Mittwoch, Juni 19, 2024

Teuerungswahnsinn: Energiepreise um 42 Prozent gestiegen

Teuerungswahnsinn

Den Österreichern bleibt immer weniger im Geldbörsl. Im Vergleich zum Vorjahr zahlten die Menschen im März fast um die Hälfte mehr für Heizen und Strom. Der von der Regierung angekündigte Energie-Gutschein bringt für viele aber erst 2023 eine Entlastung.

Wien, 05. Mai 2022 | Mittlerweile spüren fast 90 Prozent aller Österreicher die nicht enden wollende Teuerung im Alltag. Das zeigt eine neue Umfrage des Vergleichsportals “Durchblicker”. Knapp 90 Prozent gaben in einer Umfrage in der ersten Aprilhälfte an, ihre Fixkosten seien gestiegen, praktisch alle rechnen im Verlauf des Jahres mit einem Anstieg.

Jeder achte Haushalt gab in der Umfrage an, die Fixkosten nicht mehr decken zu können. Dabei kommt zur Inflation noch dazu, dass 18 Prozent der Haushalte mit weniger Einkommen auskommen müssen, wegen Corona-Kurzarbeit oder einer Kündigung. Neun von zehn Befragten schränken ihre Ausgaben wegen der Inflation ein, 38 Prozent sogar sehr.

Energiekostenausgleich für viele erst 2023 spürbar

Seit einigen Tagen wird der bereits im Jänner angekündigt 150-Euro-Energie-Gutschein an Haushalte verschickt. Dieser soll den Menschen vor allem bei den immensen Energiepreis-Steigerungen – diese sind im Vergleich zum Vorjahr um über 42 Prozent gestiegen – unter die Arme greifen. Der Gutschein kommt jedoch nicht in Form einer sofortigen Auszahlung, sondern wird bei der Jahres- oder Schluss-Stromabrechnung gegengerechnet.  Das bedeutet für einen großen Teil der Bevölkerung: bitte warten. Denn wer die Strom-Jahresabrechnung zwischen Jänner und Mai hat, muss sich noch bis zu ein Jahr gedulden, bis man das Guthaben in Anspruch nehmen kann.

Dass ein Großteil bis 2023 warten muss, sei “unfassbar”, kritisiert SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch in einer Aussendung am Donnerstag. „Während die Menschen unter dem Rekord-Anstieg von 42 Prozent bei der Haushaltsenergie leiden, werden sie von der Regierung beim EnergieGutschein verhöhnt.” Statt sofort für Entlastung zu sorgen, würde die Bundesregierung die Bevölkerung “in einer Tour verarschen”. Anstatt eines “Bürokratiemonsters”, wie es der Energie-Gutschein sei, brauche es die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel und eine massive Entlastung bei den Energiekosten durch die befristete Streichung der Mehrwertsteuer auf Strom, Gas und Sprit, fordert Deutsch. Er spricht sich außerdem für die Senkung der Steuern auf Arbeit und für die Erhöhung der Pensionen aus.

FPÖ-Kritik an Kosten für Umsetzung

Die Gutscheine würden sich immer mehr zur Farce entwickeln, denn in erster Linie würden die Energieanbieter davon profitieren, kritisierte am Donnerstag die FPÖ. Die kassierten jeweils 10.000 Euro allein für die Schaffung der technischen Voraussetzungen, um die Gutscheine abrechnen zu können, zitierte Klubobmann-Stellvertreterin Dagmar Belakowitsch aus dem Ö1-“Morgenjournal” am Donnerstag. 150 Anbieter würden laut E-Control an der Abwicklung teilnehmen, hieß es darin, in Summe gehe es also um 1,5 Millionen Euro. Nicht bei allen Lieferanten deckt diese Pauschale die Kosten. Bei der Kärntner Kelag mit etwa 300.000 Kunden mache das nur die Hälfte aus, weil die technische Umsetzung 20.000 Euro kostete. Nicht eingerechnet seien die Kosten für ein externes Callcenter. Das habe man beauftragt für den Fall, dass die Kundenanfragen stark steigen.

Für die Stromlieferanten sieht das Energiekostenausgleichsgesetz zudem eine Aufwandsentschädigung vor. Für die ersten 10.000 verarbeiteten Gutscheine erhalten sie je 2,50 Euro, für alle weiteren je 1,50 Euro.

Rekordwert bei Preissteigerungen

“Preissteigerungen, wie wir sie im März bei den Treibstoff- und Heizölpreisen beobachten mussten, sind in diesem Ausmaß neu”, sagte Energieagentur-Geschäftsführer Franz Angerer.

Die Preise für Heizöl stiegen im März kräftig, angefeuert durch den Krieg Russlands in der Ukraine. Sie haben sich im Vergleich zu März 2021 mit einem Anstieg von 118,5 Prozent mehr als verdoppelt. Erdgas war im März um 73,1 Prozent teurer als im Jahr davor. Auch die Preise für Fernwärme und Strom stiegen an.

Sprit um die Hälfte teurer

Auch bei Sprit gingen die Preissteigerungen weiter. Diesel kostete um 55 Prozent mehr als im Jahr davor, Superbenzin um 45,3 Prozent. Im Vergleich zum heurigen Februar verteuerte sich Diesel um 23,8 Prozent und Super um 19,4 Prozent. Eine 50-Liter-Tankfüllung kostet bei Diesel um etwa 35 Euro mehr als im März 2021 und bei Superbenzin um rund 30 Euro mehr.

Teurer waren auch Pellets und Brennholz. Pellets kosteten um 17,3 Prozent mehr als im März vergangenen Jahres und um 1,6 Prozent mehr als heuer im Februar. Der Preis für Brennholz stieg im Jahresabstand um 12,6 Prozent, im Monatsvergleich um 1,9 Prozent.

Volksanwalt: Menschen mit Behinderung besonders betroffen

Volksanwalt Bernhard Achitz (SPÖ) warnt indes davor, dass die derzeitige Rekordinflation Menschen mit Behinderungen besonders hart treffe. Gewisse Sozialleistungen seien demnach schon seit Jahren nicht mehr erhöht worden. Auch unabhängig von der aktuellen Situation scheitere die Einbindung von Menschen mit Behinderung in Österreich an der öffentlichen Unterfinanzierung, meinte er in einer Aussendung. “Inklusion bedeutet, dass Menschen mit Behinderungen die gleichen Chancen auf ein möglichst selbstbestimmtes Leben bekommen wie alle anderen Menschen auch”, erinnert Achitz – alles andere sei Diskriminierung.

 (mst/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

Autor

  • Markus Steurer

    Hat eine Leidenschaft für Reportagen. Mit der Kamera ist er meistens dort, wo die spannendsten Geschichten geschrieben werden – draußen bei den Menschen.

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