Samstag, Juni 22, 2024

Waffen für die Ukraine – Wie der Westen die Ukraine diskret mit Militärgerät versorgt

Wie der Westen die Ukraine diskret mit Militärgerät versorgt

Tonnenweise fließen Waffen und Munition aus dem Westen in die Ukraine. Der Krieg saugt das Material auf wie ein Schwamm. Doch noch reißt der Strom nicht ab.

Kiew, 07. März 2022 | „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit!“ Das ließ der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wissen, als ihm der Westen anbot, ihn aus der Ukraine zu holen. Und USA und Europa liefern. Tag für Tag landen Großraumflugzeuge voll mit Waffen, Munition und anderes Kriegsgerät auf Flugplätzen nahe der Ukraine. Dort wird die Fracht auf neutrale LKW umgeladen und über die Grenze gebracht.

Wie „Berliner Luftbrücke“

Die Operation erinnere „an die Berliner Luftbrücke 1948-49, nur viel komplizierter“, findet die New York Times. Geliefert wird unter anderem ausgerechnet mit Antonov-Flugzeugen aus sowjetischer Produktion. In weniger als einer Woche brachten alleine die USA über 17.000 Panzerabwehrwaffen auf diesem Weg ins Land. Noch hat die russische Armee nichts unternommen, um die Lieferungen abzufangen, doch das Zeitfenster für weitere Transporte könnte sich rasch schließen, befürchten Experten.

Auch Europa schenkt der Ukraine Waffen und Ausrüstung: Panzerabwehrwaffen, Flugabwehrraketen, Fahrzeuge, Gewehre, Munition, Sprit, Feldrationen. Selbst Deutschland liefert Waffen – eine historische Kehrtwende. Die überwältigende Mehrheit der Deutschen – 78 Prozent laut einer aktuellen Umfrage – findet das gut. Nicht weniger historisch: Auch die EU stellt eine halbe Milliarde Euro für Waffenlieferungen zur Verfügung.

Das ist selbst im Vergleich zu US-Hilfen viel Geld. Im vergangenen Jahr investierten die USA eine Milliarde Dollar in Waffen für die Ukraine. Am 26. Februar genehmigte Präsident Joe Biden noch einmal 350 Millionen. Die Waffen kommen schnell, denn sie müssen nicht über den Atlantik. Auf NATO-Stützpunkten in Europa, vor allem in Deutschland, haben die USA Waffenlager. Die werden jetzt geleert, um die Ukraine zu versorgen.

Kampfjet-Rochade

Gemeinsam mit seinen NATO-Partnern in Osteuropa wollen die USA noch mehr tun: Seit Tagen verhandelt US-Außenminister Anthony Blinken über eine delikate Transaktion mit Polen. Die polnische Luftwaffe besitzt 22 russische MIG-29-Kampfjets – ein Geschenk der deutschen Bundeswehr, die sie ausmusterte, an den Nachbarn.

Die ukrainische Luftwaffe benutzt den Typ ebenfalls, ukrainische Piloten können ihn also fliegen. Der Plan der USA: Polen gibt seine alten MIG an die Ukraine weiter und bekommt dafür neue amerikanische F-16-Jets.

Während Blinken am Sonntag über den Deal sprach, als sei er fix, druckst Polen öffentlich herum. Es sei unklar, wie die Jets an den Nachbarn gehen sollen, sagen Insider. Denkbar ist auch, dass Polen einen höheren Preis für sein fliegendes Altmetall erzielen möchte. Die USA haben nicht unbegrenzt viele F-16 zu verschenken. Schon jene, über die mit Polen verhandelt wird, sind eigentlich Taiwan versprochen, das sich um chinesische Aggression im Windschatten der russischen Invasion in der Ukraine sorgt. Ausgemachte Sache ist, dass Polen und andere NATO-Staaten grenznahe Flugplätze als Stützpunkte für die überlebenden Reste der ukrainischen Luftwaffe zur Verfügung stellen.

Luft- und Netzkrieg

Selenskyj reicht das alles nicht: Er verlangt von der NATO, dass sie eine Flugverbotszone über der Ukraine verhängt. So will er ein Stück Waffengleichheit zwischen der russischen und der ukrainischen Armee herstellen. Wenn die russischen Streitkräfte keine Bomben- und Hubschrauberangriffe mehr durchführen und keine Truppen durch die Luft transportieren könnten, wäre das eine große Hilfe für die ukrainischen Soldaten.

Aber das wird nicht passieren. Eine Flugverbotszone durchzusetzen, würde bedeuten, dass die NATO russische Flugzeuge abschießen müsste und damit zum unmittelbaren Kriegsteilnehmer würde. Derzeit erlauben die USA nicht einmal Aufklärungsflüge über ukrainischem Gebiet. Amerikanische und deutsche Spezialisten werten stattdessen Satellitenbilder aus und übermitteln sie an das ukrainische Millitär.

Und im Netz unterstützen westliche Cyberkrieger die Ukraine bei der Abwehr russischer Angriffe. Darüber, was dabei genau passiert, ist fast nichts bekannt, aber der Kampf im Netz scheint wenigstens unentschieden zu stehen – bisher ist es russischen Hackern nicht gelungen, die Infrastruktur der Ukraine nachhaltig zu beschädigen. Dafür greift die die russische Armee auf Bomben und Artilleriegranaten zurück.

(tw)

Titelbild: APA Picturedesk

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