Samstag, Juli 20, 2024

COFAG im Rotlicht : Millionenhilfe für Bordelle

Die COFAG des Finanzministers hat Bordellunternehmen mehr als 16 Millionen Euro COVID-Hilfsgelder überwiesen. Damit gehören Laufhäuser und Peepshows zu den bestgeförderten Branchen der österreichischen Wirtschaft. Mit den Millionen wollte die COFAG eine „beträchtliche Störung im Wirtschaftsleben“ Österreichs verhindern.

„Koste es, was es wolle!“ Mit diesem Satz eröffnete Sebastian Kurz als Bundeskanzler am 18. März 2020 den COVID-Geldregen. Die Regierung versprach, den Corona-Hilfsstopf nicht mit vier, sondern mit 38 Milliarden Euro zu füllen.

Das Geld sollte nicht direkt vom Finanzministerium, sondern von einer privaten Firma ohne ständige öffentliche Kontrolle verteilt werden. Dazu wurde die COFAG eingerichtet. Ihre Spitze wurde politisch besetzt. Drei Jahre und einen Rechnungshofbericht später weiß man: Die COFAG hat mit beiden Händen mit den Milliarden um sich geworfen.

Eine Gruppe scheint sich besonderer Gunst erfreut zu haben: die österreichischen Bordellbetreiber. 38 Puff-Unternehmen kassierten von 2020 bis 2022 Förderungen von mehr als 16 Millionen Euro von der COFAG. 16.619.409,80 Euro flossen als „Fixkostenzuschüsse“ und „Umsatzersatz“ in Laufhäuser und Peepshows. Zumindest im Rotlicht-Milieu erwies sich Bundeskanzler Kurz als Prophet: Es kostete, was die Bordellbesitzer wollten.

Die COFAG-Millionäre

Nummer eins unter den Rotlicht-Millionären der COFAG ist die „GoldenTime“-Gruppe. Für das Bordell „Golden Time“ in Wien-Simmering wurde die „Pokatio GmbH“ mit 1.816.582,82 Euro gefördert. Für den Schwesterbetrieb in Linz-Leonding kassierte die „Poema GmbH“ 754.789,36 Euro von der COFAG. Zusätzlich übernahm die Raiffeisen- und Kontrollbank-Tochter „Österreichische Hotel- und Tourismusbank“ im Juni 2020 eine Bürgschaft über 500.000 Euro. Für das Laufhaus „Napoleonhof“ in Haid bei Linz bekam die „Ponar GmbH“ weitere 182.220,75 Euro von der COFAG.

Quelle: Beihilfe-Transparenzdatenbank der EU

Der zweite COFAG-Millionär betreibt seine Etablissements in Innsbruck und Hallein. Für das Innsbrucker Bordell „Lady O“ und für „Casa Bianca“ in Innbruck und Hallein kassierte die „Campus Betriebs GmbH“ von der COFAG 1.655.383,74 Euro. Damit konnte auch weiter gesichert werden, dass „jeder Gast garantiert das Mädchen seiner Träume findet!“ Im Gegensatz zu den Beihilfen, die in der EU-Transparenzdatenbank gespeichert sind, gilt für die Bordell-Kunden: „Auf Anonymität, Diskretion und Sauberkeit wird besonderen Wert gelegt – ganz im Stil der Geschichte Lady-O`.“

“Betörende Sinnesfreuden”

Millionär Nummer drei empfängt Kunden und Förderungen in der Wiener Innenstadt, am Salzburger Walserberg und in einem Schloss „hoch über dem Wörthersee“. „Babylon“ präsentiert sich als „eine der feinsten Adressen für betörende Sinnesfreuden in Salzburg und in ganz Europa“ und empfiehlt seinen Kunden: „Lassen Sie sich verwöhnen und tauchen Sie ein in ein Reich atemberaubender Fantasien“.

Bild: Babylon Nachtclub in Wien, Quelle: ZackZack

Für ihre „Babylon“-Edelbordelle wurde die „O.P.M. Gaststätten-Betriebs GmbH“ von der COFAG mit 1.211.032,01 Euro verwöhnt. Dazu kommen noch 909.167,17 Euro für die „Tivoli Veranstaltungs GmbH“, die Eigentümerin von „Babylon Salzburg“.

„… raubt dir den Verstand!“

In anderen Bordellen geht es um schnelle Geschäftsabwicklung: „Das LAUFHAUS ROMA SALZBURG mit seinem einzigartigen Flair bietet richtigen Männern die Möglichkeit, erotische Fantasien schnell und diskret in exklusiven Separees wahr werden zu lassen.“ Dafür kassierte die „Event Gastro Roma KG” von der COFAG 145.704,67 Euro.

Der „Fun Palast“ in Wien-Inzersdorf lockt mit Specials wie dem „Quattro-Paket“ mit „4x Girls, 1x Torte 1x Flasche Wodka und 2 Beigetränke“. Der COFAG war das 971.919,11 Euro für die „HHS Freizeit- und Sportbetriebsgesellschaft m.b.H.“ wert.

Die „Chalet Laufhaus-Bar“ in Linz verspricht: „Die schönsten Mädchen der Stadt & erstklassige Hygiene!“ Bei den „Sexpuppen Blondi, Gigi und Rotkäppchen“ steht als Vermerk: „ist derzeit im Haus“. Für den Erhalt dieses Angebots erhielt dieSJ Consulting GmbH“ von der COFAG 457.605,45 Euro.

Das „Collosseum im Herzen von Graz“ wirbt: Sexy Partymaus raubt dir den Verstand!“ Alternativen bieten ein „dauergeiles Luder“ und ein „junges hemmungsloses Girl“. Die COFAG förderte die „HS Holding GmbH“ dafür mit 712.700,96 Euro.

Table Dancing beim GTI-Treffen

Das Angebot der „BB-Event KG“ unterscheidet sich deutlich von „normalen“ Bordellen: „Wir bieten Ihnen bei unseren jährlichen Events, dem GTI-Treffen am Wörthersee in Reifnitz und dem Harley Treffen am Faaker See, eine Tabledance-Show der Extraklasse.“ Die Darbietungen erreichen Golf GTI-Niveau: „Die TänzerInnen verstehen es Erotik, Verführung, Variete und Akrobatik miteinander zu verbinden.“ Der COFAG war diese Verbindung 107.308,32 Euro wert.

Das Siebenfache

Der Rechnungshof dokumentiert: Bis zum Stichtag am 30. Juni 2021 hatte die COFAG im Schnitt 34.600 Euro pro Unternehmen überwiesen. Aber für Bordell-Unternehmen galten offensichtlich andere Regeln: Der durchschnittliche Bordellbesitzer kassierte von der COFAG bis Ende Juni 2021, dem Stichtag des Rechnungshofs, 261.190,16 Euro – und damit mehr als das Siebenfache der „normalen“ Unternehmensförderung.

Über die gesamte Laufzeit der COFAG-Förderungen erhielt der durchschnittliche Laufhaus-Unternehmer 426.138,71 – eine knappe halbe Million. Dafür erhielt mehr als die Hälfte der österreichischen Unternehmen bis Ende Juni 2021 überhaupt nur durchschnittlich 6.800 Euro – etwas mehr als ein Vierzigstel der durchschnittlichen Förderungen im Rotlicht-Milieu.

Ein Prozent der „normalen“ Unternehmer erhielt von der COFAG bis zum Stichtag mehr als eine halbe Million Euro. Bei den Bordell-Unternehmern schafften es 15,4 Prozent über die 500.000 Euro-Grenze an die Förderspitze.

Beträchtliche Störung des Wirtschaftslebens

Wie begründet die COFAG ihre Bordell-Millionen? In wenigen Fällen lautet die Rechtfertigung „Ausgleich für Schäden aufgrund von Naturkatastrophen oder sonstigen außergewöhnlichen Ereignissen“. Fast immer steht in der Spalte „Ziel der Beihilfe“: „Behebung einer beträchtlichen Störung im Wirtschaftsleben eines Mitgliedsstaats“.

Aber wie wäre Österreichs Wirtschaftsleben „beträchtlich gestört” worden, wenn „Babylon“, Laufhaus „Roma“ und die Tischtänzerinnen am Wörthersee nicht mit Millionen Steuergeldern gefördert worden wären? Das fragte ZackZack die COFAG – und den verantwortlichen Finanzminister Markus Brunner.

“Stichprobenweise umfassende Prüfung”

In ihrer Antwort betont die COFAG, dass sie sorgfältig geprüft habe: „Auch völlig unauffällige Anträge wurden stichprobenweise einer umfassenden Prüfung unterzogen.“ Auf die Frage nach den außergewöhnlich hohen Durchschnittsförderungen für Bordelle antwortet die COFAG: „Bei Branchen mit im Durchschnitt großen und umsatzstarken Betrieben, bekommen daher im Branchendurchschnitt höhere Förderbeträge als umsatzschwächere Branchen mit in der Regel kleinen Betrieben.“

Aber auch von der COFAG kommt keine Erklärung, warum Bordelle mit dem Siebenfachen der durchschnittlichen österreichischen Unternehmen gefördert werden.

Auf die Frage nach den hohen Förderungen für Bordelle antwortet das Finanzministerium ausweichend: Für die Beantragung der Hilfen gab es jeweils geregelte Voraussetzungen. So war die Voraussetzung für einen Ausfallsbonus III beispielsweise, dass ein Unternehmen einen Umsatzausfall von mindestens 40 % aufwies.“

Offensichtlich kann das Finanzministerium die Frage nach dem Grund für die Bordell-Millionen der COFAG nicht beantworten – oder es will nicht.

Doch einige der Antworten haben Hinweise auf mögliche Unregelmäßigkeiten ergeben. Darüber demnächst mehr in Teil 2 der „COFUCK“-Serie in ZackZack.

Titelbild: Daniel Pilz /ZackZack

Autor

  • Peter Pilz

    Peter Pilz ist Herausgeber von ZackZack.

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