Montag, Juli 22, 2024

Covid19: Trotz Millionen-Überschuss werden mehr Impfdosen geliefert

Covid19

Zwölf Millionen Impfdosen liegen derzeit ungenutzt in Österreichs Lagern, mehrere Hunderttausend Dosen davon sind bereits abgelaufen. Trotzdem werden weiterhin mehrere Millionen geliefert. 

14. April 2022 | Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern hat man hierzulande kein Problem, an eine Covid19-Impfung zu kommen. Doch während Österreichs Impfstofflager immer voller werden, geht die Impfbereitschaft stark zurück. Momentan lassen sich nur knapp 3.000 Menschen pro Tag impfen. Über 70 Prozent der Gesamtbevölkerung sind bereits mindestens einmal geimpft. Gelagerte Impfdosen im Millionenbereich bleiben daher ungenutzt, ein Teil ist bereits abgelaufen.

Nur die Hälfte aller gelieferten Dosen bisher verwendet

Öffentlich zugängliche Daten des Gesundheitsministeriums zeigen, dass bisher insgesamt rund 36 Millionen Impfdosen nach Österreich geliefert wurden. Nur 18,2 Millionen davon wurden auch tatsächlich verimpft. Zieht man die Impfstoffspenden und die über COVAX in andere Länder verteilten Dosen ab, liegen in Österreich momentan 12,4 Millionen Impfdosen ungenutzt auf Lager.

„Länder im globalen Norden horten Impfstoffe in Mengen, die gar nicht benutzt werden können, während Menschen im globalen Süden keinen Zugang haben“, so Marcus Bachmann von Ärzte ohne Grenzen Österreich. Das Problem hat laut Bachmann nicht erst mit dem Überschuss in Ländern wie Österreich angefangen, es sei von vornherein zu viel gekauft worden. Bereits im letzten Dezember warnte Ärzte ohne Grenzen vor einem enormen Impfdosenüberschuss in Österreich und dem damit einhergehenden Verfall bis Ende März 2022.

Was tun mit dem Restl-Impfstoff?

Die Impfstoffe sind derzeit nur neun Monate haltbar. Rund 300.000 Dosen Corona-Impfstoff sind bisher in Österreich über das Verfallsdatum hinaus abgelaufen, teilte das Gesundheitsministerium der APA auf Anfrage mit. Die abgelaufenen Dosen werden “nicht vernichtet, sondern produktgerecht verwahrt, da teilweise mit einer rückwirkenden Verlängerung der Haltbarkeit seitens der Europäischen Arzneimittelagentur zu rechnen ist.“

Die Frage, die sich außerdem stellt: Wie viele Impfdosen werden in Kürze ablaufen? Das Gesundheitsministerium ließ mehrere Presseanfragen von ZackZack dazu unbeantwortet. Auch auf die Frage, warum überhaupt so viel eingekauft wurde, bekam ZackZack keine Antwort. Selbst bei einer konsequenten Beachtung des “First in, first out”-Prinzips könnte es angesichts von Ablaufdaten schon sehr bald “eng” werden, warnte Bachmann.

Impfstoffspenden schwer gemacht

Was tun mit jenen Dosen, die noch nicht abgelaufen sind? Österreich sei weiterhin bereit, Impfstoffe an Drittstaaten zu spenden, heißt es vom Gesundheitsministerium. Jedoch zeige sich, dass der Bedarf in anderen Staaten in den vergangenen Monaten rückläufig war, während das Angebot an Spenden stieg.

Impfstoffspenden an ärmere Länder sind jedoch auch aus anderen Gründen nicht die Lösung für den Überschuss, so Bachmann. Diese Spenden seien für den globalen Süden „absurd aufwendig“. Denn wenn ärmere Länder Imfpstoffspenden erhalten – meist solche, kurz vor dem Ablaufen – fehle oft die nötige Infrastruktur, um diese vor Ort zu verimpfen oder entsprechend gekühlt zu lagern.

Hinzu kommt das Problem, dass bei manchen Impfstoffen wie Moderna nach wie vor die Zustimmung des Herstellers notwendig ist, wenn Käufer den Impfstoff weitergeben wollen. Moderna etwa habe sich ein Vetorecht vorbehalten. Damit einher gehe ein Haft- und Klagsrisiko, dass ärmere Länder nicht stemmen können, erklärt Bachmann. Er bezeichnet es als „Unding“, dass diese Länder die Impfspenden dadurch oft nicht annehmen können.

13 Millionen Impfdosen sollen noch kommen

In den nächsten eineinhalb Jahren werden weitere Millionen Dosen in Österreich erwartet. Die Dosen werden zwar jetzt langsamer aus dem EU-Kontigent abgerufen, sagt Bachmann, aber die Verträge seien längst unterschrieben. Das heißt, die Dosen werden geliefert und müssen auch abgenommen werden. Allein bis Ende 2022 werden laut Website des Gesundheitsministeriums insgesamt weitere 13 Millionen erwartet.

(sm)

Titelbild: APA Picturedesk

Autor

  • Stefanie Marek

    Redakteurin für Chronik und Leben. Kulturaffin und geschichtenverliebt. Spricht für ZackZack mit spannenden Menschen und berichtet am liebsten aus Gerichtssälen.

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