WKO-Vize gegen Köstinger: Bringt gar nix

Informant und Hotels packen aus, totales Coronatest-Chaos bestätigt

Das Chaos rund um das WKO-Köstinger-Projekt wird immer größer: WKO-Tourismus-Vize Pulker kritisiert die „Safe A“-Gütesiegel gegenüber zackzack als nutzlos. Hotels bestätigen indes einen Informanten: über Wochen hinweg wurde nicht getestet, dabei sollen die Plaketten genau das bescheinigen.

Wien, 06. August 2020 | Nachdem zackzack die Involvierung von McKinsey (zusammen mit der „Krone“) und dann exklusiv auch der Agentur von Kurz‘ ORF-Stiftungsrat Gregor Schütze beim Test-Flop „Safe A“ aufgedeckt hat, kommen immer mehr Infos ans Tageslicht. Einige Hotels übernehmen jetzt nach zackzack-Informationen selbst das Ruder, die anfänglich pompös inszenierte Strategie läuft immer mehr aus dem Ruder.

WKO-Tourismus-Vize schimpft gegen eigenes Projekt-Siegel

Mario Pulker, Hotelbetreiber und Obmann-Stellvertreter der Tourismussparte der WKO, bestätigt gegenüber zackzack die Aussagen eines Informanten, wonach die Gütesiegel zum Projekt von den Betroffenen als völlig wertlos angesehen werden.

„Wer durchblickt diesen Wald an Gütesiegeln? Die ‚Safe A‘-Plakette ist zwar nett und schön, aber auch Gäste fragen immer wieder: Was bringt das? Gar nix! Sowas brauch‘ ich nicht.“

Die WKO, zusammen mit dem Köstinger-Ministerium Schirmherrin des Projektes, schimpft also auf die eigene Plakette? Immerhin soll diese zeigen: das Hotel, das der Gast besucht, unterzieht sich regemäßigen PCR-Tests. Eigentlich ein wichtiger Bestandteil des Köstinger-Mahrer-Plans, Österreichs Tourismus als „coronafrei“ zu verkaufen. Doch wie läuft es vor Ort? Nach vielen Labors sagen jetzt auch die Hotels: chaotisch.

Pulker, niederösterreichischer ÖVP-Wirtschaftsbundler, hat mit seiner Wachauer Residenz das Ruder mittlerweile selbst übernommen. Er sagt: „Als Familienbetrieb geht das gut, die Mitarbeiter lassen sich freiwillig testen, wir achten darauf.“ Doch was ist mit „Safe A“?

 „Initiative ging von Köstinger aus“, Projekt danach im Sand verlaufen

Am Anfang zumindest lief das Projekt gut, sagt zumindest Pulker. Die Initiative ging dabei laut ihm von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) aus, sein Tourismusverband und das Rote Kreuz hätten es umgesetzt. Nach 800 negativen Tests in der Region habe man allerdings davon abgesehen und auch aufgrund der schlecht erreichbaren Testzentren die Eigeninitiative übernommen. Auch hier bestätigt Pulker einen Informanten:

„Ich schicke meine Mitarbeiter ja nicht immer wieder nach Krems.“

Hin- und Rückfahrt vom Hotel nach Krems dauern zwei Stunden, die Testung vor Ort ist dabei noch nicht mit einberechnet.

Mario Pulker bei der ZiB 2 am 22. Mai. Damals betonte er, die Gastro müsse sich bei der Regierung für die Covid-Krisenmaßnahmen bedanken. Screenshot: ORF TV-Thek.

Hotels: Siegel da, Tests nicht mehr

Zackzack hat bei anderen Hotels in der Region nachgefragt. Diese bestätigen, ein Siegel bekommen zu haben. Während einer der Betreiber nicht weiß, woher das Siegel bzw. die Plakette stammen soll, ist sich die andere sicher: von der WKO. Auf der Projektseite „Safe A“ steht allerdings, dass das ominöse Labor-Kartell „Arge Safe A“ dafür zuständig ist. WKO oder Labore? Interessant ist das vor allem deshalb, weil WKO und Köstinger-Ministerium stets die private Natur des angeblichen Konsortiums, von dem zackzack-Recherchen zufolge zumindest neu teilnehmende Labore gar nichts wussten, betont wurde.

Das Gütesiegel ist jedenfalls nutzlos, denn seit Wochen wird offenbar nicht mehr getestet, zumindest nicht bei Hotelbetreiber A.:

„Vor vier bis fünf Wochen wurde das letzte Mal getestet. Die Plakette haben wir zwar, aber mittlerweile ist die zur Seite gelegt worden. Ich habe ehrlich gesagt auch andere Sorgen, wir kommen mit dem Betrieb nicht mehr hinterher.“

„Mussten uns auf einmal neu anmelden“

Derzeit, so A., werde bei ihm jedenfalls nicht getestet. Macht das Virus Pause? Auch Hotel B. bestätigt gegenüber zackzack: anfangs sei via Rotes Kreuz einmal in der Woche getestet worden, doch dann habe man sich auf einmal neu anmelden müssen. Warum?

„Keine Ahnung, das war alles etwas chaotisch. Es hat ja geheißen, das geht alles sehr einfach.“

Dann habe man sich über die Projektseite „Sichere Gastfreundschaft“, wie vonseiten der WKO gewünscht, wieder angemeldet. „Ab jetzt sollen wieder einmal die Woche Tests stattfinden“, so B.

NEOS-Schellhorn kritisiert Test-Flop abermals

NEOS-Wirtschaftssprecher und Hotelier Sepp Schellhorn beklagt sich indes abermals über das Coronatest-Chaos im Tourismusbereich. Insbesondere ärgert er sich, dass die Ministerin den Betrieben selbst die Verantwortung zuschiebt:

„Während Tourismusministerin Köstinger über die mangelnde Testbereitschaft der Betriebe klagt, verabschiedet sich der WK-Spartenobmann für Gastronomie und Obmann des Tourismusverbandes Wachau, Mario Pulker, sang- und klanglos mit seinem Betrieb aus dem Projekt Safe A. Warum wohl? Weil für die Tourismus-Betriebe kein Mehrwert mit diesem steuerfinanzierten Test-Flop verbunden ist.“

Pikant ist, dass Mario Pulker erst seit Kurzem Sparten-Vize für Tourismus bei der WKO ist. Zackzack berichtete über die Absetzung der ehemaligen Sparten-Chefin Nocker-Schwarzenbacher. Er ist außerdem Obmann der Gastro-Sparte und hat einige weitere Funktionen in der Branche inne. Dass ein neu aufgestiegener Funktionär gegen ein ursprüngliches Prestigeprojekt ledert, wundert auch Schellhorn:

„Selbst bei treuen Wirtschaftskammer-Multifunktionären endet hier die Loyalität zu den Verantwortlichen dieses Projekts: Harald Mahrer und Elisabeth Köstinger. Übrig bleibt, dass die Wirtschaftskammer ein Testprojekt konzipiert und beworben hat, von dem sich der Spartenobmann Tourismus bereits vor Wochen verabschiedet hat.“

Während die Hotels jetzt das Ruder selbst in die Hand nehmen oder von vorne mit dem Testungsprogramm beginnen sollen, wird die Rolle der Berater im Hintergrund immer eindeutiger. SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher pocht auf einen Ausschuss: „Wir brauchen dringend einen Corona-Unterausschuss, um genau solche Machenschaften kontrollieren zu können.“

Mehr dazu am Wochenende auf zackzack.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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