Dienstag, Juli 23, 2024

Fellner: “Zusammenarbeit” mit Erdogan-Botschafter

“ÖSTERREICH“-Chef Niki Fellner traf den türkischen Botschafter zu einem „freundlichen Austausch“. Ist “ÖSTERREICH“ nach “Exxpress“ das nächste Medium, das auf Kuschelkurs mit autoritären Regimen geht?

„Ihre Fragen bezüglich des Treffens ergeben keinen Sinn.“ So reagierte Ozan Ceyhun als türkischer Botschafter in Wien auf eine ZackZack- Anfrage. Am 14. November 2023 war „Österreich“-Geschäftsführer Niki Fellner beim türkischen Botschafter zu Gast. Grund des Treffens war laut Ceyhun eine „freundliche Unterhaltung“ über die „Möglichkeiten der Zusammenarbeit“.

Quelle: Screenshot X, 14.11.2023

ZackZack wollte von Fellner und Ceyhun mehr über die Hintergründe des Treffens und die mögliche Zusammenarbeit erfahren. Beide weigerten sich, die ZackZack-Fragen zu beantworten:

  • auf wessen Initiative das Treffen zurückging;
  • welche Art der Zusammenarbeit geplant sei;
  • wieviel Erdogans Vertreter diese Zusammenarbeit wert sei;
  • und ob die Schaltung von Inseraten seitens türkischer Unternehmen vereinbart worden sei.

Zusammenarbeit mit Erdogan und Putin

Damit gesellt sich “ÖSTERREICH“,was die diplomatischen Kontakte anbelangt, in die Gesellschaft von Exxpress-Chefredakteur Richard Schmitt. Dieser hatte Ende Mai 2023 den russischen Botschafter Dmitri Ljubinski „interviewt“, wobei er keine kritischen Fragen stellte. Vielmehr konnte Ljubinski den Auftritt unwidersprochen für russische Kriegspropaganda nutzen.

Quelle: Screenshot X, 31.05.2023

In der Blattlinie von oe24.at heißt es: „oe24 ist unabhängig, kritisch, modern und ausschließlich ihren Lesern verpflichtet. In ihrer grundlegenden Richtung bekennt sich oe24 zur demokratischen Republik Österreich und ihren Prinzipien“. Und weiter: „Daher tritt oe24 insbesondere dafür ein, die parlamentarische Demokratie und den Rechtsstaat zu bewahren…. oe24 ist für Toleranz gegenüber allen ethnischen und religiösen Gruppen, lehnt politischen Extremismus und Totalitarismus ab.“

Unklar ist, ob sich der türkische Botschafter und Fellner auch über die Blattlinie ausgetauscht haben. Denn diese scheint mit der Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht vereinbar.

Strauchelndes „ÖSTERREICH“

Die Mediengruppe Österreich GmbH kämpft seit einigen Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten. Bei der Übernahme des Unternehmens durch Niki Fellner als neuem Geschäftsführer im Jahr 2022 kam es übereinstimmenden Medienberichten zufolge zu einem mit Banken vereinbarten Schuldenschnitt, da sich die Verbindlichkeiten der Mediengruppe Österreich auf knapp 100 Millionen Euro beliefen. Genaue Zahlen sind aufgrund des unübersichtlichen Firmengeflechts der Fellners schwer nachzuvollziehen. Bis September 2023 waren die Fellners bei zentralen Firmen ihrer Mediengruppe nur noch gemeinsam mit dem Sanierer und Unternehmensberater Andreas Pres zeichnungsberechtigt. Dieser wurde mittlerweile abberufen.

Ende 2021 musste „ÖSTERREICH“ dutzende Mitarbeiter entlassen, 2022 folgte der Verkauf von Wolfgang Fellners Luxusvilla am Mondsee.

Auf der Suche nach neuen Geldern könnten daher auch Partner in der Türkei eine wichtige Rolle spielen.

Titelbild: Screenshot X, ADEM ALTAN / AFP / picturedesk.com, Montage ZackZack

Autor

  • Daniel Pilz

    Taucht gerne in komplexere Themengebiete ein und ist trotz Philosophiestudiums nicht im Elfenbeinturm stecken geblieben.

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