Montag, Juni 17, 2024

Antikapitalistische Großdemo in Wien – Mit Mundschutz und Sicherheitsabstand hinaus zum 1. Mai

Mit Mundschutz und Sicherheitsabstand hinaus zum 1. Mai

Mit Mundschutz und Sicherheitsabstand zogen über 1.000 Menschen am 1. Mai durch Wien. Sie protestieren gegen die prekären Zustände vieler Arbeitnehmer und Kleinunternehmer und das „Virus Kapitalismus“. Es war der größte Umzug, der in Wien am heurigen Feiertag stattfand.

Wien, 2 Mai 2020 | Auch in Zeiten der Corona-Krise fand am Freitag die traditionelle antikapitalistische 1. Mai-Demo „Mayday-Parade“ in Wien statt. Trotz Respekts vor dem Virus trauten sich überraschend viele Menschen auf die Straße. Mehr als 1.000 Demonstranten zogen um 13 Uhr 30 vom Praterstern zum Wiener Rathaus.

Gegen die Zustände

Auf den Schildern der Demonstranten war zu lesen: „Solidarität ist ansteckend“, „der Kapitalismus ist das schlimmste Virus“, „Grundrechte statt Angst“ oder „Kurz-Schluss“. Die Teilnehmer hielten sich an Sicherheitsabstand und Maskenpflicht.

Mit Parolen wie „Anticapitalista“ oder „Hoch die internationale Solidarität“ kam trotz Corona eine leidenschaftliche 1. Mai-Stimmung auf. Viele  Teilnehmer verlangten auch die Evakuierung der Menschen auf Lesbos.

Foto: C. Mavric

Als die Demo am Landwirtschaftsministerium vorbeizog, skandierte ein Teilnehmer Rücktrittsauforderungen gegen Ministerin Köstinger. Aber Köstinger scheint für die meisten Menschen im Demo-Zug offenbar nicht das vordringliche Problem zu sein. Die Rücktrittsaufforderung wurde schnell von antikapitalistischen Sprechchören übertönt.

Ein einzigartiger Feiertag

Es war ein 1. Mai, wie es ihn selten gab: Man zog über die Praterstraße, während dort keinesfalls gänzlich arbeitsfrei war. Friseure hatten offen, auch Blumenläden war der Handel wichtiger als der Feiertag. Dennoch ging vielen Teilnehmer dieses aktuell so seltene Zusammenkommen in der Öffentlichkeit sichtlich nahe.

Gute Stimmung inmitten der Demo am Weg zum Ring.

Einer Frau kamen die Tränen, als sie beobachtete, wie die Demo zum Auftakt in die Praterstraße einbog. „Es ist sehr emotional für mich, so viele Menschen zu sehen, die für ihre Rechte und gegen Kapitalismus eintreten, gerade in dieser schwierigen Zeit“, sagte sie gegenüber ZackZack.

Am Rathausplatz ankommen wurde es ruhiger. Doch es blieb besonders: Von der SPÖ, die ihre 1. Mai-Feier ins Netz verlegt hatte, fehlte fast jede Spur – und das an “ihrem” Feiertag. Mit drei Werbetafeln zeigte die SPÖ zumindest am Eingang zum Platz ein bisschen Farbe. Der Rathausplatz selbst war beinahe leer. So wurden am Platz vor ihrem Rathaus zwar rote Fahnen geschwenkt – aber ohne SPÖ-Logo.

Foto: C. Mavric

Polizei beendet Fahrraddemo

Ein Teil der Teilnehmer schwang anschließend sich auf die mitgebrachten Räder und beteiligte sich an der angemeldeten Fahrrad-Demo, die um 15 Uhr startete.

Nach einer Runde um den Ring versuchte die Polizei die Demo aufzulösen. Dann kam es laut “Presseservice Wien” zu mehreren, teils brutalen Festnahmen. Diese Polizei verfolgte danach Gruppen von Radfahrern Richtung Prater. Laut Polizei seien Teile der Radfahrer aus der Demo ausgeschert und in die andere Richtung gefahren.

Zu dieser Zeit war es schon recht ruhig am Rathausplatz. Vereinzelt sangen Gruppen mit Sicherheitsabstand Arbeiter- und Partisanenlieder. Der große Feiertag wurde fröhlich, wenngleich mit ungewohntem Abstand zu den Mitdemonstranten zelebriert. So zeigte Wien am 1. Mai trotz Corona eine starke Stimme gegen die aktuellen Zustände.

(ot)

Titelbild: Christopher Mavric

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