Montag, Juni 17, 2024

Beinschab belastet Karmasin wegen Tätigkeit nach Razzia

Eine ergänzende Stellungnahme der Umfrageunternehmerin Sabine Beinschab belastet Ex-Familienministerin Sophie Karmasin. Der Anwalt der Ex-Ministerin wiederum ist erbost und sieht eine „mediale Kampagne“. Jetzt steht Karmasin kurz vor ihrer Enthaftung:

 

Wien, 28. März 2022 | Ex-ÖVP-Familienministerin Sophie Karmasins U-Haft wird kontrovers diskutiert. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) sieht jedenfalls Tatbegehungsgefahr. Wegen der Vorwürfe Geldwäscherei, Untreue, Bestechlichkeit und Preisabsprache bei Vergabeverfahren wird gegen Karmasin ermittelt, für die ehemalige Ministerin gilt die Unschuldsvermutung. Jetzt liegt eine ergänzende Stellungnahme von Karmasins Ex-Geschäftspartnerin, der Umfrageunternehmerin Sabine Beinschab, vor.

Karmasin-Rechnung ging an Beinschab

Darin heißt es wörtlich: „MMag. Dr. Sophie KARMASIN setzte nach der Hausdurchsuchung am 6.10.2021 ihre Tätigkeit als Markt- und Meinungsforscherin fort. Dies ist aus mehreren Emails, Gesprächen mit der Beschuldigten und Medienberichten ersichtlich“. Die Stellungnahme ist datiert auf Montag vergangener Woche. Sie enthält auch den Vorwurf, dass Karmasin Beinschab ermahnt habe, Daten zu löschen. Anlass sei gewesen, “dass jemand aus dem Umfeld von Karmasin, dessen Namen sie nicht nannte, offensichtlich Probleme bekam, da bei ihm/ihr E-Mails zu Angebotsabsprachen gefunden wurden”. Ex-Kanzler-Sprecher Johannes Frischmann habe Karmasin laut Unterlagen ersucht, via Signal zu kommunizieren.

Am 29. Dezember 2021, also mehr als zwei Monate nach der Razzia bei Karmasin, soll Beinschab ihrer eigenen Stellungnahme zufolge ein Mail erhalten haben, das eigentlich an Karmasin Research & Identity GmbH adressiert gewesen sei. „Es handelt sich um die Verrechnung von Online-Interviews“ zum Thema „Katholisch“, wie es in der Stellungnahme heißt. Beinschab will die Karmasin-Rechnung erhalten haben, weil sie beim Kunden als Ansprechpartnerin bekannt gewesen sei.

Nahm an Veranstaltungen teil

Im Dokument der Beinschab-Anwältin sind auch Veranstaltungen nach der Razzia aufgelistet, an denen Karmasin teilgenommen haben soll, beispielsweise eine vom 12. Oktober 2021 (eine Woche nach der Razzia). Demnach soll Karmasin einen Vortrag zum Thema „Wie kann man die Motivation von Routinearbeiten im Gesundheitsbereich steigern?“ in Graz gehalten haben. Auf der Website des Gesundheitsfonds Steiermark ist eine entsprechende Präsentation der Karmasin Research & Identity GmbH zu finden.

Eine Teilnahme Karmasins an einem Symposium im November 2021 wird ebenso genannt. Thema: „Postcoronale Gesellschaft“. Im Rahmen des Events erstellte Karmasin laut einem Bericht von „meinbezirk.at“ eine Studie zu Burnout und Arbeitsbelastung. Ebenfalls brisant ist Beinschabs Behauptung, die Subauftragnehmerin G. habe ihr Ende Jänner 2022 mitgeteilt, aktuell für Karmasin zu arbeiten.

Anwalt sieht „mediale Hinrichtung“

Karmasins Anwalt Norbert Wess zeigt sich auf ZackZack-Nachfrage erbost über die „mediale Hinrichtung“ Karmasins, wie er es nennt. Karmasin habe längst offengelegt, lediglich noch „offene Aufträge abgearbeitet“ zu haben, aber „keine öffentlichen Aufträge“. Man solle die „Kirche im Dorf lassen“, so Wess. Bereits ab November habe Karmasin nachweislich Rechnungen für ihre neue Ausrichtung bezahlt, das sei „alles vorgelegt worden“, sagt Wess zu ZackZack.

Außerdem bleibe Beinschab den Beweis schuldig, dass an Karmasins Tätigkeit nach der Razzia „irgendetwas strafrechtlich relevant sei“. Beinschab habe in keiner Weise eine Verfehlung nachgewiesen. Beinschabs Anwältin Katrin Blecha-Ehrbahr war für die Redaktion kurzfristig nicht erreichbar. Auch gegen die Umfragenunternehmerin wird wegen Untreue und Bestechlichkeit als Beteiligte ermittelt, es gilt die Unschuldsvermutung.

(wb)

Update 16:07 Uhr: Karmasin steht vor Enthaftung: Wie die APA in Erfahrung brachte, gab das Wiener Oberlandesgericht (OLG) einer Haftbeschwerde Folge, die Karmasins Anwälte Norbert Wess und Philipp Wolm (Kanzlei Kollmann Wolm) eingebracht hatten.

(apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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