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WHO-Studie zeigt: Jede vierte Frau erlebt Partnergewalt

WHO-Studie zeigt

Aktuelle Daten der Weltgesundheitsorganisation bestätigen, wie groß das Problem von Gewalt gegen Frauen ist. Jede vierte Frau weltweit ist mindestens einmal im Leben von Gewalt in einer Partnerschaft betroffen. 

Genf, 18. Februar 2022 | Die Weltgesundheitsorganisation schlägt Alarm, denn laut aktuellen Daten wird jede vierte Frau auf der Welt mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt in einer Partnerschaft. Rund 27 Prozent aller Frauen sind betroffen. Die Grundlage dafür sind 300 Studien und Umfragen aus 161 Ländern und Regionen. Es ging um Daten von rund zwei Millionen Frauen ab 15 Jahren aus den Jahren 2000 bis 2018.

Junge Frauen bereits stark betroffen

Am stärksten betroffen sind Frauen im Alter zwischen 30 und 39 (mit 28%). Doch bereits in der jüngsten erhobenen Altersgruppe von 15 bis 19 Jahren hatten etwa 24 Prozent der Frauen in ihrem Leben bereits solche Gewalterfahrungen gemacht. “Die hohe Zahl junger Frauen, die Gewalt in Paarbeziehungen erleben, ist alarmierend, denn die Jugend und das frühe Erwachsenenalter sind wichtige Lebensabschnitte, in denen die Grundlagen für gesunde Beziehungen gelegt werden”, sagt Wissenschafterin Lynnmarie Sardinha von der WHO dazu.

Am weitesten verbreitet ist Gewalt gegen Frauen in der Partnerschaft der Studie zufolge in Ozeanien (49 Prozent), am geringsten in Zentraleuropa (16 Prozent). In ärmeren Ländern ist sie generell häufiger als in reicheren. Als Schwächen ihrer Studie nennt das Forscherteam die regional unterschiedliche Verfügbarkeit und Qualität der Daten, Gruppen wie Menschen mit Behinderungen und ethnische Minderheiten seien nicht vollständig erfasst. Zudem beruhten viele Daten auf Selbstauskünften, etwa zur Art der Beziehung.

Regierungen müssen mehr tun

Regierungen, Gesellschaften und Gemeinschaften müssen laut WHO “aufhorchen, mehr investieren und dringend handeln, um die Gewalt gegen Frauen zu verringern.” Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass die Regierungen auf keinem guten Weg sind, das von den Vereinten Nationen formulierte Entwicklungsziel zu erreichen, Gewalt gegen Frauen und Mädchen bis 2030 zu beenden.

Obwohl diese Studie vor der COVID-19-Pandemie durchgeführt wurde, sind die Zahlen laut Studienleiterin Claudia Garcia-Moreno alarmierend. Die Forschung habe gezeigt, dass die Pandemie Probleme, die zu Gewalt in der Partnerschaft führen, wie Isolation, Depressionen und Angstzustände sowie Alkoholkonsum, verschärft und den Zugang zu Hilfsdiensten erschwert habe.

Situation in Österreich

Auch wenn europäische Länder im Bericht der WHO “am besten” abschneiden und im weltweiten Vergleich die wenigste Gewalt an Frauen stattfindet, ist die Situation hierzulande keineswegs rosig. Laut einer Erhebung der EU-Agentur für Grundrechte aus dem Jahr 2014 ist in Österreich jede fünfte Frau ab ihrem 15. Lebensjahr körperlicher und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt.

Laut Zählung der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser (AÖF) wurden im Jahr 2021 in Österreich 31 Frauen getötet, 30 davon mutmaßlich durch (Ex-)Partner, Bekannte oder ein Familienmitglied. Mit Stand 18. Februar 2022 dokumentieren die AÖF heuer bereits sieben mutmaßliche Mordversuche beziehungsweise schwere Gewalt durch (Ex-)Partner, Familienmitglieder oder durch Personen mit Naheverhältnis zum Opfer.

Hilfenummern

  • Kostenlose Frauenhelpline: 0800 222 555
  • Männertelefon bei Gewalt in der Familie, wenn Sie als Mann zu Gewalt neigen, oder von Gewalt betroffen sind: 0720- 70 44 00 (österreichweit zum Ortstarif);  beratung@maennerinfo.at

(sm/apa)

Titelbild: Geoffroy van der Hasselt/ AFP Picturedesk

Autor

  • Stefanie Marek

    Redakteurin für Chronik und Leben. Kulturaffin und geschichtenverliebt. Spricht für ZackZack mit spannenden Menschen und berichtet am liebsten aus Gerichtssälen.

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