Samstag, Mai 18, 2024

Hongkong brennt – Gewalt bei Protesten eskaliert

Gewalt bei Protesten eskaliert

In den letzten Tagen spitzte sich die Situation in der Millionenmetropole zu: Hongkong ist zum Schlachtfeld geworden. In der Nacht auf Montag kam es zur totalen Eskalation zwischen Polizei und Demonstranten. Bilder von blutüberströmten Menschen vor Flammen-Infernos kursieren um die Welt. Die Polizei geht mit Tränengas und Gummigeschoßen gegen die Demonstranten vor, während Demonstranten zu selbstgebauten Benzinbomben und Pfeil und Bogen greifen.

Wien, 18. November 2019 / ZackZack.at hat in der Serie „Was ist da eigentlich los?“ bereits über die Hintergründe der Proteste und Ausschreitungen in Hongkong berichtet. Seit Monaten protestiert das Volk der semi-autonomen Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China gegen ein von Peking kontrolliertes Honkong und für seine Bürgerrechte: Die Proteste richten sich gegen die Regierung, gegen harsches Vorgehen der Polizei sowie den wachsenden Einfluss der kommunistischen Pekinger Führung.

„Wir sind bereit, zu sterben!“

Hongkong ist dieser Tage ein einziges Schlachtfeld. Straßenbarrikaden gehen in Flammen auf, die Megacity ist durchzogen von den Rauchschwaden der Brände. Tränengas der Polizei ist überall zu sehen, das Geschrei Verletzter und wütendes Gebrüll der Demonstranten prägen die Stadt. Studenten der Technischen Universität Hongkong haben das Universitätsgebäude verbarrikadiert. Sie legten Feuer, um die Polizei beim Eindringen in die Uni zu hindern. Gleichzeitig werden Demonstranten, die aus der Universität fliehen wollen, von der Polizei mit Gummigeschoßen und Tränengas zurückgedrängt oder brutalst verhaftet. Die Studenten verteidigen sich mit selbstgebauten Waffen und Brandsätzen gegen die Polizei – sie sind bereit, für ein freies Hongkong zu sterben.

Paul Ronzheimer, Reporter der deutschen BILD-Zeitung, twittert schockierende Bilder aus Hongkong. Bild: Screenshot Twitter

Anführer appelliert an die Welt

„Dear world, please speak up to prevent a #Tiananmen2019.“ – Der Anführer der Proteste, Joshua Wong, wendet sich via Twitter an die Welt: Bitte sagt etwas, um Tiananmen 2019 zu verhindern. Das Tiananmen-Massaker in Peking war die gewaltsame Niederschlagung einer Protestbewegung durch das chinesische Militär, bei der tausende Anhänger der studentischen Demokratiebewegung ums Leben kamen. Hongkong zittert um seine demokratischen Grundwerte. Das chinesische Militär ist bereits auf den Straßen Hongkongs unterwegs: Vorerst nur zu Aufräumarbeiten. Die bedrohliche Geste wird von der Opposition scharf kritisiert – doch wirklich etwas tun kann dagegen scheinbar niemand.

Joshua Wong bittet die Welt, einzuschreiten. Auf dem retweeteten Video ist zu sehen, wie ein verletzter Demonstrant abtransportiert wird. Bild: Screenshot Twitter.

Hungernde, verletzte Studenten

Schwarz vermummte Aktivisten bauten neue Barrikaden und warfen Steine auf Autos, wie es in Medienberichten hieß. In der Nacht haben Tausende an verschiedenen Orten in Hongkong protestiert, um die Polizei weg von der Universität zu locken. Joshua Wong, der Anführer der Proteste, twittert:

„Wird die Welt einem Blutbad zuschauen oder das skrupellose Regime stoppen?“

Für die Demonstranten ist es fast unmöglich, unverletzt und unverhaftet die Universität zu verlassen. Sie hoffen indes auf wachsende Verstärkung von außen, sodass eine Verteidigung gegen die Polizei weiterhin möglich ist. Die Situation an der Uni ist äußerst prekär: Die Demonstranten haben weder Zugang zu Essen, noch zu Medikamenten – sie stehen den Polizeikugeln mit bloßen Händen gegenüber, tweetet Joshua Wong:

Joshua Wong tweetet über die Geschehnisse auf der Technischen Universität Hongkong. In seinem Video schildert eine vermummte Studentin die Situation an der Uni: Verletzte, hungernde Studenten stehen den Geschoßen der Hongkonger Polizei mit bloßen Händen gegenüber. Bild: Screenshot Twitter

Höchstgericht bezieht Stellung: Vermummungsverbot verfassungswidrig

Angesichts der Massenproteste hatte Hongkongs Regierung Anfang Oktober auf ein Notstandsgesetz aus der britischen Kolonialzeit zurückgegriffen und ein Vermummungsverbot verhängt. Das Oberste Gericht in Hongkong bezieht mit einem Urteil Stellung und positioniert sich klar für Bürgerrechte: Das Vermummungsverbot wurde als verfassungswidrig verurteilt. Ein starkes Zeichen der Hongkonger Judikative.
(lb)
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