Freitag, Juni 14, 2024

Straßen-Blockaden: »Protest richtet sich nicht gegen die Autofahrer«

Straßen-Blockaden:

Am Montag blockierten sie den Gürtel, am Dienstag den Verteilerkreis. Die Gruppe „Aufstand der letzten Generation“ ist nun auch in Österreich aktiv. Wer sind die Umweltschützer, die ihre Hände an die Straße festkleben?

Wien, 08. Februar 2022 | Rund 20 Klimaaktivisten blockierten Dienstagmorgen den Verteilerkreis in Wien Favoriten. Demonstriert wurde gegen Straßenbau und das Lobau-Projekt. Bereits am Vormittag legten mehrere Personen den Berufsverkehr am Gürtel lahm. Für beide Aktionen zeigt sich die Initiative „Aufstand der letzten Generation“, die sich neben Straßenbau und Bodenversiegelung auch gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt, verantwortlich. Die Umweltschützer, die seit August 2021 in Deutschland aktiv sind, stellen nun auch die Geduld österreichischer Autofahrer auf die Probe.

“Protest richtet sich nicht gegen Autofahrer selbst”

Mit den Straßen-Blockaden sollen Politiker zu verschärften Klimagesetzen gezwungen werden. Der Protest richte sich also nicht gegen die Autofahrer selbst, wie Florian von “Die letzte Generation Österreich” gegenüber ZackZack meint. Wieso demonstriert man dann nicht auf den üblichen Plätzen oder auf Straßen, die weniger stark befahren sind? “Weil dort der Protest so schön ignoriert werden kann”, so der Aktivist.

Es geht also um die nötige Aufmerksamkeit. Aus Erfahrung wüsste man, dass ähnliche Proteste, wie etwa vor Firmengeländen, sich “vom System irgendwie managen lassen.”

“Dann ist es für die Unternehmen halt mal kurz unangenehm in den Medien, dann steckt man bisschen PR-Arbeit hinein und die ganze Sache ist wieder erledigt”,

Flo, Aktivist bei “Die letzte Generation”

Geduldsprobe für Autofahrer

Im Internet machten zuletzt immer wieder Videos die Runde, die Sitzblockaden der selben Gruppierung in Berlin zeigen. In einigen ist zu sehen, wie wütende Autofahrer selbst Hand anlegen, und beginnen, die Aktivisten von der Straße zu zerren. Auch Schimpftiraden mussten die Umweltschützer über sich ergehen lassen, schließlich waren viele im Stress und auf dem Weg zur Arbeit.

Auch die Kommentare im Netz fielen nicht nur positiv aus. Von “wohlstandsverwahrlosten Kids”, die “lieber mal einer richtigen Arbeit nachgehen sollten”, ist dabei oft die Rede.

Dabei wären die Proteste in Berlin anfangs noch halbwegs friedlich und ohne Handgreiflichkeiten verlaufen, erst in den letzten Wochen hätte sich die Stimmung zunehmend aufgeheizt, so Florian. Und wie nahmen die Wiener Autofahrer am Verteilerkreis die Blockaden auf? “Es ist alles friedlich geblieben, natürlich wurde aber aus einzelnen Fenstern herausgepöbelt. Wir haben aber Personen im Einsatz, die umgehend zu den Autofahrern hingehen und erklären: ‘Dieser Protest richtet sich nicht gegen euch, wir brauchen Aufmerksamkeit für das und das Thema’.”

Aktivisten greifen zu Superkleber

So wie die meisten Straßen-Blockaden durch die Polizei beendet werden müssen, dauerte es auch in Favoriten nicht lange, bis die Beamten eintrafen. Auch die Feuerwehr war im Einsatz, weil einige der Aktivisten ihr Hände mit Superkleber auf der Straße befestigten. Diese Form des Protest ist keine neue und soll laut Florian die “Verletzlichkeit” der Aktivisten beim Thema Klima ausdrücken. Auch Organisationen wie “Fridays for Future” oder “Extinction Rebellion” hätten schon zu solchen Methoden gegriffen.

Für die Zukunft seien weitere Protestaktionen in Österreich geplant. Genaueres soll am Samstag bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben werden.

(mst)

Titelbild: LetzteGenerationAT

Autor

  • Markus Steurer

    Hat eine Leidenschaft für Reportagen. Mit der Kamera ist er meistens dort, wo die spannendsten Geschichten geschrieben werden – draußen bei den Menschen.

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