Freitag, Februar 23, 2024

“Kara Tepe nicht winterfest!” – Umgeworfene Toiletten, keine Heizung

Umgeworfene Toiletten, keine Heizung

Keine Heizung, kein warmes Wasser, kein Strom. Während das offizielle Griechenland von weitgehend winterfesten Lagern spricht, widerspricht Flüchtlingshelferin Doro Blancke: “Das muss man heftig dementieren, wenn man wirklich vor Ort ist.” Kara Tepe sei ein Ort des Grauens.

Wien, 04. Februar 2021 | Die österreichische Flüchtlingshelferin Doro Blancke hat den Aussagen des griechischen Migrationsministers Notis Mitarakis, wonach das Flüchtlingslager Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos mittlerweile weitgehend winterfest fest sei, vehement widersprochen. Die Menschen schliefen weiter in Sommerzelten, sagte Blancke im APA-Interview. Heizung gebe es keine, warmes Wasser nur teilweise. Die psychische Verfassung der Menschen sei kaum fassbar.

“Wir erfüllen jetzt die Anforderungen, beispielsweise was die Ausstattung mit Toiletten und Duschen betrifft. (…) Wir haben die Zelte winterfest gemacht und hoffen, dass wir den Winter gut überstehen”,

sagte Mitarakis in einem Interview mit “Zeit Online”.

Die auf Twitter kursierenden Fotos und Videos der Geflüchteten widersprechen dem jedoch ordentlich:

Ausfälle bei Stromversorgung

“Das muss man heftig dementieren, wenn man wirklich vor Ort ist”, sagte nun Blancke, die bei einer griechischen NGO auf Lesbos volontiert. Sie befindet sich seit das Flüchtlingslager Moria im September 2020 abgebrannt war mit kurzen Unterbrechungen auf der griechischen Insel. Regelmäßig könne sie in das neu aufgebaute Lager Kara Tepe hineingehen, wo sie Sachspenden – unter anderem auch aus Österreich – verteilt. So könne sie sich ein Bild von der Lage machen.

Die Zelte seien nicht verändert oder umgebaut worden, so Blancke. Es stünden immer noch die Sommerzelte der UNHCR dort. Das sehe man auch auf aktuellen Fotos aus dem Lager. Lediglich auf der Hauptstraße durch das Camp sei Schotter aufgeschüttet worden, damit man nicht mehr im nassen Lehm gehen müsse. Aber zwischen den Zelten habe sich nicht sehr viel verändert.

“Ich zeige dir die Bilder des Sturms, ich spiele dir das Geräusch des Windes, ich sage dir, dass es am schwierigsten ist, morgens aufzuwachen. Wie erkläre ich dir dieses harte Gefühl in meiner Brust? “, fragt #KaraTepe Lagerbewohner nach 2 Nächten Sturm: “Ich kann es nicht erklären.”” / Journalistin Franziska Grillmeier auf Twitter

Keine Heizung, umgeworfene Toiletten

Alles, was für uns Westeuropäer selbstverständlich ist, wie zum Beispiel Heizungen, Toiletten und Duschen sei auf den Lagern nur selten bis gar nicht vorhanden. Elektrische Kochtöpfe, Heizstrahler und Wasserkocher seien zudem wegen dem nicht belastbaren Stromnetz verboten. Für das ganze Camp gebe es zwei Generatoren. Die Stromversorgung würde immer wieder ausfallen. Kara Tepe hätte zwar vereinzelnd Duschen, diese würden jedoch nicht immer mit warmem Wasser laufen. 7500 Menschen, darunter 2500 Kinder, müssten sich die wenigen Duschen teilen. Teilweise würden die Lagerbewohner nicht einmal ein warmes Essen pro Tag bekommen.

“Also zu sagen es ist winterfest (…) ist schon sehr zynisch”,

fasst es die Flüchtlingshelferin zusammen.

Hinzu komme das Wetter: Täglich würde es regnen, auch einen Schneesturm habe es zuletzt gegeben. Blancke spricht auch von Überschwemmungen und umgeworfenen Toiletten. Bild- und Videomaterial zeigt Wasserlacken im lehmigen Boden und vom Wind herumgepeitschte Zelte. Die psychische Verfassung der Menschen sei “sehr deprimierend und kaum fassbar.”

“Kinder aufzunehmen ist unsere moralische und ethische Verpflichtung”

Für den Kinder- und Jugendsprecher der NEOS, Yannick Shetty, sind die katastrophalen Zustände auf Lesbos menschenunwürdig:

“Man muss sich mal darüber bewusst werden, wie die Kinder und Jugendlichen dort ihre Kindheit und Jugend durchleben müssen. Dass ein Land wie Österreich, welches eigentlich stolz auf seine Werte ist, nicht bereit ist, 100 Kinder aufzunehmen, ist unerträglich. Es ist die moralische und ethische Verpflichtung, Kinder aufzunehmen, das kann doch nicht zu viel verlangt sein”,

drängt Shetty gegenüber ZackZack.

Für ihn ist es unverständlich, dass die Regierung mit der ÖVP im Kanzleramt keinen Milimeter bereit ist, von ihrer Linie abzuweichen.

Im Dezember hat ZackZack einen großen, überparteilichen Aufruf mit bekannten Persönlichkeiten aus allen gesellschaftlichen Bereichen organisiert (hier zu lesen). Wir werden weiterhin auf die verheerende humanitäre Situation auf Lesbos aufmerksam machen und sowohl Bundesregierung als auch EU zum Handeln auffordern.

(jz/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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17 Kommentare

  1. Frau Ultzsch denkt an Party und in Europa leiden Menschen, Kinder und Babies bittere Not. Das nenne ich Arche Noah

  2. Schön das die ÖVP Politiker mit 10tausenden Euro heimgehen und auf die Kinder dort sch…. Schande Österreich

  3. Aber der Nehammer hat doch soviel schöne Sachen persönlich hin gebracht.
    Türkis Heuchler….und ab heute sind die Grünen auch dabei.

    • Die Leben jetzt in Saus und Braus in den Lagern dank unseres tüchtigen IM

  4. Ist das auf dem Foto ein alt gewordener unbegleiteter Minderjähriger ? Oder sind die Bilder mit den Kindern und Frauen im Gatsch ausgegangen? Sin die Protagonisten endlich drauf gekommen, dass die ungustiösen Bilder tatsächlich Menschen davon abhalten sich auf die lebensgefährliche und sinnlose Reise zu begeben ? Well done ! Leben gerettet !

    • Na ja, sie werden es ja wissen dass eine Flucht aus Kriegsgebieten wie Syrien sinnlos ist…

      • Und nein, sie können mich mit Posts wie diesen nicht provozieren!

        • Sie überschätzen sich und Sie nehmen sich viel zu wichtig. Es liegt mir wirklich fern in Ihnen auch nur irgendwelche Regungen auszulösen. Ich biete lediglich einem interessierten Leserpublikum einige kleine Kontraste zum Gutmenschechokugelgeschwafel der Fetzenpüppchen und Agendaholder.

          • Es gibt hier genug Kontraste, sie scheinen es nur noch nicht bemerkt zu haben. Ihr Kontrastprogramm macht einfach keinen Sinn, weil sie einfach irgend etwas behaupten (in möglichst grobem Tonfall) ohne dann irgendwelche Argumente zu liefern. Ich denke schön langsam sie sagen einfach nur das nach, was ihnen jemand vorgesagt hat. Deshalb können sie auch nichts von dem argumentieren was sie behaupten. Sie machen sich damit selber zum Handlanger anderer und sind auch noch stolz darauf

          • Dass sie in diesem Forum provozieren wollen erscheint ja klar – wollte das auch gar nicht auf mich alleine projizieren. Aber passt schon, das Recht dazu sei ihnen unbenommen., So kontroverse Ansichten wie die ihren, die diametral zur Berichterstattung des Mediums gepostet werden, sind ja das Salz in der Suppe in menschlichen Auseinandersetzungen. Auch in Formaten wie Dschungelcamp oder früher Big Brother musste es stets einen “Ungustl” geben. Aber es gilt: “Leben und Leben lassen”

    • Wer um sein Leben fürchten muss oder keinerlei Perspektiven für sein Leben hat wird sich immer auf die gefährliche Reise machen, weil der hat nichts mehr zu verlieren. Wenn sie jemals in einer solchen Situation gewesen wären würden sie das wissen.

      • Wenn jemand etwas von mir will, was ich nicht hergeben möchte, dann gibt es einen Interessenskonflikt. Schlimmer jedoch wird es, wenn jemand will, dass ich was hergeben soll, damit derjenige der das von mir will, es selber nichts hergeben möchte aber dabei daran verdienen will. Dann haben wir “welcome” und “open border” Missstände.

        • In 4 Zeilen ich und mir. Einwenig selbstverliebt. Aber niemand will etwas von Ihnen und besser Sie ersticken in Ihrer Komfortzone. Lasssen Sie doch Menschen anderen Menschen helfen, denn das hilft doppelt. Denjenigen, die Hilfe bekommen und denjenigen die helfen. Sie sind so unwichtig in dem Fall.

    • Welcher Hass steckt nur in Ihnen? Menschen flüchten, weil WIR (!) ihnen mit Land-Grabbing, billigen Wegwerfprodukten, etc. ihre Grundlage zerstören. Die Reste der Hühner, die bei uns übrig bleiben, werden nach Afrika exportiert und zerstören dort die Landwirtschaft. Granit, der bei uns in Städten (in Europa) verbaut wird, stammt billig aus Indien (mit Kinderarbeit hergestellt). Ich empfehle Ihnen z.B. Benjamin Pütters “Kleine Hände – Großer Profit” (2017) und/oder Ian Urbinas “The Outlaw Ocean” (2019). Bitte posten Sie in diesem Zusammenhang erst wieder, wenn Sie Argumente haben. Danke.

      • HASS klingt nur aus Ihren Worten. Ich freu mich nur, wenn weniger Menschen auf ihrem Weg in Länder wo gratis und an jeder Ecke Milch und Honig fließen, wo es die “Huri” wie in Köln ungestraft auch schon zu Lebzeiten gibt, wenn die dabei nicht zu schaden kommen können, weil sie einfach in ihrer Heimat bleiben und dort wichtige Beiträge zum Wohl von ihrersgleichen leisten können.

        • Wo fließen Milch und Honig? Wo kann man in Syrien einen Beitrag leisten? Da gibst nichts mehr …..

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