Samstag, Juni 15, 2024

“Kein Mega-Wumms, eher ein Klacks!” – Klartext von ÖGB-Chef zu Corona-Paket

“Kein Mega-Wumms, eher ein Klacks!”

„Helden bekommen gar nichts!“ – ÖGB-Chef Wolfgang Katzian sprach in der ZiB2 am Donnerstag Klartext. Für Arbeitnehmer sei das Hilfspaket „kein Wumms, sondern eher ein Klacks“: Er kritisiert auch den Angstkurs der Regierung.

Wien, 19. Juni 2020 | Das „Hilfspaket“ der Regierung für die Coronakrise umfasst 50 Milliarden Euro – der Großteil des Pakets geht allerdings an Unternehmen und Landwirtschaft. Wolfgang Katzian, Chef des Österreichischen Gewerkschaftsbunds, fand am Donnerstag scharfe Worte zu den Beschlüssen der Regierung hinsichtlich Verwendung der Corona-Hilfsgelder.

„So viele Borkenkäfer kann es gar nicht geben“

Die Prioritäten von Türkis-Grün spiegeln sich auch beim von Vize Kogler neu präsentierten „Mega-Wumms“ Corona-Hilfspaket wider: 450 Euro Pensionserhöhung für Bauern, 450 Euro Einmalauszahlung für Arbeitslose. Im Gespräch mit Lou Lorenz Dittelbacher kritisierte Katzian im ORF, dass die Arbeitnehmer Österreichs durch den Rost fallen würden:

„Für die Arbeitnehmer ist es kein Wumms, sondern ein Klacks. Der größte Teil dieses Pakets geht in die Unternehmen und ein großer Teil in die Landwirtschaft. Ich bin niemandem etwas neidig – aber die 450 Euro, die man jetzt für Arbeitslose hergibt, gleichzusetzen mit 450 Euro mehr Pension für die Bauern – das ist schon sehr, sehr schwer zu verstehen, so viele Borkenkäfer kann’s gar nicht geben.“

Die lange geforderte Erhöhung des Arbeitslosengeldes widerspreche nicht dem Vorhaben der Regierung, Arbeitslose möglichst schnell wieder in Beschäftigungsverhältnisse zu bringen. Katzian stoße sich daran, dass die Regierung immer wieder „Koste es, was es wolle“ ausgerufen habe – aber nicht danach handle. Er stellt dabei eine Milchmädchenrechnung auf: Es könnten nur so viele wieder Arbeit finden, wie es auch Arbeitsplätze gäbe. Aktuell kämen auf eine offene Stelle zehn Arbeitslose.

„Das geht sich einfach nicht aus. Das können alles Professoren und bis in die Haarspitzen motiviert sein, sie werden trotzdem keinen Job bekommen.”

„Angst frisst Kaufkraft“

Katzian sprach weiters das Thema Angst an: Wirtschaft müsse gestärkt und Kaufkraft wieder angeregt werden, damit stimme der ÖGB-Chef überein. Doch damit dieser Plan gelinge, müsse auch die Angst wieder heruntergefahren werden:

„Wer Angst hat vor Arbeitslosigkeit, Ansteckung, zweiter Welle, vor der Balkanroute oder sonstigen Dingen, der wird kein Auto kaufen oder sonstige Investitionen tätigen.“

Deshalb müsse zusammen mit der Ankurbelung der Wirtschaft auch die Angst wieder gesenkt werden.

Helden haben nichts bekommen

Katzian betreffe am allermeisten, dass die Heldinnen und Helden nichts bekommen hätten:

„Die haben den Applaus bekommen. Alle haben geklatscht – aber als wir für sie einen 1000er gefordert haben, wurde gesagt, ihr bekommt vielleicht einen 500er. Gar nichts haben sie bekommen!“

Es sei darüber hinaus der falsche Weg, zu behaupten, es bekämen bei einer Arbeitslosengelderhöhung auch so viele Ausländer das Geld – denn Firmen hätten sich schließlich die Arbeitskräfte billig aus dem Ausland geholt. Sie wären die ersten, die in der Corona-Krise ihre Jobs verloren hätten:

“Das sind alles Schicksale, da kann mich nicht einfach drüberfahren“,

so Katzian gegenüber Lou-Lorenz Dittelbacher.

Arbeitszeitverkürzung als Lösung der Krise?

Insbesondere für junge (unter 25 Jahren) und ältere (50+) Arbeitslose brauche es entsprechende Programme. Bei den Jungen sprach Katzian insbesondere Lehrlingsförderung als wichtige Stellschraube an, bei den Älteren brauche es entsprechende Umschulungs- und Qualifikationsmaßnahmen. Die Auswirkungen der Krise würden aber noch lange anhalten, es brauche daher langfristige Lösungen. Katzian sei jedenfalls gesprächsbereit und schloss das Gespräch mit dem Hinweis auf Arbeitszeitverkürzung als möglichen Ansatz für eine Lösung.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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