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Erstes Ischgl-Geständnis – ÖVP-Message-Control versagt in „Washington Post“

ÖVP-Message-Control versagt in „Washington Post“

In der „Washington Post“ versagt die türkise Message Control. So räumte der Platter-Intimus und höchste Beamte Tirols, Herbert Forster, in der renommierten Tageszeitung ein, dass man Touristen früher informieren hätte sollen. Erstmals gestand damit ein hochrangiger ÖVP-Mann ein, dass rund um Ischgl behördliche Versäumnisse geschahen.

Wien/Innsbruck, 18. Mai 2020 | Eigentlich hält die Tiroler ÖVP an ihrem Corona-Mantra fest: „Wir haben alles richtig gemacht.“ Der ÖVP-Landesrat Bernhard Tilg, der seit Wochen in der Kritik steht, reagierte genau so auf den Misstrauensantrag gegen seine Person. Dieser kam von SPÖ, FPÖ, NEOS und Liste Fritz – die schwarz-grüne Landesregierung schmetterte den Antrag aber ab. Tilg selbst sagte:

„Ich und alle, die im Krisenbereich tätig waren, haben von Beginn an das Bestmögliche und Menschenmögliche getan, um die Ausbreitung dieser Pandemie in Tirol zu bekämpfen. Jetzt ist nicht die Zeit für einen Rücktritt.“

Message-Control versagt in Washington Post

Auch von Landeshauptmann Günther Platter kam bisher kein Eingeständnis, Fehler gemacht zu haben. Aber jetzt zeigte sich der erste Tiroler ÖVP-Mann reumütig und das ausgerechnet in der renommierten US-Tageszeitung „Washington Post“. Im ausführlichen Wochenend-Artikel zur Causa Ischgl kommt Herbert Forster zu Wort.

Herbert Forster ist der oberste Beamte Tirols. Seit Jänner 2019 ist er Chef der Tiroler Landesverwaltung, von 2007 bis 2019 hatte er die Büroleitung des Landeshauptmannbüros inne: zuerst bei Herwig Van Staa, ab 2008 dann bei Landeshauptmann Günther Platter. Dieser regiert Tirol seit fast 12 Jahren.

„Behörden hätten Touristen besser alarmieren können“

Der Platter-Intimus Forster gab in der „Washington Post“ ein bemerkenswertes Eingeständnis ab: Obwohl er weiter vehement bestritt, dass wirtschaftliche Interessen die frühere Schließung von Aprés-Ski-Hütten und Seilbahnen verhinderten, räumte Forster ein, dass die Behörden die Touristen besser alarmieren hätten können.

Das ist besonders im Zusammenhang mit den jüngsten Ischgl-Enthüllungen brisant: Am Wochenende veröffentlichte das Wochenmagazin „Profil“ einen Artikel, demzufolge das Land bzw. die zuständige BH Landeck einen Erlass des Gesundheitsministeriums von Ende Februar missachtet haben soll. Diesem Erlass nach sollten alle engen Kontaktpersonen von Corona-Infizierten per Bescheid für 14 Tage in Heimquarantäne geschickt werden – was nicht geschah.

Grüne erstmals gegen Platter

Das Land Tirol reagierte mit Drohungen gegenüber dem „Profil“. Dies brachte erstmals Verstimmung in die schwarz-grüne Koalition. Der Grünen-Klubobmann Gebi Mair zeigte sich angsichts der Drohungen gegenüber der Presse empört:

„Die Grünen drohen Medien nicht, und ich erwarte auch von allen anderen, Drohungen zu unterlassen“,

schrieb Mair auf Twitter. Bisher zeigte sich Schwarz-Grün noch in trauter Einigkeit, die jüngsten Angriffe gegen Journalisten dürften die Grünen allerdings unruhig machen. Dass nun der ehemalige Platter-Bürochef selbst eingesteht, dass man schneller handeln hätte können, bringt die ÖVP weiter in Bedrängnis.

Seit Wochen treibt vor allem der Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer die Aufklärung des Ischgl-Skandals voran. Durch seine Initiative ließ sich die schwarz-grüne Regierung auf eine unabhängige Untersuchungskommission ein. Diese wird ihre Arbeit in der nächsten Woche aufnehmen. Dornauer kritisierte Platter auch am Wochenende scharf und sprach von einem „House of Wahnsinn“. Dornauer stellte eine „politische Neuausrichtung“ Tirols in den Raum.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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