Dienstag, Juni 18, 2024

»Wir können wieder atmen« – Mörder von George Floyd in allen Punkten schuldig gesprochen

Mörder von George Floyd in allen Punkten schuldig gesprochen

Ein US-Gericht hat den Ex-Polizisten Derek Chauvin im Prozess um den Mord von George Floyd bei dessen Festnahme in allen Punkten schuldig gesprochen. Chauvin droht nun eine lange Haftstrafe.

Minneapolis, 21. April 2021 | Im Prozess um die brutale Ermordung des Afroamerikaners George Floyd haben die Geschworenen den Ex-Polizisten Derek Chauvin in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Das erklärte Richter Peter Cahill in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota. Damit droht Chauvin eine lebenslange Haftstrafe.

Als Cahill das Urteil verkündete, sah Chauvin von seinem Platz aus regungslos zu, berichtet die “Washington Post”. Cahill widerrief Chauvins Freilassung auf Kaution, er wurde nach der Urteilsverkündung in Handschellen aus dem Gerichtssaal geführt. Das genaue Strafmaß soll erst später vom Richter festgelegt werden. Chauvins Verteidigung könnte noch Berufung gegen das Urteil einlegen.

Foto: APA Picturedesk

“Ich kann nicht atmen”

Der 46 Jahre alte Floyd wurde am 25. Mai vergangenen Jahres in Minneapolis bei einer Festnahme ermordet. Videos dokumentierten, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drückten. Der Ex-Polizist Chauvin presste dabei sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb wenig später. Die Polizeibeamten hatten Floyd lediglich wegen des Verdachts festgenommen, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten gut zwei Wochen lang Sachverständige befragt. Etliche Zeugen hatten ausgesagt, dass Floyd an Sauerstoffmangel, verursacht vom Druck durch Chauvins Knie auf seinen Nacken, gestorben sei, und nicht etwa – wie von den Verteidigern behauptet – an einem Herzleiden und Drogen.

George Floyds Worte kurz vor seinem Tod – “I Can’t Breathe” (“Ich kann nicht atmen”) – sind zu einem Inbegriff von Polizeigewalt und Rassismus in den USA geworden.

Experten gehen von geringerem Strafmaß aus

Der schwerwiegendste Anklagepunkt gegen Chauvin lautete Mord zweiten Grades ohne Vorsatz. Darauf stehen in Minnesota bis zu 40 Jahre Haft. Wie die “Tagesschau” aus Deutschland berichtet, entspräche dies nach deutschem Recht eher dem Totschlag. Zudem wurde Chauvin auch Mord dritten Grades vorgeworfen, was mit bis zu 25 Jahren Haft geahndet werden kann. Auch musste er sich wegen Totschlags zweiten Grades verantworten, worauf zehn Jahre Haft stehen. Nach deutschem Recht entspräche dieser Anklagepunkt eher der fahrlässigen Tötung. Chauvin hatte auf “nicht schuldig” plädiert.

Wie die “Tagesschau” weiters berichtet, gehen Experten davon aus, dass der bislang nicht vorbestrafte Chauvin ein geringeres Strafmaß bekommen dürfte als maximal zulässig. Die Entscheidung über Schuld oder Unschuld fiel dem US-Rechtssystem folgend den Geschworenen zu. Für die seit Montagnachmittag andauernden Beratungen der zwölf Jury-Mitglieder gab es laut amerikanischen Medienberichte keine Zeitvorgabe. Sie durften jedoch während der Unterredungen nicht mehr nach Hause, sondern waren in einem Hotel untergebracht. Ihr Urteil musste einstimmig getroffen werden.

Jubel nach der Urteilsverkündung

Vor dem massiv gesicherten Gerichtsgebäude in Minneapolis brachen Wartende in Jubel und Tränen aus. Hunderte Menschen hatten sich vor dem Gebäude im Zentrum der Stadt versammelt. Sie skandierten unter anderem “Black Lives Matter” und “Wer hat gewonnen? Wir haben gewonnen”, sie riefen außerdem George Floyds Namen. Bis zum letzten Moment war nicht klar, wie die Jury urteilen würde. Auch am Tatort, dem heutigen “George Floyd Platz”, versammelten sich Menschen, wie ein dpa-Reporter berichtete.

Die Geschworenen bleiben aus Sicherheitsgründen bis auf Weiteres anonym. Floyds Schicksal hatte mitten in der Corona-Pandemie weltweit eine Welle an Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst und entwickelte sich zur größten Protestbewegung seit Jahrzehnten.

Foto: APA Picturedesk

“Der Kampf gegen Ungerechtigkeit geht weiter”

Die Familie des ermordeten George Floyd hat sich erleichtert über den Schuldspruch für den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin gezeigt. “Gerechtigkeit für George bedeutet Freiheit für alle”, sagte sein Bruder Philonise Floyd am Dienstag in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota. “Heute können wir wieder atmen.”

Philonise Floyd betonte, der Kampf gegen Ungerechtigkeit gehe weiter. Er hoffe nach dem Schuldspruch, dass er nun wieder schlafen könne. Er und weitere Angehörige von George Floyd dankten ihren Unterstützern und erinnerten an andere Opfer von Rassismus und Polizeigewalt.

Foto: APA Picturedesk

Biden hofft auf bedeutende Veränderungen

Ben Crump, der Anwalt der Floyd-Familie, sprach auf “CNN” von einem historischen Moment. Nicht nur für das Vermächtnis von George Floyd, sondern auch für das von Amerika. Noch nie habe es so ein weitreichendes Urteil gegeben. Auch US-Präsident Joe Biden zeigte sich erleichtert über den Schuldspruch und versprach weitere Maßnahmen im Kampf gegen Polizeigewalt. Am Ende seiner kurzen Rede drückte er es so aus: “Dies kann ein Moment von bedeutender Veränderung sein.”

(jz/Agenturen)

Titelbild: APA Picturedesk

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