Montag, Juni 17, 2024

Für 150.000 Euro: Finanzministerium fragte in Beinschab-Umfrage, welches Tier Sebastian Kurz ist

Für 150.000 Euro:

Die ÖVP-Inseratenaffäre ist um eine Facette reicher. Am Mittwoch wurden bislang unbekannte Studien mit Umfragen zu Sebastian Kurz und Parteien bekannt. Aus gutem Grund hielt man sie unter Verschluss.

 

Wien, 20. Jänner 2022 | Die Beinschab-Studien halten die österreichische Innenpolitik weiterhin auf Trab. Die Vorwürfe der WKStA zur Umfragenaffäre der ÖVP führten zum vollständigen Rückzug des ehemaligen Bundeskanzlers Sebastian Kurz aus der Politik. Über das Finanzministerium sollen mittels Steuergeld Studien und Umfragen der Meinungsforscherin Sabine Beinschab in Auftrag gegeben haben. 2016 sollte der damals noch-Außenminister in ein gutes Licht gerückt werden, um ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner abzulösen.

Was für ein Tier wäre Sebastian Kurz?

Um welche Umfragen und Studien es sich größtenteils handelte, war bis jetzt ein gut gehütetes Geheimnis. Am Mittwoch berichtete nun die Tageszeitung „Presse“ als erstes Medium, was von der Meinungsforscherin konkret abgefragt wurde. Eine der Fragen soll etwa sein, mit welchen Tieren man die österreichischen Spitzenpolitiker in Verbindung setzen würde. Wenig überraschend kamen bei den abgefragten ÖVP-Politikern deutlich positiver konnotierte Zuschreibungen heraus.

Der damalige ÖVP-Finanzminister Hans-Jörg Schelling etwa wurde als stattlicher Adler oder mächtiger Bär bezeichnet. Sebastian Kurz als ein kluger Delfin oder als Eichhörnchen. Die Konkurrenz kam in den Beinschab-Fragen gar nicht gut weg. Werner Faymann und Christian Kern wurden als Hyäne und Affe beschrieben.

Doch nicht nur Tiervergleiche wollte man abfragen, auch Beschreibungen von Parteien, und zwar mittels der Frage, welches Auto man den Parteien zuordnen würde. Die Grünen wurden als Tesla beschrieben, die SPÖ als ein alter VW-Bus, die Freiheitlichen als ein eher unspannender Ford oder Opel, die Neos als kleiner Fiat 500 und die ÖVP selbstverständlich als flotter, schnittiger Sportwagen.

Angebot 34.680 – Bezahlt 155.940

Ein großer Erkenntnisgewinn war dabei nicht gegeben. Das Finanzministerium stellte den Umfragen in der internen Revision nun ein vernichtendes Urteil aus: “Aus den nachgereichten Unterlagen ist erkennbar, dass die ursprüngliche, undatierte Studie in einem hohen Maß Fragen zu politischen Parteien und Politikern enthielt und Ergänzungsarbeiten, soweit nachgeliefert, den sachlichen Zusammenhang zu der ursprünglichen Studie vermissen lassen.” Die Kosten haben es ebenfalls in sich. Im Bericht heißt es: “Sie begann mit einem Angebot von 34.680 Euro und endete nach zehn Rechnungen mit 155.940 Euro brutto”.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

Autor

  • Benedikt Faast

    Redakteur für Innenpolitik. Verfolgt so gut wie jedes Interview in der österreichischen Politlandschaft.

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