall geben, wird die Bevölkerung angehalten, nicht Hilfe zu leisten, sondern sich bis zum Eintreffen der Rettungskräfte fernzuhalten.

Ohne Kunstschnee geht nichts

Kritiklos passierte der Bau des Skigebietes in der atemberaubenden Waldregion, in der die geschützten Arten Steinadler, Kaiseradler, Amurleopard und Schwarzstorch leben, nicht. Erst musste der Schutzumfang des Beijing Songshan National Nature Reserve angepasst werden, das Projekt wurde schließlich 2017 genehmigt. Die Anlage heißt offiziell und übersetzt “Nationales Alpinzentrum”. Im Februar 2020 waren Weltcup-Rennen geplant, die wegen der beginnenden Coronavirus-Pandemie aber abgesagt wurden, auch im Vorwinter war kein Testevent möglich.

Eine der vielen Schneekanonen, die für winterliche Verhältnisse sorgen sollen (Bild: AFP)

Um die alpinen Skibewerbe dennoch über die Bühne zu bringen, würden um die 170 Schneekanonen eingesetzt. Verantwortlich für die Präparierung ist das Südtiroler Unternehmen TechnoAlpin.

Geografin: “Unnachhaltigste Spiele aller Zeiten”

Schon länger steht Peking als Austragungsort der Winterspiele in der Kritik vieler Klimaschützer. Dabei sind die klimatischen Bedingungen rund um die chinesische Hauptstadt eigentlich nicht schlecht. Aber die trockene Kälte und Temperaturen unter null Grad bringen wenig, wenn der nötige Schnee fehlt.

Bereits im November 2021 sprach die deutsche Geografin Carmen de Jong in einem Interview mit “Deutschlandfunk” von den “unnachhaltigsten Spielen aller Zeiten”. Da man fast nur auf Kunstschnee fahren werde, brauche man extrem viel Wasser.

Dieses muss kilometerweit in die Berge transportiert werden und weil neben der Trockenheit auch viel Wind herrsche, benötige man etwa die doppelte oder dreifache Menge an Wasser für die Beschneiung als in den Alpen.

NGOs rufen zu Boykott auf

Ein Bündnis aus 243 Menschenrechts- und anderen Nichtregierungsorganisationen hat  zudem wenige Tage vor dem Beginn Winterspiele in Peking zu einem diplomatischen Boykott aufgerufen. “Die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking werden inmitten von Gräueltaten und anderen schweren Menschenrechtsverletzungen durch die chinesische Regierung eröffnet”, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Unter Präsident Xi Jinping hätten die chinesischen Behörden massive Übergriffe gegen Uiguren, Tibeter, andere ethnische Gruppen und Anhänger aller unabhängigen Glaubensrichtungen verübt. “Olympische Spiele können keine “positive Kraft’ entfalten, wie das Internationale Olympische Komitee behauptet, wenn die Regierung des Gastgeberlandes schwere Verbrechen begeht und gegen internationales Recht verstößt”, sagte Sophie Richardson, China-Direktorin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.

(apa/mst)

Titelbild: APA Picturedesk

Autor

  • Markus Steurer

    Hat eine Leidenschaft für Reportagen. Mit der Kamera ist er meistens dort, wo die spannendsten Geschichten geschrieben werden – draußen bei den Menschen.

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