Gudenus verhört

Er spielt das Unschuldslamm

Nach HC Strache nahm sein ehemaliger Urlaubsfreud Johann Gudenus im U-Ausschuss Platz. Intensive Stunden folgten, Gudenus blieb meist verschlossen, fühlte sich überwacht und ungerecht behandelt, weil er sich für unschuldig hält. Trotzdem lieferte er einige weitere Mosaikteile.

Wien, 05. Juni 2020 | Fast vier Stunden saß Ex-Vizekanzler HC Strache auf der “Verhörbank”. Deshalb betrat sein ehemaliger Urlaubsfreund und Ex-FPÖ-Klubchef Johann Gudenus erst gegen 19 Uhr den Ausschuss. Ebenso wie Strache, unternahm auch Gudenus eine einleitende Stellungnahme.

Gudenus fühlt sich unschuldig verfolgt

In dieser erklärte sich Gudenus ähnlich wie Strache. All die verdächtigen Momente rund um türkis-blauen Postenschacher seien übliche Vorgänge gewesen. Wie gegen Peter Sidlo nun vorgegangen werde, sei eine „Hetzjagd“. Was die Vereine angeht, so habe die FPÖ Wien oftmals sogar für manche Vereine eine Anlauffinanzierung unternommen. All das hätten die „Aufdeckermedien“ aber nicht geschrieben. Er fürchte sich nicht gegen Ermittlungsverfahren, gegen die „Soko Tape“ reitet er ordentlich aus: Diese hätten das Ziel, ihn anzuklagen und zu verurteilen. Das gehe gegen die Unschuldsvermutung.

„Der Vorwurf, Österreich zu verscherbeln, geht völlig ins Leere. Bremsen Sie Ihren Voyeurismus, nehmen Sie auf meine Privatsphäre Rücksicht“, schließt Gudenus seine einleitende Stellungnahme.

Fürst (FPÖ) legt Gudenus den Ball auf

Erste Frage an Gudenus vom Verfahrensrichter: Was meinte Strache mit dem Satz, „die Novomatic zahle alle“? Das wüsste er nicht, so Gudenus, der Satz sei ihm gar nicht erinnerlich. Nächste Frage: Warum wollte er auf Ibiza die FMA zerschlagen? „Vielleicht war sogar etwas in den Getränken drin. Diverse Äußerungen sind nicht ernst zu nehmen.“ Warum habe er Hoscher im Jahr 2018 mehr getroffen? „Wein“, sei der Grund gewesen, „mehr sag ich aufgrund des laufenden Verfahrens nicht.“

Viel Erkenntnisgewinn konnte man danach von der Befragung nicht mehr erwarten. Es begann Susanne Fürst (FPÖ). Sie gab Gudenus die Chance, die Anbahnung zwischen ihm und der angeblichen Oligarchin auszuführen. Neues hörte man nicht. Später fragte sie ihn auch noch nach seinem Eindruck zu den Ermittlungen. „Die Hausdurchsuchung war überschießend. Datenträger meiner Frau wurden mitgenommen“, empört sich Gudenus, obwohl er zugleich volles Vertrauen in die Ermittlungen haben würde.

Grüne wollen vom Goldschatz wissen

Gegen die Grüne Tomaselli ging Gudenus sogar in die Offensive. Er reiht einige rot-grüne Vereine auf, die laut ihm äußerst fragwürdige Methoden betreiben würden. Von den FPÖ-Vereinen wüsste er zwar, aber er könne „ausschließen, dass dann über diese Geld an die Partei geflossen ist, am Rechnungshof vorbei.“ Weiteren Grünen-Fragen entschlägt sich Gudenus und legt dabei immer wieder ein arrogantes Lächeln auf. Woher der FPÖ-Goldschatz komme? „Eine Anlage.“ Und wie viel Gold ist es? „Das weiß ich nicht, aber ja, es wurde mit Parteigeld gekauft.“

Helmut Brandstätter (NEOS) wollte mehr zu den russischen Verbindungen des Johann Gudenus wissen. Aber dieser blockte ab, man verwickle sich „in ein absurdes Gespräch.“ Auch das Güssinger Mineralwasser kommt auf den Tisch. Gudenus: „Ich wusste auf Ibiza, dass es dort Investitionsbedarf gab. Das ist die böse Wasserprivatisierung, die nie geplant war.“

Fall Güssinger: Gudenus mittendrin

Der ehemalige Besitzer von Güssinger sei ein Freund von ihm, er kenne auch den letzten Geschäftsführer B. von Güssinger. Zumindest sage ihm der Name etwas, er glaube, das sei ein Mitarbeiter des ehemaligen Güssinger-Eigentümers. Pikant: B. übernahm Güssinger erst, nachdem eine ominöse bulgarische Gruppe die Quelle übernommen hatte. Mittlerweile ist der Betrieb pleite.

Hat Gudenus B. als Geschäftsführer empfohlen? „Nein.“ Und wie sieht’s mit Schellenbacher aus? „Ich kenn das alles nur aus den Medien“, sagt Gudenus, „auch von einem Saunaclub weiß ich nichts.“ Vollkommen unschuldig sei er, und die ganzen Vorwürfe würden nur medial kolportiert werden. Dann wird Brandstätter konkreter: Hat Herr Schock (FPÖ) seinen Posten in der Nationalbank bekommen, weil er auf sein Mandat 2013 zugunsten von Schellenbacher verzichtet hat? Gudenus: „Nein“. Ob er beteiligt gewesen sei an Schocks Bestellung? Von dieser Antwort versucht sich der ehemalige FPÖ-Adel zu entziehen, diese Entschlagung wird aber nicht akzeptiert. Dann sagt Gudenus kleinlaut: „Es wurden viele Gespräche über Bestellungen geführt.“

Gudenus traf Detektiv einen Tag vor Videodreh

Es könne mehr Videos von ihm geben, antwortete Gudenus auf eine SPÖ-Frage. Er rechne ohnehin damit, dass es sich im U-Ausschuss mehr um Ibiza drehen werde, anstatt um die Causa Casinos. Denn in der Casinos-Affäre seien ÖVP-Mitglieder involviert. Die Überheblichkeit von Gudenus wurde immer haarsträubender: „Ich rede mit slowakischen Investoren, sie reden mit afghanischen Asylwerbern“, antwortete der Ex-FPÖ-Grande auf eine Frage des Grünen Stögmüller, was Gudenus mit slowakischen Glücksspiel-Investoren besprochen habe.

Stögmüller landete aber noch einen Treffer. „Was haben Sie mit dem Detektiv besprochen, im Flieger nach Ibiza und beim Mittagessen, einen Tag, bevor das Video gedreht wurde?“ Gudenus weiß es nicht mehr, er rede eben mit vielen Menschen, auch wenn er auf Ibiza sei. Immer wieder gab es Gerüchte, wonach Gudenus seinen Ziehvater Strache hinters Licht geführt habe. Nun weiß man, dass er den Detektiv noch am Vortag getroffen hatte – ohne Strache. Daher die Gerüchte.

(ot)

Lesen Sie auch

Titelbild: APA Picturedesk

AKTUELLES

Link zu: InlandLink zu: Meinung
Link zu: AuslandLink zu: Leben