Dienstag, Juni 25, 2024

Ausgerechnet: Preisbremse für die Mieten

Ausgerechnet:

Wer mietet, bekommt derzeit eine Mieterhöhung nach der anderen. Die Mieten ziehen den Löhnen davon. Andere Länder zeigen, wie man die Mietkosten bremsen kann – Österreich sollte nachziehen.

 

Alexander Huber

Wien, 05. November 2022 | Über 1,6 Millionen Haushalte in Österreich müssen derzeit zittern. Nicht wegen einsetzender Kälte, sondern vor dem Gang zum Briefkasten. Denn für Mieter:innen trudelt gerade eine saftige Mieterhöhung nach der anderen ein. Der Grund: Die meisten Mieten sind in Österreich an die Teuerung gekoppelt und die zieht gerade ordentlich in die Höhe.

Im Altbau sind die Richtwertmieten zwar reguliert, wachsen aber dennoch mit der Teuerung mit. Sie wurden heuer bereits um fast sechs Prozent angehoben, im nächsten Frühjahr dann um 8,5 Prozent. Noch bitterer ist die Lage für Mieter:innen im freien Mietsegment, wo der Mieterschutz kaum greift: Fast jeder Mietvertrag ist auch hier an die Inflation gekoppelt. Je nach Klausel gab es hier schon bis zu drei Mieterhöhungen in nur einem einzigen Jahr.

Mieterhöhungen verteilen um von jung zu alt, von arm zu reich

Auch die Löhne wachsen, aber wesentlich langsamer: Schon seit 2020 steigen die Mietkosten schneller als Löhne und Gehälter. Durch die akute Teuerung ziehen die Mieten ihnen jetzt davon. Wir müssen also einen immer größeren Teil unseres Einkommens in die Wohnkosten stecken. Das trifft vor allem Menschen aus der unteren Einkommenshälfte hart, sie wohnen öfter zur Miete. Die steigenden Mieten verteilen also ordentlich um: Von jung zu alt und vor allem von unten nach oben. Acht von zehn Euros der privaten Mieteinnahmen in Österreich fließen an das reichste Zehntel.

Wer eine Wohnung mietet, zahlt die Teuerung noch dazu doppelt: Erstens über die stark gestiegenen Energiekosten, die in der Wohnung anfallen. Genau diese Energiekosten treiben aber auch die Teuerung hoch und damit wiederum­ die Mieten. Mieter:innen werden also ein zweites Mal zur Kassa gebeten – während Vermieter:innen die volle Teuerung abgegolten bekommen. Zwar sind auch die Erhaltungskosten gestiegen. Über die letzten zehn bis fünfzehn Jahre kletterten die Kosten für Renovierung und Instandhaltung jedoch wesentlich langsamer in die Höhe als die Mieten.

Ein großer Teil der Teuerung kommt momentan von außen: Krieg in der Ukraine und Energiekrise. Die Mietsteigerungen sind aber ein nationales Problem. Die Kopplung der Mieten an die Teuerung ist ein Preistreiber, den wir uns selbst geschaffen haben. In „normalen“ Jahren fiel das nicht sonderlich auf, in der jetzigen Situation sind die Folgen jedoch verheerend. Im Gegensatz zu den Energiepreisen ist die Teuerung bei den Mieten hausgemacht und kann deshalb auch umso schneller eingedämmt werden. Länder mit demselben Problem machen es uns bereits vor: In Schottland wurden etwa alle Mieterhöhungen bis ins nächste Frühjahr ausgesetzt. Spanien und Portugal haben festgelegt, dass Mieten künftig nur noch einmal im Jahr steigen dürfen – und zwar um maximal zwei Prozent. Ebenso Frankreich, dort sind es maximal 3,5 Prozent. Auch hierzulande sollten wir die Mieten dringend bremsen.

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Alexander W. Huber ist Experte für Inflation und Sozialstaat am Momentum Institut. Er beschäftigt sich mit sozialen und räumlichen Ungleichheiten, Steuerthemen und den Kosten des täglichen Lebens. Studiert hat er Volkswirtschaft an der WU Wien.

Titelbild: ZackZack / Miriam Mone

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