Freitag, Juni 14, 2024

Teil 15: „Das wird jetzt behoben!“ Martin Ho versäumt eigenen Prozess

Martin Ho überzieht ZackZack mit Klagen. Zivilrechtlich geht es um über 1 Million Euro. Strafrechtlich hat Ho verloren, weil sein Anwalt nicht zum Prozesstermin kam. Das Verfahren ist eingestellt.

 

Wien, 11. Jänner 2022 | Dienstag, 09:00, Saal 205 des Wiener Straflandesgerichts. Angeklagt sind ZackZack und sein Herausgeber Peter Pilz. Martin Ho unterstellt beiden üble Nachrede, es geht um unsere Recherchen zu Kokain in Lokalen von Martin Ho.

Alle sind da: Richter Gerald Wagner, Journalisten, der Angeklagte und sein Anwalt. Nur vom Privatankläger Martin Ho und seinem Anwalt Georg Zanger fehlt jede Spur. Wagner überprüft, ob Ho und Zanger korrekte Ladungen erhielten (ja). Nach einiger Zeit ruft er ein zweites Mal auf, bittet einen der anwesenden Journalisten, kurz nachzusehen, ob noch jemand draußen sei, aber: „Keiner da.“

Verteidiger Volkert Sackmann steht auf und beantragt die Einstellung des Verfahrens. „Warten wir noch kurz! Er kommt sicher gleich“, protestieren die Journalisten im Saal. Niemand will mit leeren Händen von dem Termin weg. Auch Peter Pilz ist kampfeslustig und will noch warten. „Es ist zu spät“, sagt Richter Wagner und schüttelt den Kopf. Pilz: „Wollen Sie mich nicht trotzdem noch befragen?“ Wagner lächelt und stellt das Verfahren ein. „Braucht es noch mehr Beweise dafür, dass es Ho nicht um das Recht, sondern um einen Einschüchterungsversuch durch SLAPP-Klagen geht?“, fragt Peter Pilz.

Ho auf Rettungsmission

Eine Stunde später. Vor dem Landesgericht läuft Martin Ho, rausgeputzt im eleganten Kamelhaarmantel, den versammelten Prozessteilnehmern in die Arme. „Wissen Sie denn nicht, dass der Prozess eingestellt wurde?“, fragt eine Journalistenkollegin. Ho sieht die Schuld bei seinem Anwalt Zanger: „Das war ein Kanzleifehler. Das wird jetzt behoben!“

Wie Ho das machen will, bleibt sein Geheimnis. ZackZack-Anwalt Sackmann: „Da müsste man erst das Gesetz ändern.“

Erstaunlich an der Geschichte ist, dass Ho und Zanger ZackZack mit einer ganzen Flut von Anträgen und Schriftsätzen zu der Privatanklage eingedeckt haben. Ho gab Interviews und beklagte sich öffentlich, dass sein guter Ruf unter den Veröffentlichungen von ZackZack litte. Noch am Prozesstag brachte ein Mitarbeiter Zangers einen Schriftsatz bei Richter Wagner vorbei. Doch sein Chef kam nicht zur Verhandlung.

Wie kann das passieren? Wollte Zanger verhindern, dass Pilz vor den versammelten Medienvertretern aussagt? Oder hat er schlicht vergessen? Telefonisch ist Zanger nicht erreichbar, denn laut einer Mitarbeiterin ist er – kein Scherz – bei einem Auswärtstermin.

Strafrechtlich hat Ho also verloren, indem er den eigentlichen Prozess gar nicht erst führte. Seine zivilrechtliche Millionenklage gegen ZackZack läuft noch.

(tw)

Titelbild: APA Picturedesk

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