Sonntag, Juni 16, 2024

Teil 11: Immo-Milliardär Benko fordert wieder Steuergeld

Für ihren deutschen Warenhauskonzern „Galeria Karstadt Kaufhof“ fordert die Signa Holding von René Benko erneut Staatshilfe. Aus Deutschland kommt Kritik.

München/Wien, 26. August 2021 | Wie der bayerische „Merkur“ berichtet, hat die Signa-Gruppe von Immo-Milliardär René Benko erneut Staatshilfen für deren Warenhauskonzern „Galeria Karstadt Kaufhof“ beantragt.

Bereits Anfang 2021 erhielt das zur Signa gehörende Handelsunternehmen ein 460 Millionen Euro schweres Nachrangdarlehen vom deutschen Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Im April 2020 hatte „Galeria Karstadt Kaufhof“ das deutsche Schutzschirmverfahren genutzt – eine Besonderheit des deutschen Insolvenzrechts. Am Ende des Insolvenzverfahrens stand ein Schuldenschnitt von etwa zwei Milliarden Euro sowie der Abbau von 4.000 Stellen.

Nach wie vor scheint Benkos Warenhausabteilung Geld zu brauchen: Ende Juli hat das Unternehmen laut „Merkur“ und „FAZ“ wieder Staatshilfe beantragt. Über die Höhe der Summe schweigt man bei „Galeria Karstadt Kaufhof“, auch das deutsche Wirtschaftsministerium von Peter Altmaier (CDU) will sich nicht äußern.

Hohe Gewinne im Immobiliensektor

Den Verlusten im Einzelhandel stehen große Einnahmen und Dividenden in der Immobilienbranche entgegen. Das Immobilienvermögen der Signa wird mit circa 20 Milliarden Euro bewertet. Im März titelte das „Handelsblatt“: „Benkos Geldregen: Signa Holding meldet überraschend hohen Gewinn“. Gewinne auf der einen Seite – Staatshilfen auf der anderen. Der „Merkur“ fragt sich: „Warum soll das Einzelhandelsgeschäft des Österreichers mit deutschen Staatsgeldern gerettet werden, während sein Immobiliengeschäft offenbar glänzend läuft?“

Unterschiedliche Geschäftsbereiche?

Die Signa-Gruppe sieht in den Staatshilfen naturgemäß kein Problem. Denn die Holding teile sich in drei Bereiche auf, die nichts miteinander zu tun hätten: Immobiliengeschäft, Einzelhandel und Medienbeteiligungen. „Zur Signa-Gruppe gehören voneinander unabhängige Unternehmen, in unterschiedlichen Ländern mit völlig unterschiedlichen Eigentümerstrukturen, Aktionären, Geschäftsführungen und Aufsichtsräten. (…) Eine Interessenvermischung wäre schon aus rechtlichen Gründen nicht zulässig“, so ein Signa-Sprecher.

Ein “FAZ”-Artikel zieht das in Zweifel: “Die FAZ berichtete unter Berufung auf interne Bankunterlagen, dass fast drei Viertel der Einnahmen aus Immobilien von Signa-eigenen Handelsunternehmen stammen”, heißt es im Bericht. Die Signa-Gruppe vermiete demnach gewinnbringend Immobilien an ihre Handelshäuser, für die sie jetzt Staatshilfe fordert. Ohne einen dauerhaften Strom an Mieteinnahmen funktioniere das Geschäftsmodell von Benko nicht. Miguel Müllenbach, Chef von „Galeria Karstadt Kaufhof“, beschwichtigt: “Die Mietverträge, die wir mit der Signa abschließen, müssen marktüblich sein”.

Vieles am Geschäftsmodell von Benko, resümiert der “Merkur”, bleibe Außenstehenden verborgen. “Die Signa-Holding ist nicht an der Börse notiert. Das Firmengeflecht ist entsprechend undurchsichtig.”

(dp)

Titelbild: APA Picturedesk

Autor

  • Daniel Pilz

    Taucht gerne in komplexere Themengebiete ein und ist trotz Philosophiestudiums nicht im Elfenbeinturm stecken geblieben.

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