Samstag, Juni 15, 2024

Nach Kriegs-Kritik: Sieben Jahre Straflager für Moskauer Politiker

Nach Kriegs-Kritik:

Weil er den russischen Angriffskrieg bei einer Vorstandssitzung als Krieg bezeichnete, muss ein Abgeordneter des Moskauer Bezirksparlaments in ein Straflager. 

Moskau, 08. Juli 2022 | Weil er Russlands Krieg gegen die Ukraine öffentlich kritisiert hat, ist ein Abgeordneter eines Moskauer Bezirksparlaments zu sieben Jahren Straflager verurteilt worden.

Die offizielle Begründung des Gerichts lautete, Alexej Gorinow habe “vorsätzlich falsche Informationen über den Einsatz der Streitkräfte der Russischen Föderation” verbreitet. Regierungsgegner kritisierten das Urteil als politisch motiviert und als Vorwand, um den kritisch auftretenden Juristen loszuwerden.

Bisher härteste Strafe nach neuem Gesetz

Der 60-jährigen Politiker wurde auf Grundlage eines recht neuen Gesetzes verurteilt, das angebliche “Fake News” über Russlands Armee unter Strafe stellt. Seit Russlands Überfall auf die Ukraine Ende Februar haben unter Berufung auf das umstrittene und gefürchtete Gesetz bereits mehrere Verfahren begonnen. Aber Gorinows Strafe ist mit Abstand die härteste, die bisher verhängt wurde.

Hintergrund der Ermittlungen gegen ihn ist eine Vorstandssitzung des Bezirksparlaments Mitte März, bei dem es um die Frage ging, ob es einen Zeichenwettbewerb für Kinder geben solle. Gorinow und eine mittlerweile ins Ausland geflüchtete Kollegin sprachen sich gegen solche Unterhaltungsangebote aus – mit Verweis auf das gegenwärtige Leid im Nachbarland Ukraine.

Sitzungsaufzeichnungen landeten im Netz

Gorinow sprach in der Diskussion damals von “Krieg” – und nicht wie offiziell vom Kreml vorgegeben von einer “militärischen Spezial-Operation”. Aufzeichnungen der Sitzung landeten später im Internet – und Gorinows Worte wurden somit vom Gericht als öffentlich verbreitet gewertet.

Entsetzen bei Oppositonellen

Russische Oppositionelle reagierten schockiert auf das Urteil. Die Sprecherin des inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny, Kira Jarmysch, schrieb auf Twitter: “Sieben Jahre Freiheitsentzug für Alexej Gorinow, der einfach nur den Krieg “Krieg” genannt hat – das ist wirklich entsetzlich.” Auch Nawalny sprach zuletzt immer wieder von Krieg und kritisierte das Blutvergießen in der Ukraine.

Titelbild: APA Picturedesk

Autor

  • Stefanie Marek

    Redakteurin für Chronik und Leben. Kulturaffin und geschichtenverliebt. Spricht für ZackZack mit spannenden Menschen und berichtet am liebsten aus Gerichtssälen.

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