Sonntag, Juni 16, 2024

“Keiner will sie nehmen!” – Eva Schütz als Mitarbeiterin unbeliebt

Eva Schütz als Mitarbeiterin unbeliebt

Eva Schütz, Geldgeberin für das ÖVP-nahe Medienprojekt “Exxpress” und Ehefrau von ÖVP-Großspender Alexander Schütz war stellvertretende Kabinettschefin im Finanzministerium. Ihre Qualifikation als Mitarbeiterin wurde von Kollegen nicht hoch eingeschätzt.

Wien, 30. März 2021 | Eva Schütz spielt im Umfeld der “Familie” – des innersten Kreises um Kanzler Sebastian Kurz – eine wichtige Rolle. Mit Gabi Spiegelfeld, die für Kurz Spendentermine veranstaltete und Aufsichtsräte in staatsnahen Betrieben suchte, ist sie eng befreundet. Ihr Mann, der Investor Alexander Schütz, gehört zu den wichtigsten Spendern der “Neuen Volkspartei”. Eva Schütz und Wirecard-Boss Markus Braun sind Jugendfreunde; Schütz’ Kinder besuchten gemeinsam mit den Kindern von Novomatic-Chef Harald Neumann und Casinos-Vorstand Peter Sidlo die Schule. Eva Schütz veranstaltete nach eigenen Angaben im Ibiza-Untersuchungsausschuss so viele private Vernetzungstreffen für Sebastian Kurz, dass sie sich an Details gar nicht mehr erinnern könne. In das ÖVP-nahe Medienprojekt “Exxpress” pumpte Schütz viel Geld, wie der “Standard” berichtete. Ihr gehören 51 Prozent des Unternehmens, weitere 25,1 hält eine Liechtensteiner Stiftung. Dem Medium stehen für drei Jahre über 5 Millionen Euro zur Verfügung. Schütz hält oder hielt Ausichtsratsmandate in staatsnahen Betrieben wie der ÖBB-Infra und verschiedenen Banken.

Im Jänner 2018 holte ÖVP-Finanzminister Hartwig Löger Schütz in sein Kabinett. Dort dürfte die “reiche Dame” (Barbara Tóth im “Falter”) nicht sonderlich beliebt gewesen sein. Das zeigen Chatnachrichten zwischen dem damaligen Generalsekretär Thomas Schmid und seiner Mitarbeiterin Melanie L., die ZackZack vorliegen.

01. Juni 2018:

Schmid: Im Ernst und nur zwischen uns beiden: Was ist mit Eva schon wieder? Muss sie echt rauswerfen.

L.: Ich hab heute schon gesagt, dass ich mich da nie mehr einmischen werde und hab auch Gabi (Spiegelfeld, Anm.) gesagt, ich halte mich da raus. Das sind alles Ratschen.

S: Entsetzlich.

L: Und alle nur mit sich selbst beschäftigt.

S: Ich werde mit Eva einmal saufen gehen und Klartext reden. Das gibt’s alles nicht.

L: Ich kann mir schon vorstellen, was dahinter steckt.

S: Die will Kabinettschefin werden. Das schafft sie in 100 Jahren nicht.

L: Ja, ich kann Sebastian ja auch verstehen! Du, wenn du alles Geld der Welt hast, willst nur nur mehr eines, was du nicht kaufen kannst. Das ist halt Macht.

30. Oktober 2018:

L: Ich hab jetzt schon eine verzweifelte Irre am Hals.

S: Wie gehts der Eva? Ist sie ruhiger?

L: Sie hat mir gestern ihren neuen Plan mitgeteilt.

S: Der da wäre?

L: Ich soll mit dir darüber reden und vorfühlen. ? Sie will präsent sein und politische Themen machen und keine Verwaltung mehr.

S: Dann kann sie gleich morgen gehen.

L: Schau, ich glaub sie will eh nichts Inhaltliches – es reicht ihr, sie einfach im Bundeskanzleramt am Vormittag abzusetzen.

S: Denke ich auch. Gernot soll sie nehmen. Als part time – Begleitung. Im Ernst. Da passt sie super hin. Kultur im Bundeskanzleramt. Das könnte die sogar.

L: Keiner will sie nehmen! Nicht mal Axel. (ÖVP-Generalsekretär Axel Melchior, Anm.)

S: Sie ist arm. Tut mir a bissl leid. Ich mag sie ja.

L: Du kannst sie ja mit in die ÖBAG nehmen. ? Als deine Assistentin.

S: Du bist gemein!

L: Ich bin nicht gemein, ich muss nur stundenlang Beratungsgespräche über ihr Leben und ihre politische Rolle führen. Ich mag sie ja persönlich sehr gerne – im Büro ist sie aber echt anstrengend. ? Sie soll zu Wölbitsch (Markus Wölbitsch, ÖVP Wien-Klubobmann, Anm.) in die ÖVP Wien und ihren Wahlkampf machen.

(tw)

Update: Details über die Besitzverhältnisse an “Exxpress” wurden am 02. April um 14:07 ergänzt.

Titelbild: APA Picturedesk

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