Samstag, Juni 22, 2024

Köstingers Urlaubsplan – „Sommerchaos droht“

Große Verwirrung rund um den Vorschlag von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP): Ihrer Ansicht nach sollen die Grenzen im Sommer für deutsche Urlauber geöffnet werden. Das Gesundheitsministerium tritt auf die Bremse. Das deutsche Außenministerium rät von Reisen nach Österreich ab. Ein „Sommerchaos“ droht.

Wien, 20. April 2020 | Für Österreicher wird dieses Jahr Sommerurlaub im Ausland wohl eher nicht stattfinden können. Elisabeth Köstinger (ÖVP) erregt nun mit einem Vorschlag, der in die andere Richtung geht, die Gemüter.

Sommerurlaub soll demnach für deutsche Touristen in Österreich möglich gemacht werden, so Köstinger in der „Presse am Sonntag“.

“Die Einschränkung der Reisefreiheit wird uns in den nächsten Monaten noch erhalten bleiben. Wenn Länder aber auch auf einem sehr guten und positiven Weg sind, wie beispielsweise Deutschland, dann gibt es durchaus auch die Möglichkeit, dass man sich bilateral einigt”

zeigte sich Köstinger zuversichtlich.

Gesundheitsministerium muss das erst prüfen

Abgesprochen mit dem Gesundheitsministerium scheint dieses Vorpreschen aber nicht zu sein. Das Gesundheitsministerium werde “zu gegebener Zeit die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen prüfen.”

Detaillierte Fragen der APA konnte das Gesundheitsministerium nicht beantworten, darunter die Fragen, ob es für die einreisenden Urlauber Gesundheitschecks geben wird, ob sie eine Bestätigung des Beherbergungsbetriebs vorlegen werden müssen, ob ihr Aufenthalt in Österreich zeitlich und räumlich (etwa auf ein Bundesland) begrenzt sein wird, welche Pflichten die Unterkunftsgeber haben werden und ob zum Schutz des heimischen Gesundheitssystems auch eine umgehende und zwingende Rückführung der Reisenden im Falle einer Erkrankung vorgeschrieben wird.

Wollen die Deutschen überhaupt zu uns?

Die Abhängigkeit vom deutschen Markt ist in den vergangenen drei Jahrzehnten deutlich gesunken, auch wenn nach wie vor mit Abstand die meisten ausländischen Gäste aus Deutschland stammen. Der Übernachtungsanteil deutscher Gäste lag 1991 noch bei 50,7 Prozent, im vergangenen Sommer hingegen nur mehr bei 37,4 Prozent, wie aus Zahlen der Statistik Austria hervorgeht. Ob Deutschland überhaupt seine Urlauber nach Österreich schicken würde, ist derzeit ebenfalls unklar.

Weiterhin ist eine Reisewarnung für Österreich aufrecht. Mit Hinblick auf den Coronavirus-Hotspot und die europäische Virenschleuder Ischgl heißt es vom deutschen Außenministerium wurde “zunächst das Bundesland Tirol und dann ganz Österreich zum Risikogebiet erklärt”. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte indes vor zu frühen Lockerungen und einem erhöhten Rückfallrisiko.

NEOS: ” Sommerchaos”

Die NEOS finden derweil harte Worte für den Vorschlag Köstingers. Europaabgeordnete Claudia Gamon schrieb in einer Aussendung am Sonntag: “Wenn jedes Mitglied der Europäischen Union seine eigenen Regeln aufstellt, dann droht zur aktuellen Krise auch noch ein völliges Sommerchaos”. Für den NEOS-Nationalratsabgeordneten Sepp Schellhorn ist Köstingers Vorschlag nicht weit genug gedacht. Auf Twitter stellte er die Frage in den Raum: „Kann man in Regionen statt in Nationalstaaten denken, also zum Beispiel einen Radius für Tourismusgebiete definieren?“ Anspielend darauf, dass deutsche Urlauber wohl nur im Westen des Landes für Tourismus Sorgen könnten, jedoch eher nicht in den östlichen Bundesländern.

(apa/bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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