Mittwoch, Mai 29, 2024

„Wochenende für Moria“ am Stephansplatz

Zum elften Mal gibt es ein Protestcamp für bessere Unterbringung von Geflüchteten und für deren Aufnahme in Österreich. Am Samstag schlagen Vertreter der Zivilgesellschaft erstmals ihre Zelte am Wiener Stephansplatz auf. Auch in anderen Städten wird gecampt.

 

Florian Bayer

Wien, 7. Mai 2021 | „Wir schauen nicht mehr teilnahmslos von Zuhause aus zu“, heißt es bei der Gruppe „Wochenende für Moria“ schon seit Monaten. Bereits zum elften Mal schlagen sie in mehreren Städten Österreichs ihre Zelte auf, um für eine Evakuierung überfüllter Flüchtlingslager und die Aufnahme von Geflüchteten zu demonstrieren. Dieses Wochenende wird erstmals am Wiener Stephansplatz, u.a. auch in Innsbruck, Villach, Graz und Linz von Samstag auf Sonntag gecampt.

Begonnen hatte die Initiative „Wochenende für Moria“ Ende Dezember in Innsbruck, seitdem wurden teils sogar im Wochenrhythmus Zeltdemos in vielen Städten Österreichs durchgeführt. Hinter der Aktion stehen die Initiativen SOS Balkanroute, Seebrücke Wien, Verein Flüchtlingsprojekt Ute Bock und die Plattform für eine menschliche Asylpolitik.

Das Protestwochenende beginnt am Samstag (8. Mai) um 12 Uhr und dauert bis Sonntagmittag. Am Samstag wird es ab 15 Uhr Redebeiträge geben, auch Musik, Akrobatik, eine Liveperformance (19 Uhr) und ein Kerzenmeer stehen auf dem Programm. Auch Unterschriften für einen offenen Brief ans Bundeskanzleramt werden digital und auch vor Ort gesammelt.

Unwürdige Bedingungen

Der Hintergrund: Die Bedingungen in den Flüchtlingslagern an der EU-Außengrenze sind unverändert menschenunwürdig, wie auch Flüchtlingshelferin Doro Blancke regelmäßig von Lesbos berichtet. Erst kürzlich wurden dort untergebrachte Familien vom vergleichsweise gut ausgestatteten Containercamp KaraTepe ins Lager Moria-2 im Freien gebracht.

„Corona dominiert die Medien, und wir haben das Gefühl, dass auf die Menschen in den Lagern vergessen wird“, sagt Ina-Maria Saxl, Mitorganisatorin und Deutschtrainerin. Nach wie vor geschehe nichts, obwohl sich die Situation seit Weihnachten nicht verbessert habe – ganz im Gegenteil.

Eine von der Regierung angekündigte Tagesbetreuungsstätte von SOS Kinderdorf wurde Ende April temporär eingestellt, weil eine Betreuung aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht möglich sei. Bis heute verweigert die Regierung jedwede Aufnahme von Flüchtlingen aus den griechischen Lagern. Auch die Situation an der bosnischen EU-Außengrenze, etwa im Lager Lipa, ist unverändert prekär, wie Vertreter von NGOs berichten.

Titelbild: (c) Patrick Weichmann zVg

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9 Kommentare

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Pflichtfeld
8.5.2021 13:14

Die “Vertreter der Zivilgesellschaft” mögen doch bitte offen kommunizieren was sie wollen: Nämlich das Recht auf unlimitierte Einwanderung in die heimischen Sozialsysteme.

diinzs
7.5.2021 20:59

Ich glaube nicht, dass viele Menschen in Österreich nicht wissen oder wenigstens ahnen, was in Moira passiert. Es ist aber leider einer großen Anzahl von Bürgern in diesem Land gleichgültig. Ich betrachte das als Fremdenhass und Menschenverachtung.

Ich weiß nicht, was man gegen diese Menschenverachtung tun könnte.

Samui
8.5.2021 15:22
Antworte auf  diinzs

Vielleicht baut der Nixhammer ein Zelt auf. Und erklärt uns den türkisen Schlamm ( Sumpf)….

Pflichtfeld
8.5.2021 13:22
Antworte auf  diinzs

Was ist die Lösung???
Die “Bewohner” von Moria 1:1 aufnehmen?
Dann ist das Lager in einer Woche wieder voll. Und dann??
Alleine in Bangladesch leben über 160 Millionen Menschen – auf einer Fläche die nicht einmal das doppelte von AT ausmacht.
Ich garantiere Ihnen: Mehrere Millionen machen sich auf den Weg wenn sie mit Moria als Zwischenstation in der österreichischen Mindestsicherung (über 1000,- US$) landen dürfen.

Samui
8.5.2021 15:24
Antworte auf  Pflichtfeld

Genau diese Meinung garantiert uns weitere Jahre mit dem Bub als Kanzler🙁

Huabngast
7.5.2021 21:51
Antworte auf  diinzs

Die Wurschtigkeit der Satten…

Es gab eine Zeit, da war ich stolz Österreicher zu sein. Dann nämlich, als „wir“ die Grenzen öffneten für die Flüchtlinge aus Ungarn, aus Tschechien und aus Ex-Jugoslawien.

Es gab eine Zeit für die ich mich schäme, Österreicher zu sein. Dann nämlich, als wir unsere Mitbürger ausgrenzten und preisgaben.

Und es gibt die Gegenwart. Und ich frage mich, was wir aus „unserer“ Geschichte gelernt haben. Oder besser gefragt: haben wir etwas gelernt?

Huabngast
7.5.2021 19:42

Mindestens den gleichen Eifer wünschte ich mir für die Verteidigung der Rechtstaatlichkeit in Ö gegen die Desavouierung des Staates durch eine undurchsichtige machtbesessene „Familie“. Was braucht es eigentlich noch?

ManFromEarth
7.5.2021 20:23
Antworte auf  Huabngast

…. Menschlichkeit, Charakter, Kultur und das wichtigste – Interesse!

Huabngast
7.5.2021 21:41
Antworte auf  ManFromEarth

Einverstanden. Ergänzt noch mit Zivilcourage.

Jetzt: der Pilnacek Laptop!

Denn: ZackZack bist auch DU!