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Das passiert, wenn Putin das Gas abdreht

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In den 54 Jahren, in denen Österreich russisches Erdgas bezogen hat, ist geopolitisch einiges passiert. Doch das Gas ist immer geflossen. In Zeiten von Krieg und Sanktionen fragen sich jedoch viele wieder: Was passiert, wenn Putin den Hahn zudreht?

Wien, 25. Februar 2022 | Trotz Einmarsches in die Ukraine liefert Russland derzeit Gas nach Österreich. Das teilte Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) nach einem Treffen mit Experten und Expertinnen der E-Control, der Energieagentur sowie des Ministeriums mit. Aber selbst wenn es keine Gaslieferungen mehr gäbe, würden die Gasvorräte ohne staatliche Eingriffe im Land bei einem durchschnittlichen Winter bis Ende April, bei einem sehr kalten Winter bis Ende März reichen, versichert Gewessler.

Versorgung laut Ministerin für diesen Winter gesichert

Russland habe angekündigt, die Gaslieferungen über die Ukraine fortzusetzen. “Ob diese Angaben verlässlich sind, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht beantworten”, heißt es in einer Stellungnahme Gewesslers. Sollte es mit der Versorgung eng werden, könnten über die im Energielenkungsgesetz vorgesehenen Mechanismen auch staatliche Eingriffe zur Sicherstellung der Versorgung der österreichischen Haushalte eingeleitet werden. In Summe “ist die Versorgung der Haushalte vorrangig, sie ist aus heutiger Sicht jedenfalls gesichert. Auch über den Winter hinaus”, so die Ministerin.

Klimaschutzministerium, E-Control und Energieagentur stünden mit zwei täglichen Updates zwischen allen Beteiligten im laufenden Austausch. “Die Lage wird genau beobachtet”, heißt es in der Mitteilung. Gewessler sei auch “mit den Partnern auf EU Ebene und auf internationaler Ebene in engem Austausch, um eine langfristige Gasversorgung zu ermöglichen”.

Gasspeicher zu 18 Prozent gefüllt

Die Gasspeicher in Österreich sind aktuell nur zu 18 Prozent gefüllt. Das ist der niedrigste Stand in der EU. Allerdings gibt es hierzulande relativ hohe Speicherkapazitäten. Gewessler will nun bis zum Sommer ein Gas-Bevorratungsgesetz und ein Erneuerbaren Wärmegesetz auf den Weg bringen. Das Bevorratungsgesetz müsse sicherstellen, dass es eine höhere Gasbevorratung in Österreich gebe, sagte die Energieministerin am Donnerstagabend in der “ZIB2” des ORF. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) hatte sich am Mittwoch für den Beschluss eines Bevorratungsgesetzes für Gas nach dem Modell einer entsprechenden Vorschrift für Erdöl ausgesprochen. Das Erneuerbare Wärmegesetz werde etwa Gasheizungen in Neubauten verbieten oder den Austausch von Gasthermen fördern, so Gewessler.

Was, wenn Putin den Gashahn dauerhaft zudreht?

Seit 1968 bezieht Österreich Erdgas aus Russland. Heute kommt das verbrauchte Gas zu 80 Prozent von dort. Um kurzfristig “die Situation zu entspannen”, will die heimische Energieministerin auf Flüssiggas und andere Gas-Lieferländer setzen. Kritik übte Gewessler an der Energiepolitik der vergangenen Regierungen. Man habe in den letzten 10 bis 15 Jahren “zu wenig getan”, um die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zu reduzieren.

In dieselbe Kerbe schlägt auch der Sprecher von Niederösterreichs größtem Energieversorger EVN, Stefan Zach. Ein komplettes Zudrehen des Gashahns hält er für unwahrscheinlich, schließlich würden beide Seiten seit Jahren davon profitieren: “Österreich bezieht seit 1968 russisches Erdgas, die Versorgung hat immer gut funktioniert, und da gab es eine ganze Reihe von krisenhaften Ereignissen, das Gas ist aber immer geflossen.” Trotzdem ist er für ein Umdenken in der Energieversorgung, die weg von einer Abhängigkeit Russlands führt.

Ein sinnvoller Weg wäre künftig, vermehrt aus überschüssigen Solar- und Windstrom aus dem Sommer Methan, Wasserstoff oder Biogas zu erzeugen und dieses für den Winter zu speichern. “Da braucht es aber Rahmenbedingungen, damit Unternehmen das auch machen können”, so Zach gegenüber ZackZack. Der Weg aus der Abhängigkeit sei aber ein langer.

Was passiert jedoch im Worst-Case-Szenario, sollte Russland in nächster Zeit wirklich kein Gas mehr liefern? Es gebe eine gewisse Inlandsproduktion in Österreich, diese liege bei etwa zehn Prozent des Jahresbedarfs. Deshalb müsste Österreich auf andere Bezugsquellen zurückgreifen. Gefragt wäre in so einem Fall die europäische Solidarität. So müsste etwa Gas verstärkt aus Norwegen nach Mitteleuropa geleitet werden oder Flüssiggass aus allen möglichen Ländern geholt werden. “Eine Abhängigkeit durch eine andere zu ersetzen ist jedenfalls auf Dauer nicht sinnvoll. Ich glaube man will auch nicht von amerikanischem Schiefergas abhängig sein”, so Zach

(mst)

Titelbild: APA Picturedesk

Autor

  • Markus Steurer

    Hat eine Leidenschaft für Reportagen. Mit der Kamera ist er meistens dort, wo die spannendsten Geschichten geschrieben werden – draußen bei den Menschen.

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