Mittwoch, Juni 19, 2024

Skylla und Charybdis – Imagine

Skylla und Charybdis

Die Freiheit, sich nicht impfen zu lassen, wog schwerer als die Freiheit, Platz im Krankenhaus zu bekommen. Wer trägt die Verantwortung für die “gemeisterte” Pandemie? Wer sagt sie den Trauernden ins Gesicht?

Julya Rabinowich
Wien, 19. November 2021 | Man stelle sich vor: In Österreich- der Insel der Seligen, dem Land, in dem Milch und Honig und Gesundheitsversorgung fließen, dem Land, in dem im Unterschied zu anderen, in ihren Systemen kaputten Ländern alles einfach Paletti ist, dem Land, das es am besten durch die Krise, den Klimawandel und durch die Galaxis geschafft hat, in diesem sagenumwobenen Eldorado türkiser Provenienz müssen akut an Krebs Erkrankte um ihre Behandlung bangen.
Eine Diagnose dieser Wucht wirft zuerst einmal sämtliche Pläne durcheinander. Die Zeit, die bleibt, ist höchst undefiniert, noch wabert es zwischen Hoffnung und Endgültigkeit, zwischen Rückzug und Festhalten. Noch ist alles möglich. Noch. Jeder Tag zählt. Jeder. Die Uhr tickt. Mit jedem Herzschlag. Man kann sie ticken hören, in jedem Atemzug. Und dann bekommen die Patienten zu hören, dass sie leider warten müssen. Leider, leider. Es gibt keine Kapazitäten mehr. Keine OPs möglich. Kein Platz. Die Intensivstationen sind voll. Mit Menschen, die es eigentlich besser haben könnten. Die die Wahl hatten, sich entscheiden zu können, ob sie den harten Verlauf von Corona mit einer Impfung abfedern oder gar vermeiden hätten können. Mit großer Wahrscheinlichkeit. Aber ihre Freiheit, sich Pferdeentwurmung rein zu pfeifen, bis die Apotheken leer waren, diese Freiheit, die wog eben mehr.

Verantwortung

Die Hochrisikokranken, die jetzt vor den Folgen dieses Crashs stehen, hatten keine Entscheidungsmöglichkeit. Das Schicksal, dieses so gerne von Esoterikern aller Art beschworene Schicksal, das in Wirklichkeit die Bejahung der Vernichtung von Unwertem aka Schutzbedürftigen bedeutet, hat also für sie entschieden. Für sie entschieden hat auch die Politik. Konkret: jene Politiker, die Maßnahmen zur Eindämmung nicht nötig fanden. Die bis zum Schluss herumeierten, als gäbe es einen Verrenkungswettbewerb zu gewinnen? Die eigene Karriere ist ja doch näher als das Hemd. Fast so nahe wie der Exkanzler jedenfalls. Wir haben gemeistert, wir haben geschafft, wir haben es gut!
Was werden diese Verantwortlichen sagen, wenn sie den Früchten ihrer verantwortungslosen Taten gegenüberstehen würden? Den Betroffenen? Würden sie die immergleichen Floskeln von sich geben wie auf einer Wahlkampftour? Gäbe es echtes Bedauern? Und echtes Umdenken? Was immer es wäre: für die, die jetzt auf die rettenden Eingriffe warten müssen, kommt es beinahe zu spät. Für manche nicht mehr beinahe. Das süßholzraspelnde Versagen des zuständigen Politpersonals hat Leben gekostet. Und wird es weiter tun. Der in Oberösterreich und Salzburg dringend früher benötigte Lockdown wurde nun bundesweit ausgerufen. Das Gesicht ist also gewahrt. Es wurde in Salzburg und Oberösterreich trotz eindeutigen Informationen also gnadenlos gewartet, wo man nicht warten durfte. Die Welle rollt, das Schlimmste steht erst bevor. Dass es in Österreich in dieser Form möglich war, macht sprachlos vor Entsetzen.

Titelbild: APA Picturedesk

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