Samstag, Juni 22, 2024

Heimische Reiche besitzen noch mehr als angenommen

ÖNB-Studie

Österreichische Reiche besitzen noch mehr als angenommen, das zeigt eine neue Studie der Nationalbank. Demnach könnte dem reichsten Prozent bis zu 50 Prozent des gesamten Vermögens gehören.

Wien, 31. Jänner 2022 | Das Vermögen von Milliardären und Millionären in Österreich könnte bisher deutlich unterschätzt worden sein. Eine aktuelle Studie der Nationalbank (OeNB) kommt zu dem Ergebnis, dass das reichste Prozent der Österreicher nicht wie bisher angenommen rund 25 Prozent des Gesamtvermögens besitzen. Es könnten sogar bis zu 50 Prozent des Gesamtvermögens sein.

Zum reichsten Prozent zählen Österreicherinnen und Österreicher mit einem Vermögen von mehr als zwei Millionen Euro und zu den reichsten zehn Prozent gehören Haushalte mit einem Nettovermögen von 500.000 Euro.

Reichste zehn Prozent könnten bis zu 75 Prozent besitzen

Bei den reichsten zehn Prozent der Österreicher gehen die Berechnungen weniger stark auseinander, aber auch hier könnte die  Household Finance and Consumption Survey (HFCS), so der Name der Studie, die EU-weit durchgeführt wird, die Vermögensungleichheit bisher unterschätzt haben. Die HFCS geht davon aus, dass in Österreich zwischen 58 und 75 Prozent des Gesamtvermögens von den reichsten zehn Prozent gehalten wird.

Erhebung mit Vorsicht zu genießen

Das Forscherteam bestand aus zwei OeNB-Ökonomen und einem US-Statistiker. Sie basierten ihre Berechnungen auf der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, den Reichenlisten der Magazine “Trend” und “Forbes” sowie auf OeNB-internen Daten.

Die Studienautoren mahnen aber zur Vorsicht im Umgang mit der neuen Erhebung. Denn für eine präzisiere Berechnung der Vermögensverteilung bräuchte es bessere Daten bezüglich der Superreichen, argumentieren die beteiligten Wissenschaftler. Deshalb sei es auch schwierig, Modelle für Vermögens- und Erbschaftssteuern zu berechnen. Auch Indikatoren für die Vermögensungleichheit und internationale Vergleiche könnten deshalb fehlerhaft sein.

Kritik an fehlender Transparenz, SPÖ für Reichenabgaben

An der bisherigen Vermögenserhebung gab es schon früher Kritik. Die Arbeiterkammer (AK) hatte 2020 gemeinsam mit dem Ökonomen Jakob Kapeller dargelegt, dass die OeNB-Erhebung die Vermögen der besonders Reichen aus mehreren Gründen nicht erfassen könne. Etwa könnten bei kleinen Stichproben die wenigen Superreichen nicht erfasst werden, außerdem verweigerten Reichere eher die Antwort bei einer Befragung, und sie gäben ihre Vermögenswerte tendenziell zu gering an.

WU-Professor Emanuel List, der sich ebenfalls mit der Vermögensverteilung befasst, sagte am Montag im ORF-Radio, dass ein Vermögensregister für mehr Transparenz und eine solidere Datengrundlage sorgen könnte.

Von der Gewerkschaft und der SPÖ kamen am Montag Rufe nach mehr Steuergerechtigkeit. SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer machte die Volkspartei für die Schieflage im Steuersystem verantwortlich. “Die ÖVP macht Politik für die Millionäre und Milliardäre, nicht für die Millionen arbeitenden Menschen.” Die SPÖ fordert eine Abgabe auf große Vermögen und Erbschaften, der Gewerkschaftsbund ÖGB eine Millionärssteuer. Ein klares Nein zu Reichensteuern kam vom ÖVP-Wirtschaftsbund.

(apa/mst)

Titelbild: APA Picturedesk

Autor

  • Markus Steurer

    Hat eine Leidenschaft für Reportagen. Mit der Kamera ist er meistens dort, wo die spannendsten Geschichten geschrieben werden – draußen bei den Menschen.

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