Sonntag, Mai 19, 2024

ÖVP-Platter und Geisler wollen Wolf an den Kragen

Tirol-Landeshauptmann Günther Platter und sein Stellvertreter Josef Geisler (beide ÖVP) wollen dem Wolf an den Kragen. Das Land Tirol fordert den Bund auf, sich bei der EU für eine Senkung des Schutzstatus einzusetzen. Der Tierschutz Austria verlangt hingegen „Hausverstand statt Panik und Populismus“.

Wien, 18. August 2020 | Das Land Tirol hat am Montag den Bund dazu aufgefordert, die im Bundesland heftig diskutierte Wolfsthematik in Brüssel auf das Tapet zu bringen. “Wir brauchen dringend mehr Handlungsspielraum”, verlangte Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP), berüchtigt für seinen vielfach kritisierten “Luder”-Sager, in einer Aussendung. Rechtlich seien dem Land aufgrund der EU-Vorgaben und des Schutzstatus des Wolfs nämlich enge Grenzen gesetzt.

Der Abschuss eines Wolfs ist nur dann zulässig, wenn Wölfe ohne ersichtlichen Grund aggressiv auf Menschen reagieren oder wiederholt sachgerecht geschützte Nutz- und Haustiere töten. Das Land stellt in den Jahren 2020 und 2021 für Herdenschutzmaßnahmen jeweils 500.000 Euro zur Verfügung, hieß es.

Platter ortet “Wolfs-Romantik”

Indes soll jener Wolf, der sich seit einiger Zeit im Kaiserwinkl im Grenzgebiet zu Bayern aufhält und für rund 30 Schafs- und elf Ziegenrisse verantwortlich sein soll, bestmöglich lokalisiert werden. “Zu wissen, wo sich das Tier aufhält, ist die Voraussetzung für jegliche weitere Maßnahme”, so Geisler.

Durch das Sammeln von Datenmaterial will man Streifrouten und Aufenthaltsorte des Wolfs nachvollziehen und eine Vorstellung über das Raumnutzungsverhalten des Tieres bekommen. Zudem sollen an ausgewählten Plätzen weitere Fotofallen aufgestellt werden. Günther Platter schießt sogar schärfer: „Die Zeit der Wolfs-Romantik muss vorbei sein“. Für Platter funktioniere ein Miteinander von Menschen, Nutztier und Wolf nicht.

“Märchen, Mythen und Legenden”

Der Tierschutz Austria hingegen verlangt „Hausverstand statt Panik und Populismus“. In einer Aussendung sagte der Pressesprecher des Vereins Anfang August: „Statt die Bevölkerung mit fundierten, wissenschaftlichen und sachlichen Informationen zu versorgen, ziehen es viele Politiker – insbesondere Kommunal- und Lokalpolitiker – vor, die Menschen mit Märchen, Mythen und Legenden zu verunsichern und in Panik zu versetzen.“

An einen Erfolg für Lokalpolitiker bei der Wolfsthematik in Brüssel glaubt man beim Tierschutz Austria nicht:

“Glücklicherweise ist es nicht so leicht, geltendes EU-Recht auszuhebeln. Denn der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat erst im Herbst 2019 in einem Urteil festgehalten, dass eine Ausnahme vom strengen Artenschutz nur dann zulässig ist, „wenn es an einer anderweitigen Maßnahme fehlt, mit der das verfolgte Ziel in zufriedenstellender Weise erreicht werden kann und die in der FFH-Richtlinie vorgesehenen Verbote beachtet werden.“

(apa/bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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