Traiskirchen unter Quarantäne

Droht die nächste Masseninfizierung?

Die Behörden haben die Situation in den Flüchtlingsunterkünften bisher außen vor gelassen. Nun gibt es nach der Unterkunft in Salzburg auch im Aufnahmezentrum Traiskirchen die ersten zwei Coronainfizierten. Alle Schutzsuchenden sind seit gestern unter Quarantäne, die Situation ist kritisch.

Wien, 25. März 2020 / Die Menschen sind in den Flüchtlingsunterkünften der enormen Gefahr ausgesetzt, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Die gegebenen Umstände lassen die Umsetzung der grundlegenden Corona-Vorschriften nicht zu, da Menschen auf engstem Raum zusammenleben. Eine Infektion könnte mehrere hundert Infizierte bedeuten.

“Alle benützen eine Küche”

Eine Person, die sich derzeit im Lager befindet und anonym bleiben möchte, teilte uns mit, dass bis zu acht Personen in einem Zimmer schlafen und noch mehr Personen sich zusammen Bad und WC teilen.

„Alle benützen eine Küche. Wir müssen in einer Reihe für das Essen anstehen und die Polizei ist da. Alle haben Masken und Schutzbrillen, außer den Flüchtlingen. Seit gestern können wir auch nicht raus. Wir wissen nicht mehr, wie wir uns nun Seife und Toilettenpapier kaufen sollen“,

teilt uns die Person mit.

Angespannte Situation

Die Lage ist besonders pikant. Nachdem das Rückkehrzentrum in Schwechat vor einigen Tagen für Reisende als Quarantänelager geräumt wurde, mussten die Geflüchteten in einer Nacht- und Nebel-Aktion auch in das bereits von sehr vielen Personen bewohnte Erstaufnahmezentrum Traiskirchen übersiedeln. Im dem Aufnahmezentrum befinden sich laut der Initiative Rückkehrzentren schließen auch Risikogruppen.

Zu lange ignoriert

Seit Wochen hat sich die Situation angebahnt. Bereits vorher waren Bilder und Videos zu sehen, wie Leute für Essen Schlange stehen oder in überfüllten Speisesälen nebeneinander sitzen, sagt Hans Georg Eberl von der Initiative Rückehrzentren schließen.

In den Flüchtlingsunterkünften ist es unmöglich, die Empfehlungen für den Infektionsschutz umzusetzen. Die Initiative fordert, dass sowohl Traiskirchen, als auch andere Flüchtlingsunterkünfte aufgelöst und die Menschen dezentral in Wohnungen untergebracht werden. Somit hätten sie die Möglichkeit, unter sicheren Bedingungen in Quarantäne zu sein.

Situation ungewiss

Wie lange die Behörden noch abwarten und ob sie die “Sammellager” auflösen, ist ungewiss, zumindest bis Redaktionsschluss haben wir keine Rückmeldung der zuständigen Abteilung für Fremdenwesen im Innenministerium bekommen.

ZackZack bleibt dran.

(rc)

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Titelbild: APA Picturedesk

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