Widerruf Benko

Nach Untergang von Flüchtlingsboot:

Schwere Vorwürfe der Überlebenden

Bei einem Bootsunglück im Ärmelkanal sind 27 geflüchtete Menschen ums Leben gekommen. Die zwei einzigen Überlebenden werfen der britischen und französischen Küstenwache vor, die Menschen wissentlich ertrunken haben zu lassen.

Calais, 01. Dezember 2021 | Eine Woche nach dem Kentern eines Migrantenboots im Ärmelkanal mit mindestens 27 Toten haben die beiden Überlebenden schwere Vorwürfe gegen britische und französische Behörden erhoben. Ihr Boot sei voll Wasser gelaufen, alle Flüchtlinge seien im Meer gelandet und hätten sich aneinander festgehalten, sagte einer der Überlebenden am Mittwoch dem französischen Sender “BFMTV”. Kurz vor dem Untergang hätten die Menschen im Boot die französische Küstenwache kontaktiert.

“Ich bin elf Stunden im Meer geschwommen”

“Wir haben den Franzosen unsere Position durchgegeben und sie haben uns gesagt, dass wir in britischen Gewässern seien. Daraufhin haben wir die britische Polizei angerufen und die hat gesagt, ruft die französische Polizei an”, sagte der 21-Jährige. “Großbritannien hätte uns helfen müssen, weil wir in britischen Gewässern ertrunken sind, aber es hat uns nicht geholfen und nichts für uns getan.” Auch der zweite Überlebende schilderte dem Sender, dass die Menschen vom Boot aus zweimal die britische Seite kontaktiert hätten. “Niemand ist gekommen, das Boot ist untergegangen, die Leute sind gestorben und ich bin elf Stunden im Meer geschwommen.”

Schuld wird hin und her geschoben

Im laufenden Jahr haben bisher mehr als 25.700 Schutzsuchende den Ärmelkanal überquert. Das sind fast dreimal so viele wie im gesamten Jahr 2020. Die britische Regierung wirft Frankreich vor, nicht genug gegen illegale Überfahrten zu unternehmen, Paris weist das zurück. Frankreich hat nach dem Untergang des Migrantenboots ein EU-Abkommen mit Großbritannien zur Bewältigung der Flüchtlingskrise vorgeschlagen. Außerdem vereinbarte Frankreich mit Belgien, den Niederlanden und Deutschland einen verschärften Kampf gegen Schleuser. Der britische Premierminister Boris Johnson forderte ein Abkommen mit Frankreich zur Rücknahme von Migranten.

(apa/jz)

Titelbild: APA Picturedesk

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6 Kommentare
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KarinLindorfer
1. 12. 2021 17:08

Sie sagte doch B. Johnson, das würde zeigen wie gefährlich so eine illegale Überfahrt über den Ärmelkanal sei. Na da wär ich nie drauf gekommen….hat der Mann etwa an einer Elite Uni studiert?

mrsmokie
1. 12. 2021 16:53

Richtige Aufklärungsarbeit in den Heimatstaaten wäre ein Mittel. Wenn den Flüchtlingen vorgegaukelt wird, wie gut und schön es bei uns ist, und wie leicht man zu uns kommt, darf sich niemand wundern, dass so viele unterwegs sind. Und, sooft ich in den TV-Sendern “Flüchtlinge an den Grenzen sehe, ich sehe fast nur Burschen bzw junge Männer. Wie zuletzt in Belarus.

Dealer
1. 12. 2021 14:58

Das Nicht mehr helfen ohne einer Konsequenz daraus, wurde leider schon zum täglichen Brot dieser gesamten Welt inklusive unserem Europa
Nicht nur keine Besserung in Sicht, sondern wohl noch eine viel weiter gehende Verschlechterung?

[gelöschter User]
1. 12. 2021 14:49

Das ist dermaßen erschütternd.

Wie tief kann man sinken, um so etwas zu verursachen?

Pflichtfeld
1. 12. 2021 14:18

“… Im laufenden Jahr haben bisher mehr als 25.700 Schutzsuchende den Ärmelkanal überquert …”

Wovor fliehen in Frankreich aufhältige Nigerianer, Tunesier, Afghanen und andere?

StewAT2
1. 12. 2021 13:45

Selbst in die prekäre Situation gebracht. Falsche Versprechen der Schlepper. Frankreich kein sicheres Drittland?
Ich kenn mich nimmer aus.