Dienstag, März 5, 2024

»Vernichtendes« Wirtschaftszeugnis für Österreich

Das aktuelle Wettbewerbs-Radar des Wifo ist drastisch: Durch die Bank ist die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft zurückgegangen. Die Opposition sieht ein “vernichtendes Zeugnis” für die Regierung.

Wien, 28. Dezember 2022 | Die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft ist signifikant gesunken, geht aus dem aktuellen Wettbewerbs-Radar des Wifo hervor. Österreich fiel im Durchschnitt über alle Indikatoren um 4,3 Prozentpunkte zurück. “Damit schnitt Österreich zwar gleich gut oder besser ab als über 60 Prozent der europäischen Vergleichsländer, fiel jedoch weiter hinter das obere Drittel zurück”, so die Wirtschaftsforscher. Besonders schlecht steht Österreich bei Vollzeitjobs da.

Minus bei realem Einkommen, Produktivität und Verteilung

In den Bereichen “Arbeitsmarkt und soziale Lebensverhältnisse” sowie “Einsatz natürlicher Ressourcen” liege Österreich im europäischen Mittelfeld. Bei den realen Einkommen, der Produktivität und der regionalen Verteilung habe das Land deutlich an Boden verloren. Und im Vergleich zum Vorjahr fiel Österreich auch bei der CO2-Intensität etwas zurück, warnt das Wifo. Die Zahlen für den Wettbewerbs-Radar stammen aus den Jahren 2019 bis 2021, wobei der Großteil der Indikatoren dem Vorjahr zuzurechnen ist.

Und die Forscher haben weitere schlechte Nachrichten: Die Tourismusexporte hätten empfindlich unter den Covid-19- Lockdowns gelitten, sodass sich der Weltmarktanteil Österreichs deutlich verringerte. Und auch im Außenhandel zählte Österreich nicht zum oberen Drittel. Noch am besten schneide es bei den Pro-Kopf-Einkommen und deren regionaler Verteilung ab.

“Im langfristigen Vergleich deutlich zurückgefallen”

Bei der Arbeitslosenquote und der Beschäftigungsquote liegt Österreich im europäischen Durchschnitt und deutlich hinter dem Spitzenfeld, schreiben die Ökonomen in dem heute veröffentlichen “Radar der Wettbewerbsfähigkeit”. Die Beschäftigungsquote stagnierte demnach 2021 auf dem Niveau des Vorjahres. “Im europäischen Vergleich erreichte Österreich 2021 bei der Arbeitslosenquote nur noch den 15. Rang und bei der Beschäftigungsquote den 13. Rang. Dies impliziert in beiden Fällen eine erneute leichte Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr. Im langfristigen Vergleich ist Österreich deutlich zurückgefallen”, so das Wifo und ergänzt: “Trotz eines starken Wirtschaftswachstums nach der Covid-19-Krise gelang Österreich bei diesen Indikatoren somit keine Trendumkehr wie in anderen europäischen Ländern.”

Gemessen an der Beschäftigungsquote liegt Österreich nur an 23. Stelle von 30 Vergleichsländern. “In den vergangenen zehn Jahren ergab sich bei diesem Indikator ein erheblicher Positionsverlust. Österreichs Beschäftigungsquote in Vollzeitäquivalenten stagniert seit über 20 Jahren, während die Vollzeitbeschäftigung in den meisten anderen europäischen Ländern stetig zugenommen hat”, schreiben die Ökonomen der Arbeitsmarktpolitik ins Stammbuch.

12. bei Einkommensverteilung von 29

Der Indikator zum Gender-Gap der Beschäftigungsquote der 25- bis 44-Jährigen (in Vollzeitäquivalenten) spiegle für Österreich einen ausgeprägten Unterschied zwischen dem Erwerbsverhalten der Männer und Frauen wider. Dazu das Wifo unmissverständlich: “Österreich verlor bei der Armutsgefährdung und der Einkommensverteilung zuletzt deutlich an Boden. Insbesondere die Armutsgefährdungsquote war 2021 merklich höher als im Vorjahr.” Der Indikator der Einkommensverteilung ergebe für Österreich den 12. Rang unter 29 Vergleichsländern.

Keine guten Nachrichten gibt es auch für den Klimaschutz. “Dem Ziel einer langfristigen Reduktion der Energieintensität kam im Jahr 2020 nur eine Minderheit der Vergleichsländer näher. In 13 Ländern blieb die Energieintensität gleich, in elf Ländern – darunter Österreich – nahm der Energieeinsatz je BIP-Einheit sogar leicht zu.”

Das Maß der CO2-Intensität verschlechterte sich in Österreich. Das Land zähle zwar nach wie vor zum oberen Drittel der Vergleichsländer, sei jedoch im Zehnjahresvergleich deutlich zurückgefallen.

Opposition: Vernichtendes Zeugnis

Die massive Kritik des Rechnungshofes hat auch die Opposition auf den Plan gerufen. SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter spricht von einem “vernichtenden Zeugnis der Wirtschaftspolitik der türkis-grünen Regierung” und meinte: “In den Jahren, in denen die ÖVP den Kanzler stellt, hat Österreich gegenüber anderen europäischen Ländern massiv an Boden verloren.” Es drohe jetzt ein weiterer Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, wenn Österreichs Betriebe angesichts der hohen Gaskosten mit der deutschen Wirtschaft und der deutschen Gaspreisbremse konkurrieren müssten.

FPÖ-Wirtschaftssprecher Erwin Angerer warnte heute davor, dass 2023 ein “wirtschaftliches Katastrophenjahr” wird – bezieht sich dabei aber primär auf den von Russland angedrohten Verkaufsstopp für Öl. “Während EU-Staaten wie Ungarn, Tschechien und die Slowakei die Ausnahmeregelung auf unbefristete Zeit in Anspruch genommen haben, verfolgt aber die schwarz-grüne Regierung weiterhin ihre bevölkerungs- und wirtschaftsfeindliche Linie im Sinne der EU-Hörigkeit”, findet Angerer.

(bf/apa)

Titelbild: EVA MANHART / APA / picturedesk.com

Benedikt Faast
Benedikt Faast
Redakteur für Innenpolitik. Verfolgt so gut wie jedes Interview in der österreichischen Politlandschaft.
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14 Kommentare

  1. Bereits als ein Herr Kurz “Koste es, was es wolle” ankündigte und deine Black Box installierte, um seine Spetzln bestenbs bedienen zu können, wusste man Bescheid. Sofort wurden auch tausende Tonnen Masken und Tests bestellt, alleine das unnötige Testen kostete uns über 4 Milliarden Euro. Dass es völlig unnötig war, ist anhand anderer Länder bewiesen, die letzlich gleich gut oder besser durch die angebliche Krise kamen und nur 1/10 der Tests kauften. Dann kamen die Impfungen samt Infrastruktur und Personal, alles musste für die Impfwilligen gratis sein. Nun werden ständig Füllhörner voll Geld über alle möglichen Bereiche ausgeschüttet. Treffsicherheit egal, Hauptsache, es wird schnell verpulvert. Anscheinend ist geplant, unser Land in den Bankrott zu fahren, dann können sich Blackrock und Konsorten unser Wasser und unsere Natur- und Kulturschätze zum Schnäppchenpreis unter den Nagel reißen.

  2. Und die Männer müssen 50 Jahre arbeiten wenn sie wie die meisten damals mit 15 Jahren zum Arbeiten begonnen haben. Und falls sie vorher mit 62 in Pension gehen haben sie Pensions Abschläge von ca 480€ netto per Monat bis an ihr Lebensende. Eine widerliche Ungerechtigkeit das alles!

  3. In meinem Land haben österreichische Unternehmen von Beihilfen profitiert und große Gewinne erzielt. Ich bin sicher, dass einige von ihnen aufgrund der wachsenden Antipathie zugrunde gehen werden, die dem „Veto“ Ihrer falschen und visionslosen Regierung folgte.

    • Wäre an der Zeit der österreichischen Holzmafia das Handwerk zu legen und die illegalen Abholzungen zu stoppen.

  4. Ich bin mir sehr sicher, dass die Ankündigung von Frau Edtstadler die österr. Wirtschaft noch sehr stark ankurbeln wird? – Reform der politischen Weisung bei gleichzeitiger Stärkung der Beschludigtenrechte!

    Dagegen halten wird nur beispielsweise der Wettbewerber Deutschland.
    Dort waren für heuer 6,5 Milliarden Minus in der Pension prognostiziert und nun wird es ein Überschuss von 2 Milliarden?
    Die zahlreichen Coronatoten sollen hier eine wesentliche Rolle gespielt haben…

    Hoffentlich gibt es nun keine Abwanderung von österr Arbeitskräften nach Deutschland und keinen Stopp der deutschen Gastarbeiter in Österreich?

    • Man muss sich das einmal vorstellen:
      Das wäre dann ein Unterschied zwischen Deutschland und Österreich nur was die Pensionszahlungsentwicklung betrifft nur von einem nominalen Betrag von bereits EURO 8,7 Milliarden.
      Wenn man aber weiß, dass das Verhältnis zwischen Deutschland und Österreich ca. 1:10 ist, dann wären das pro Jahr 87 Milliarden. Dazu kommt noch, dass es bei Deutschland ein Überschuss ist, also Investitionserlöse hinzukommen und bei Österreich ein Verlust und damit noch Finanzierungskosten.

      Der Wettbewerbsunterschied zwischen Österreich und Deutschland ist also allein was diesen Gesichtspunkt anbelangt, bereits kaum noch vorstellbar…

    • In Deutschland gibts bekanntlich weniger wie 50% Pension, im Vergleich zum letzten Nettoeinkommen, der Sinn der RV ist sicher nicht einen Überschuß zu generieren. Ebenso wenig wie ein Staat nach BWL Regeln mit einer Schuldenbremse zu wirschaften hat, dann kann er nämlich seinen elementaren Aufgaben nicht mehr nachkommen.

  5. Sag ich ja immer, wirtschaftsnahe oder besser wirtschaftshörig hat mit wirtschaftskompetent nix zu tun.

  6. https://www.derstandard.at/story/2000142120284/wirtschaftsjahr-2023-was-fix-kommt-und-was-noch-offen-ist

    In Ermangelung eines Artikels, der es thematisiert, poste ich das hier.

    Ab 1.1. 2023 gilt Atomkraft in der EU als “grün”. Somit dürfen sich dann Investoren herzlich eingeladen fühlen, nach den Sternen… äh…. Reaktoren zu greifen und auch Mittel für ihren Bau (!) frei zu machen.

    By the way… Das ist eines der größeren Verbrechen unserer Zeit….

    Wollts nur erwähnt haben. Weiß eh, dass 99% der Leut alles, aber auch wirklich alles wurscht ist. Ob wir damit gut fahren?

    Wird sich weisen. Bis jetzt sieht es nicht so aus.

    • Kleine Ergänzung: Im Lichte dieser Gesetzesneuerung, die erstaunlich beiläufig vonstatten geht, ließe sich übrigens auch Einiges an Unerklärlichem in der europäischen und insbesondere österreichischen Energiepolitik…. plötzlich durchaus verstehen!

      Je mehr die Bevölkerung an den Folgen einer verheerenden Energiepolitik zu leiden hat, desto eher kann man ihr die Wuchtl von der “dringenden Notwendigkeit Atomenergie als grün zu deklarieren” reindrücken!

    • Das ist sicher nicht der richtige Schritt, nur eines ist auch sicher, bis ein neue AKW gebaut sein wird werden 20+ Jahre ins Land ziehen und bis dahin haben wir hoffentlich genug Speichermöglichkeiten für wirklich grüne Energie entwickelt und können auf diesen Sandmann der günstigen Energie verzichten.

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