Sonntag, April 21, 2024

Journalist infiltrierte Partei mit Fake-Namen – Beurlaubt 

Skurrile Geschichte aus dem Nachbarland: Ein „Handelsblatt“-Journalist engagierte sich bei der Berliner SPD und polterte unter falschem Namen gegen die Bürgermeisterin. Das hat jetzt Konsequenzen. 

Berlin | Ein „Wutbürger“, der öffentlich gegen seine Parteivorsitzende poltert? Das ist wohl keine Besonderheit. Doch wenn es sich um einen Journalisten handelt, der das unter Fake-Namen betreibt, wird es interessant. Einem „Tagesspiegel“-Artikel zufolge engagierte sich „Handelsblatt“-Journalist Mathias Brüggmann, immerhin internationaler Korrespondent, jahrelang undercover bei der SPD Berlin im Bezirk Pankow. 

In den Reihen der Berliner Roten soll er regelmäßig seine Unzufriedenheit über Noch-Bürgermeisterin und Landesparteivorsitzende Franziska Giffey geäußert haben. Zuletzt im Rahmen einer Bezirksverordnetenversammlung, bei welcher die Koalitionsfrage mit der bei der jüngsten Wahl erfolgreichen CDU auf der Agenda stand. Brüggmann habe nach einer Rede Giffeys zu einem 20-minütigen Wut-Vortrag angesetzt. Seiner Ansicht nach habe sich die Regierende Bürgermeisterin von Berlin den Konservativen „um den Hals“ geworfen, sie führe die Partei in den Abgrund.

Wenig Kreativität bei Pseudonym

Brüggmann tat all dies ohne Wissen seines Arbeitgebers, dem „Handelsblatt“. Brisant: Der SPD soll er sich in Berichten der Zeitung gewidmet haben. Gleichzeitig trat er bei Parteiveranstaltungen auf – nicht als Mathias Brüggmann, sondern als Matthias Brückmann. Im Zuge einer Abstimmung über Ex-Bürgermeister Michael Müller im Jahr 2016 soll er sogar versucht haben, mit einem angeklebten Bart unerkannt zu bleiben. Warum Brüggmann ein nur leicht verändertes Pseudonym zu seinem echten Namen wählte, ist nicht überliefert.

Der „Handelsblatt“-Chefredaktion sei das politische Amt Brüggmanns – er war in der Vergangenheit immerhin Vorsitzender einer Bezirksabteilung – nicht bekannt gewesen. Bis zur lückenlosen Aufklärung des Vorfalls habe man den Journalisten beurlaubt. Nun würden Brüggmanns Texte dahingehend untersucht, ob das gewissermaßen „trojanische Pferd“ der SPD Berlin Pankow dem Anspruch der journalistischen Unabhängigkeit gerecht geworden sei. Die Partei schweigt laut „Tagesspiegel“-Artikel offiziell zur Causa. 

Titelbild: Pixabay

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1 Kommentar

  1. Unterwanderung. Die Grundfrage bleibt offen: Handelte er aus persönlichem Motiv oder als Teil einer Organisation? Im ersten Fall ist es skurril, im zweiten Fall ist es ein Skandal unerhörten Ausmaßes.

    Dass es ausgerechnet ein Journalist ist, der dies unter falschem Namen tut, ist erbärmlich. Das war ja keine undercover Recherche. Dass er eine Parteifunkion mt falschem Namen innehaben kann, er also gar nicht überprüft wurde, wirft ein Schlaglicht auf die SPD: Die Scheunentore für Unterwanderung stehen offenbar offen. Wir haben keine Garantie, dass Unterwandertsein nicht auch in anderen Parteien schon Wirklichkeit ist. Wer regiert uns?

    Wir sind eine offene Gesellschaft, wir wollen es sein. Aber wer immer offen ist, ist nicht ganz dicht. Dass antidemokratische Regime unsere grundsätzlich gewünschte Offenheit nun dermaßen ausnutzen und dies können, muss zu einem Umdenken in den Institutionen führen.

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